Sportbild:
Mitgezogen und eingefroren

In Sportbildern Dramatik und Bewegung zu vereinen ist nicht leicht – hier aber sehr gut gelungen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht und Kameradaten (© Stefan Von Ryssel).

Kommentar des Fotografen:

und noch eins aus der Serie bewegte Motive… Ich denke, die Anstrengung im Gesicht der kleinen Teilnehmerin ist so kurz vorm Ziel berechtigt, nachdem sie knapp 500m bei 40° Steigung alles gegeben hat. Hab besonders Probleme Dinge, die sich auf mich zu /weg bewegen, schwarf zu kriegen und die bewegten Teile (Räder etc) in Bewegung zu halten, dass es dynamisch aussieht…

Profi Jan Zappner meint zum Bild von stefan von ryssel:

Sportereignisse leben von der Anstrengung der Teilnehmer und der Begeisterung der Zuschauer. Der Kontrast zwischen entspannten Zuschauern und den hart um die Plätze kämpfenden Sportlern verdeutlicht ja erst die Anstrengung der Wettkämpfer:

Dieser Kontrast ist hier super herausgearbeitet worden. Vor allem durch die Technik des Mitziehens ist in diesem Bild eine unglaubliche Dynamik zu spüren. Diese Dynamik wird durch den Gesichtsausdruck des Mädchens noch verstärkt, der so unglaublich konzentriert (fast schon ein Tunnelblick) ist, dass ich die Anstrengung förmlich in meinen Oberschenkeln spüren kann.

Beim Mitziehen bewegt der Fotograf seine Kamera bei einer längeren Verschlusszeit gleichschnell mit seinem Objekt in die gleiche Richtung. Dadurch wird das Objekt scharf und der Hintergrund verwischt leicht, was den Eindruck der Bewegung verstärkt. Das Mitziehen ist keine einfache Technik und hier wirklich gut geglückt. Die Entscheidung für ein Weitwinkelobjektiv ist hier ausserdem richtig, weil Du relativ nah and er Wettkämpferin bist und ihre Umgebung im Bild mitnehmen willst, aber auch, weil es durch die grosse Schärfentiefe für einen Mitzieher besonders geeignet ist.

Gemäss Exif-Daten hast Du ausserdem einen Aufhellblitz verwandt, was die Bewegung auch der verwischten Zuschauer zu einem Zeitpunkt einfriert. Wenn man das tut, ist es wichtig, den Blitz bei einer längeren Belichtungszeit auf den zweiten Vorhang auslösen zu lassen: So wird die Zeit nach dem „geschärften Moment“ verwischt. Löst der Blitz auf den ersten Vorhang aus, also, wenn sich der Verschluss öffnet, dann verwischt sich die Zeit danach – und die Bewegungspuren lassen die Akteure sozusagen „rückwärts“ gehen.

Beim nächsten Rennen kann man die Dramatik aber noch weiter auf die Spitze treiben. Ich lese im Text von einer Steigung, die zu überwinden war. Die will ich im Bild sehen. Entweder die Rennfahrer gehen aus dem Sattel oder der Anstieg wird durch den Berg deutlich gemacht. Auf jeden Fall stelle ich mir hier einen Gesichtsausdruck vor, der die Quintessenz des gequälten Sportlers zeigt. Außerdem sollte man eine Position suchen, von der aus man auf richtig begeisterte Zuschauer sieht, die wild schreien, klatschen oder jubeln.

Zum Schärfeproblem: Es gibt eine Einstellung bei allen SLR Kameras im Autofocus-Menü, die eine automatische Schärfenachführung aktiviert. Mit dem Continous-Focus und dem Focus in der Automatik der Kamera auf Motiverkennung (alle Sensoren benutzten, nicht einen Punkt auswählen) eingestellt, sollten diese Probleme erstmal behoben sein.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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6 Antworten
  1. stefan says:

    hallo swonkie…
    das bild ist aus der serie wohl eher glücklicher zufall. ich lag da auf dem boden eine ganze weile und hab einige einstellungen getestet. wirklich bewußt war da nichts geplantes bei. :)

    das mit dem zweiten vorhang hab ich immer noch nicht begriffen weil ich mich damit nicht weiter beschäftigen konnte. ich hoffe dazu gibts im winter mehr zeit.

    :)

    freut mich das euch das bild gefällt.

    kleine anekdote noch dazu: ohne es zu wissen habe ich hier den nachwuchs des veranstalters abgelichtet… dieser hat mich auf grund dieses artikels kontaktiert und sich tierisch gefreut, dass er seine tochter in aktion sehen durfte. hab ihm das bild natürlich zur verfügung gestellt. :) manchmal ist dieser web2.0 kram also doch für etwas gut… ;)

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  2. Swonkie says:

    sehr gutes bild.
    auch die unschärfe der räder ist gut gelungen (siehe reifen am vorderrad). aber durch den blitz sind einige speichen am vorderrad (bzw die hilights auf den speichen) dennoch gestochen scharf. ist wohl nicht zu vermeiden wenn die speichen glänzend sind.

    @jan zappner:
    tippfehler – beim synchronisieren auf den zweiten vorhang wird die zeit VOR dem blitz verwischt.
    aber bei dem bild hier sehe ich ohnehin keine stellen wo der effekt sichtbar ist.

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  3. Christian says:

    Bin total begeistert von dem Bild, finde den Blitz sehr passend gewählt und auch das Weitwinkel sehr interessant, Du mußt ja bei 12mm wirklich nah dran gewesen sein.
    Der Gesichtsausdruck des Mädchens spricht wirklich Bände.
    Ich kann nur sagen: Mach weiter so!

    Beste Grüße

    Antworten
  4. stefan says:

    hallo,

    danke für die tipps und die nette kritik. ich habe von der technik mit dem blitz noch wenig ahnung. vorallem 1. / 2. vorhang sind für mich unbekannt. dazu werd ich noch ein wenig nachlesen. und ja, es war steil! XD … hab noch einige bilder in meinem flickr account. wer will kann sich die dort ja ansehen.

    also nochmal danke und macht weiter so mit dem hochwertigen angebot hier.

    stefan

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