Hans Eijkelboom:
Fotografische Untersuchungen

Der niederländische Fotograf Hans Eijkelboom beschäftigt sich in seinen fotografischen Untersuchungen mit der Identität der globalisierten Menschheit und ihrer Metropolen. Paris, New York und Shanghai hat er dafür bereist.

Paris steht dabei für die vergangene Avantgarde des 19. Jahrhunderts, New York für die Moderne des 20. und Shanghai für eine kommende, noch ungewisse Ära des 21. Jahrhunderts. Hans Eijkelboom arbeitet in streng methodischen Reihen, die auf täglich entstandenen Fotografien beruhen. Die online leider schlecht zu zeigenden Bilder sind derzeit in Köln zu sehen.

In Hans Eijkelbooms frühen Arbeiten steht die systematische Erkundung seiner eigenen Person im Vordergrund. In “Identity, 1976″ hat er beispielsweise zehn Personen, die er als Jugendlicher kannte und die er zehn Jahre nicht gesehen hatte, nach ihren Erinnerungen an ihn und Vorstellungen über ihn befragt. Ihre Antworten hat er in Form von Fotografien dargestellt, in denen er ihren jeweiligen Vorstellungen nachkommt, sei es als Elektriker, politischer Aktivist, Hippie oder Pilot.

An diesem Projekt zeigen sich grundlegende Komponenten von Eijkelbooms Werk: Zum einen ist es die Frage nach der Identität des Einzelnen und wie sich diese erkennen und erklären lässt. Zum anderen ist es ein starkes soziales Moment, das der Künstler zum Beispiel in Form von Gesprächen mit anderen immer wieder in seine Arbeiten einfließen lässt.

So hat Eijkelboom in seinem Projekt “Hommage an August Sander, 1981″ Passanten in seiner holländischen Heimatstadt Arnheim gebeten, ihm bestimmte Typen- oder Personengruppen zu nennen, die besonders auffällig, repräsentativ oder einfach nur als Teil der Gesellschaft das Stadtbild prägen. Von diesen sollten dann anschließend drei Beispiele in der Stadt ausfindig gemacht werden. Hans Eijkelboom beobachtet seine Umwelt direkt und geht dann in seinen fotografischen Serien den Fragen der Individualität und ihrer Bedingungen in der Gesellschaft nach. In der ausgestellten Serie “Paris – New York – Shanghai” will er diesen Fragen unter globalen Vorrausetzungen nachkommen.

Haben diese Metropolen in all ihrer Vielfältigkeit einen Reflex auf ihre Bewohner, fragt sich Hans Eijkelboom. Und wenn ja, wie lässt sich dieser visuell erfassen und bemessen? Die Suche nach Antworten führt den Fotografen direkt in die Städte hinein, er geht auf die Straßen und mischt sich unter die Menschen. Nach einer gewissen Zeit der Beobachtung hat sich Eijkelboom für einen Typus oder ein bestimmtes Merkmal entschieden, welches er dann in dem definierten Zeitrahmen von zwei Stunden mit unbeobachteter Kamera fotografiert. Dies können jugendliche Paare, Männer in Geschäftsanzügen oder Frauen mit Modeaccessoires wie Handtaschen oder Sonnenbrillen sein, die er anschließend in diesen vergleichenden Reihen zusammenstellt.

Erstaunlich sind die Ähnlichkeiten, die diesen fotografischen Untersuchungen Eijkelbooms erkennen lassen. Die Strukturen der globalen Massenproduktionen scheinen gegriffen zu haben und dennoch wird insbesondere im Detail der persönliche Ausdruck augenfällig. In dem 2007 bei Aperture, New York, erschienenen Buch Paris – New York – Shanghai (Affiliate-Link) ist diesem Konzept auch in gestalterischer Hinsicht Rechnung getragen worden.

Hans Eijkelboom. Paris – New York – Shanghai
Bis 8. November
Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur, Im Mediapark 7, D-50670 Köln
+49 (0)221 / 226 5900, photographie@sk-kultur.de
Geöffnet täglich außer Mittwoch von 14 – 19 Uhr, montags Eintritt frei

Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur Köln

Mehr lesen

Beatrice Apel/Renate Niebler: Konzentrationslager Flossenbürg

13.9.2011, 0 KommentareBeatrice Apel/Renate Niebler:
Konzentrationslager Flossenbürg

Das Konzentrationslager Flossenbürg: Die beiden Fotografinnen Beatrice Apel und Renate Niebler zeigen uns den Ort des Schreckens und die Überlebenden, so wie sie "im Hier und Jetzt" sind.

Viviane Sassen: Die Farben Afrikas

15.2.2011, 0 KommentareViviane Sassen:
Die Farben Afrikas

Licht, Schatten und diese Farben - Viviane Sassens Afrika-Bilder üben eine seltsame Anziehungskraft aus, jedenfalls auf mich.

Maja Weyermann: Digitalisierte Kindheitserinnerungen

26.9.2010, 0 KommentareMaja Weyermann:
Digitalisierte Kindheitserinnerungen

Kindheitserinnerungen von Migranten sind der Stoff für Maja Weyermann: Aus ihnen konstruiert die Schweizer Künstlerin am Computer Bilder von Räumen.

14.5.2012, 0 KommentareDas Foto des Jahres 2011 in Zürich

Anfang Februar wurde in Amsterdam das World Press Photo des Jahres 2011 erkoren.

Architekturfotografie: Der Mensch als Requisit

30.9.2011, 4 KommentareArchitekturfotografie:
Der Mensch als Requisit

Architekturaufnahmen können schnell steril und tot wirken. Ein immer gern verwendeter Kunstgriff dagegen ist die Verwendung von Menschen im Bild, welche eine Größenrelation ermöglichen und im wahrsten Sinne des Wortes Leben ins Bild bringen.

4. Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg: Bilder der Menschheit

17.9.2011, 0 Kommentare4. Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg:
Bilder der Menschheit

Bilder der Menschheit: Nichts weniger hat sich das 4. Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg vorgenommen.

Jürgen Heinemann/Tobias Zielony: Zwei Generationen

17.5.2011, 0 KommentareJürgen Heinemann/Tobias Zielony:
Zwei Generationen

Zwei Fotografen verschiedener Generationen - der älteren, der jüngeren: Jürgen Heinemann und Tobias Zielony. Was trennt sie, was vereint sie?

Stadtlandschaft: Schöne Lichtstimmung  stösst an technische Grenzen

31.3.2011, 2 KommentareStadtlandschaft:
Schöne Lichtstimmung stösst an technische Grenzen

Auf den ersten Blick zeigt diese Aufnahme aus Venedig eine sehr schöne Raum- und Lichtstimmung. Schauen wir das Bild aber genauer an, so erkennen wir die technischen Grenzen der Kamera.

Tim Griffith: Babylon ist überall

22.2.2011, 1 KommentareTim Griffith:
Babylon ist überall

Babylon ist überall, meint Architekturfotograf Tim Griffith. Er fotografiert weltweit Wolkenkratzer und andere Gebäude, die etwas von Größenwahn haben

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.