Kuhhintern:
Weitwinkelfotografie braucht Absicht

Jan Zappner, 18. August 2009 11:03 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Weitwinkelobjektive bieten viele Vorteile und Gestaltungsmöglichkeiten. Ihr Einsatz will aber bewusst gestaltet sein.

Kommentar des Fotografen:

Das Bild entstand beim Abstieg von einer Bergtour im Oberallgäu. Um die Kuh (den Jungbullen?) nicht zu dunkel erscheinen zu lassen, habe ich den integrierten Blitz benutzt und bin mit dem Ergebnis eigentlich sehr zufrieden. Bei einem Menschen hätte die kurze Brennweite wohl eher zu seltsamen Proportionen geführt, hier verstärkt sie meiner Meinung nach noch die Wirkung.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Stefan Brödner:

Jedes Objektiv hat sein spezielles Einsatzgebiet, für das es besonders gut geeignet ist. Das Weitwinkel, hier 15mm (22mm mit Brennweitenverlängerung), kann natürlich wesentlich mehr einfangen als ein 50 mm Standardobjektiv.

Seine Anwendung ist zunächst mal nicht einfach ein Vorteil, sondern eher eine Frage der eigenen Intention beim Fotografieren.

Was will ich wie ausdrücken? – das sollte als Frage vor jedem Foto stehen, das man macht. Die zweite Frage ist dann, welches Objektiv ich für die Umsetzung benötige.

Da das Weitwinkel an den Rändern verzerrt und damit Dinge größer darstellt als in der Mitte des Objektivs, braucht es schon eine genaue Begründung, warum man gerade diesen Effekt möchte. Man kann die Verzerrung auch ein wenig abschwächen, indem man eher eine Szenerie oder Landschaft aufnimmt, die einen größeren Abstand zum Objektiv hat. Weitwinkelobjektive werden deshalb vor allem für Landschaftsfotografie, Innenarchitektur (mit Perspektivenkorrektur), und zur Dokumentation von Anlässen und Vorgängen verandt, bei denen die Verzerrung kein Problem ist oder aber als Stilmittel eingesetzt wird.

Kühe mögen für Großstädter ein wenig unförmig erscheinen. Das macht sie vielleicht sogar lustig. Um diesen Eindruck zu verstärken, kann es also sinnvoll sein, mit einem Weitwinkelobjektiv noch einen drauf zu setzen. Das wäre ein bewusster Einsatz des Weitwinkels in einem Bereich, in dem man ihn sonst gerade wegen der Verzerrung eher nicht verwenden würde.

Aber so richtig sehe ich das hier nicht. Es fehlt der Mut, noch näher ranzugehen, die Kuh bildfüllend und an beiden Enden verzerrt zu zeigen – das wäre konsequent. Man hätte aber auch die Kuh in ihrer Lebensumgebung zeigen können: Die Alm, der Wald, grüne Hügel, und dann grasen da ein paar Kühe. Auch dafür ist das Weitwinkel geeignet, weil man viele Informationen unterbringen kann. Dabei verzeiht das Weitwinkelobjektiv Dinge wie Schärfenfehler, verlangt aber eine weit genauere Komposition des Bildes: Es dient vor allem dazu, Weite, Raum und Distanz umzusetzen, benötigt aber ein gut komponiertes Bild, um nicht langweilig oder öde zu wirken.

Das Problem mit dem Licht ist gut gesehen und die Lösung durch den Blitz finde ich schön gelungen. Du hättest aber auch auf die andere Seite der Kuh wechseln können, die dann in der Sonne gestanden hätte.

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2 Kommentare

  1. Schtonk!
    schrieb am 18. August 2009 um 12:47 Uhr (#)

    Hihi, die arme Mutanten-Kuh…Hinterbeine doppelt so lang wie Vorderbeine und 3x so dick.

    “Der Mut, näher ranzugehen”…öh, habt ihr keine Angst, dass euch die Leser ausgegen, wenn sie den Stieren zum Knipsen unter die E*er kriechen? ;o)

  2. Falko
    schrieb am 22. August 2009 um 02:31 Uhr (#)

    Da sieht man mal wieder wie der Geschmack auseinander gehen kann. – Ich finde das Bild grosse Klasse. Sehr schön ausgewogene Farben und Komposition und vor allem ein alltägliches Bild in einer neuen Art und Weise abgelichtet. – Von einer Frau sollte man solche Bilder tunlichst vermeiden, von einer Kuh aber finde ich es grossartig.

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