Winter-Lichtspurfoto:
Experimente mit Kunstlicht

Robert Kneschke, 31. August 2009 11:04 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Der Fotograf spielt mit Licht und fügt dem stillen Bild eine wichtige Komponente hinzu: Bewegung.

Kommentar des Fotografen:

Es war eine Vollmondnacht, sehr klar und sehr kalt (-13°C). Ich war mit dem Stativ draussen und habe einige Aufnahmen gemacht. Kurz bevor ich abbrechen musste, weil das Display meiner Kamera schon frostig war, kam mir noch eine Idee. Ich habe die Kamera aufgestellt, die Belichtung u. Blende eingestellt und habe einer Freundin gesagt, sie solle abdrücken, sobald ich ihr bescheid gebe. Dann bin ich mit dem Schlitten und zwei Taschenlamen (eine Grühbirne u. eine LED) den Berg zu der Stelle hochgelaufen, die ich mir gemerkt hatte, habe ihr das Zeichen gegeben und bin losgefahren… Ich konnte mir das Bild erst zuhause richtig angucken. Aber ich fand es sofort sehr interessant. Was meint der Profi zu dem Bild?

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Günther Christian:

Der Fotograf hat etwas rumgespielt. Genauer gesagt hat er mit Licht gespielt. Warum auch nicht? Übesetzt heißt “Fotografie” nichts anderes als “Zeichnen mit Licht”. Lichtspiele sind damit die Essenz der Fotografie und Günther Christian zeigt, was dabei entstehen kann.


Eine dunkle, einsame Vollmondnacht – bei Mondlicht. Kombiniert mit zwei Taschenlampen (1x LED, 1x Glühbirne) und einem Schlitten wird daraus aber eine mysteriös und geheimnisvoll wirkende Szene. Wie aus einem Märchen oder einem Science-Fiction-Film, bei dem die Außerirdischen sich zum ersten Mal zeigen.

Die Idee des Fotografen ist simpel. Wenn ich eine Langzeitaufnahme mache und mit einem beleuchteten Schlitten einen Hügel hinunter fahre, müsste ich eine Lichtspur aufzeichnen können.

Das Experiment ist geglückt. In seinem Foto wird eine Bewegung gut festgehalten. Das ist immer eine besondere Herausforderung in der Fotografie, welche als erster der britische Fotograf Eadweard Muybridge Ende des 19. Jahrhunderts gemeistert hat, vor allem durch seine Serienaufnahme von laufenden Pferden.

Technisch ist das Bild ebenfalls gelungen. Von dunklem Schwarz bis hellem Weiß sind alle Schattierungen vertreten. Der Effekt bei beiden Taschenlampen mit unterschiedlichen Farbtemperaturen, die sich im Bild als gelb und blau wiederfinden, inspiriert zu weiteren Versuchen.

Der Fotograf könnte versuchen, andere Strecken zu fahren, um die Linien zu verändern. Er könnte mehrmals sternförmig fahren, andere Farben nehmen, mehr Lampen, blinkende Lichter, die Lampen beim Fahren schwenken oder kreisen lassen, statt Lampen Wunderkerzen nehmen und und und.

Einen Eindruck, was mit Lichtmalerei alles möglich ist, zeigen die Jungs von Lichtfaktor, z.B. auf YouTube.

Manchmal zeigt der Spieltrieb faszinierende ergebnisse, und wir möchten gerne mehr davon.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Corinne ZS
    schrieb am 7. September 2009 um 23:32 Uhr (#)

    Das Bild gefällt mir sehr gut, es hat Humor, es ist übersichtlich und hat trotzdem genügend Details, die Farben sind sehr fein, zudem gibt ihm der Schwung der hellen Lichtspur etwas sehr Bewegtes. Es ist ein Bild, in das ich sofort hinein spazieren möchte. Und ich fände es auch ganz toll bei mir zuhause an der Wand. Ein Blick darauf und die Heiterkeit steigt.
    Zum ersten Mal sah ich ein ähnlich gemachtes Bild übrigens auf fokussiert.com: http://fokussiert.com/200…t-idee-vs-aesthetik/

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