Aussen-Porträt:
Perfektion am Hintergrund

Auch an perfekt fotografierten Porträts kann man meist noch herumfeilen, wenn man ein bisschen sucht. Hier könnte man die Beine des Modells noch weiter zum Hintergrund machen, um den Bildmittelpunkt zu verstärken.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Holger Schemel).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Holger Schemel).

Kommentar des Fotografen:

Blicksicherheit demonstrieren Available light, Model : Janina – Outdoor 07/09

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Holger Schemel:

Das vorliegende Porträt wurde nach Angaben des Fotografen als Außenaufnahme mit vorhandenem Licht aufgenommen. Ich habe mir lange überlegt, was zu diesem Foto zu sagen wäre. Es ist perfekt fotografiert:

Technisch stimmt praktisch alles. Es ist auch perfekt nachbearbeitet, und trotz ISO 800 stört die starke Körnigkeit auch nicht, wenn man sich das Foto mit höherer Vergrößerung anschaut. Die Haare etc. verrraten wohl etwas zu viel Schärfung, um bei diesem ISO-Wert Details herauszuarbeiten. Aber auch das ist bei dieser Art Porträt durchaus usus, und Kunden erwarten generell diesen Grad an Detail und Perfektion in ihren Porträts – sie wollen schön aussehen.

Weil mit vorhandenem Licht fotografiert wurde, ist das Foto geprägt von weichen Formen. Durch die Blende und Brennweite ist das Gesicht scharf gehalten, der Rest des Körpers wirkt verschwommen, so daß sich der Betrachter auf das wichtigste, das Gesicht konzentriert, das wiederum optisch von Schultern etc. getragen wird.

Die BEine noch mehr in den Hintergrund verdunkelt.

Die BEine noch mehr in den Hintergrund verdunkelt.

Die Pose ist ebenfalls gut gewählt, denn nicht nur ist der Bildaufbau dynamisch, sondern das Foto insgesamt hübsch anzuschauen (ich habe mich allerdings gefragt, was das für eine Außenaufnahme war, wenn das Foto zumindest dem Anschein nach ein Aktfoto ist…).

Das einzige, was ich vielleicht anders machen würde, wäre, die Beine des Modells noch weiter zu verdunkeln, so daß sie noch mehr in den Hintergrund treten, und der Betrachter sich also noch mehr auf das Gesicht, die Schultern und Arme zu konzentrieren hat.

Abgesehen von diesem einen Punkt gibt es nur noch Kriterien, die ich mir persönlich für Bilder zurechtgelegt habe. Das sind aber alles persönliche Anhaltspunkte, die hinsichtlich der technischen Qualität des Bildes keinerlei Kritik üben. Ich möchte sie dennoch auflisten, denn manchmal hilft es einem als Betrachtenden, genauer festzulegen, was einem an einem Foto nahegeht – oder nicht.

1. Zwingt mich das Foto, es länger als nur ein paar Sekunden zu betrachten?

2. Warum?

3. Was genau fühle ich, wenn ich das Foto anschaue – gibt es irgendeine emotionale Reaktion, oder ist die einzige, die ich habe, „hübsch“?

4. Gibt es etwas an diesem Bild, was mich über das Foto hinaus beschäftigt?

5. Gibt das Foto etwas hinsichtlich der Intentionen des Fotografen preis?

Die Pose ist einmal etwas anderes, was Studioporträts angeht (hier jedoch den Angaben des Fotografen entsprechend nicht im Studio fotografiert, wirkt aber dennoch so).

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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8 Kommentare

  1. herzlichen Dank für die Kritik und Verbesserungspunkte an unserem Bild … Supernett!

    lieben Gruss, Holger

  2. toll! super!
    endlich mal wieder ein Bild, dass weniger Kritik verdient als mehr Beachtung.

    Ich benutze bei solchen Motiven zwar auch gerne etwas Vignettierung, aber das macht das Bild nicht besser, bestenfalls etwas anders. Die Augen und das Gesicht ziehen sicher jeden Betrachter auch so in den Bann.
    Wenn ich mir deine beeindruckende Galerie ansehe, Holger, frage ich mich allerdings, welcher Profi kritisiert hier eigentlich wen:-))

    Zu den Punkten, Sofie:
    1. jaaaaa
    2. die Augen
    3. ich fühle mich wie hypnotisiert
    4. ja, so möchte ich es auch machen können
    5. ??? (ein eindrucksvolles Portrait einer schönen, jungen Frau machen)

    Available light ist nicht unbedingt Aussenaufnahme, das Licht in den Augen sieht eher nach Fenster (oder Blitzschirm, Softbox) aus:-))

    Wenn bei der D700 und ISO 800 in dieser Verkleinerung Korn zu sehen ist, ist es wohl eher gewollt?

    Bitte mehr so interessante und anspruchsvolle Bilder!
    viele Grüsse
    dierk

  3. @Dierk Du hast recht, es kann auch drinnen fotografiert worden sein. My bad, wie wir Amerikaner sagen. Übrigens, was man sieht, sieht man bei voller Größe. Schärfung der Details etwa. Und ISO 800 fand ich nicht unangebracht. M.E. ein gelungenes Porträt.

  4. Ihr lieben … danke! es war ein Abrisshaus, Model im Raum und der Holger auf dem Balkon. Model hinter dem Fenster auf dem Boden sitzend mit dem Rücken zu mir, keinesfalls nackt. Das Bein habe ich bewusst im Bild gelassen, ohne wäre die Aufteilung nicht schön für “mein Auge” ..

    Die D700 in Verbindung mit dem 85mm 1.4 macht einen ISO Giganten daraus, macht einfach Sinn für Menschen wie mich, die keinem Model in die empfindlichen Augen blitzen mag. Ja, die Körnung ist nachträglich entstanden.

    Nochmal Danke, freut und ehrt mich sehr …

  5. Hallo Holger,
    Korn habe ich bisher nur bei S/W eingebaut (mit Nik Silver Efex). Wie machst du es?

    Ich habe die D3 und auch das 85/1.4, benutze es aber so gut wie nie, da ich bei Portraits lieber näher ran gehe. Dafür habe ich zwar die Canon 500D Nahlinse, macht aber wieder zu unbeweglich, wenn ich doch mal mehr Abstand haben will.
    So nehme ich fast nur noch das 105/2.8 Micro. Hat mit VR bei wenig Licht auch große Vorteile.

    Porträts habe ich mit dem 85er mit Blende um 2.0 versucht, um z.B nur ein Auge scharf zu haben, dabei ist die Trefferrate jedoch sehr gering, so dass ich bei neutralem Hintergrund jetzt doch lieber 5,6 bis 8 nehme.

    Und noch einmal, fantastische Bilder in deiner Galerie, Holger

    (ich hoffe, das ist nicht alles ‘off topic’, Sofie:-)

  6. @dierk Nein, finde ich super. Das ist genau die Interaktion, die ich mir generell wünschen würde. :)

  7. 1. jap
    2. auf alle fälle erst die Augen dann der Rest
    3. ich fühle mich angesprochen als wäre ich der Störenfried
    4. ich denke schon leider kann ich esnicht beschreiben
    5. glaube nicht eher des Models

    Auf jeden fall bewunde rich Holgers auf seiner SC binein großer Fan :)

  8. 1. JA!

    2. Die Augen in Verbindung mit dem Lächeln. Mein Blick wandert permanent von den Augen zum Mund und wieder zurück.

    3. Dieses geheimnisvolle Lächeln wirkt auf mich eher einladend, ich fühle mich nicht als Störenfried. Wie ist es wohl tatsächlich gemeint?

    4. Mich erinnert das ein bischen an da Vincis Mona Lisa. Konzentriert man sich auf die Augen wirkt das Lächeln sehr geheimnisvoll, es verstärkt sich sogar. Konzentriert man sich auf den Mund ist es längst nicht mehr so auffällig, eher ein normal geschlossener Mund. Ein sehr gelungener Effekt! Das ist das was mich an dem Bild eigentlich am meisten beeindruckt.

    5. Ein Porträt das die Schönheit der Person wiedergibt ohne sich allein auf die üblichen “geschlechtsspezifischen Merkmale” zu bechränken, welche hier ja nur dezent angedeutet wurden.

    Wobei ich Sofie mit dem Hintergrund recht gebe, andererseits passt dieser wiederum wunderbar zu der Augenfarbe.

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