Surfer-Porträt:
Extremer Ausschnitt

Auch Porträts mit extremem Winkel oder Ausschnitt sollten einen klaren Bildgegenstand haben.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Karolin Krassel).

Kommentar der Fotografin:

Das Bild ist nebenbei bei einem Surfwettbewerb in Marokko entstanden. Er ist einer der Surfer, der cool und lässig auf seinen „Auftritt“ wartet. Der Ausschnitt war absichtlich so gewählt und ist nicht wegen der nebenbei schnellen Aufnahme erst entstanden.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Karolin Krassel:

Ein Gesicht mit verspiegelter Sonnenbrille, in der man den Strand und das Meer erkennen kann. Die Mütze, die den Kopf bedeckt, bildet gleichzeitig den einzig vorhandenen Rahmen für dieses Porträt, das laut der Fotografin einen Surfer darstellt, der scheinbar unbeteiligt auf seinen Auftritt wartet.

Was mich an diesem Foto sofort fasziniert hat, war die minimalistische Komposition, die durch die Wahl des Ausschnitts nach oben links verschoben ist. Der Strand wird zu negativem Raum reduziert, ein bloßer Gradient, der aber durch die schiere Masse den Hauptgegenstand des Fotos bildet. Das Gesicht wird zur Nebensache. Die Fotografin hat ihren Angaben nach den Ausschnitt absichtlich so gewählt.

Karolin Krassels Webseite zu entnehmen, auf der sich noch einige andere Sportfotos finden, wählt Fotografin Kassel des öfteren extreme Winkel und Ausschnitte, und diese sind in der Regel sehr effektiv in Szene gesetzt, weil sie dem Foto Dynamik verleihen.

Hier wirkt das Foto wegen der Wahl des Ausschnitts, was durch den Gesichtsausdruck des Modells noch verstärkt wird. Dadurch aber, daß die Komposition so minimalistisch ist, sollte meines Erachtens dem Betrachter noch etwas anderes geboten werden, was ihn im Bild länger festhält. Das könnte hier die verspiegelte Sonnenbrille des Mannes sein, in der sich der Strand widerspiegelt, oder der besondere Zug, den er um den Mund hat. Da das Gesicht jedoch recht dunkel gehalten ist, sieht man nicht besonders viel von alledem.

Negativer Raum kann zu einem Foto beitragen, es aber auch erdrücken. Mit einer einfachen Verkleinerung des Ausschnittes ist dieses hier aber leicht zu beheben.

Der Surfer im extrem-Portrait, beschnitten.Ich würde daher das Gesicht etwas aufhellen, mehr Details herausarbeiten. Auch, wenn man sich auf die Sonnenbrille konzentrieren würde, würde aus diesem Foto schon des Ausschnitts wegen kein klischeehaftes „Szene in verspiegelter Sonnenbrille“-Foto. Ich habe auch mit dem Ausschnitt etwas gespielt, und kam zu dem Schluß, das Foto würde gewinnen, wenn man etwas abschneiden würde, um so dem Gesicht mehr Gewicht zu geben.

Ein interessantes Bild, das zum genauen Hinschauen einläd. Die Komposition ist immer noch der ursprünglichen Intention der Fotografin gemäß extrem und nach links verschoben, aber dem Betrachter wird mehr geboten, indem man den Aussschnitt etwas verkleinert. Dadurch verliert man allerdings den unteren Teil des Gradienten, der den Hintergrund von hellem Ocker nach hellem Blau durchläuft.

Das ist aber auch wirklich der einzige Verbesserungsvorschlag, und ansonsten finde ich das Foto sehr gelungen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

9 Antworten
  1. Anna says:

    ich muss mima zustimmen. Auf der Homepage gibt es eine Menge toller Arbeiten. Doch auch das ausgewählte Bild hat etwas für sich, wenn man die Sonnenbrille genauer betrachtet.

    Antworten
  2. Sofie Dittmann says:

    @mima Wir können nur das besprechen, was bei uns eingereicht wird. :) Und auf einer Fotowebseite sollte als Regel das zu finden sein, was ein Fotograf für das beste hält, was er zu bieten hat – schließlich ist das sein Aushängeschild im Netz. Ich bin jedoch ansonsten generell auch der Meinung, der Fotograf hatte etwas bestimmtes im Sinn, als er das Bild zur Kritik ausgewählt hat. Es ist zwar immer hilfreich zu sehen, was ein Fotograf sonst noch macht, aber zur Debatte steht immer vornehmlich das, was eingestellt wurde.

    @Uwe S Ich gebe Dir da vollkommen recht. Manchmal entstehen Bilder im Kopf, dann mit der Kamera, und man weiß selbst nicht, woher sie kamen. Dann will man erst einmal sehen, was andere dazu meinen.

    Antworten
  3. Uwe S says:

    @mima: Ich würde es auch wie Karolin machen. Wenn ich mich schon einer ausführlichen Profi-Kritik stelle, liegt es doch nahe Bilder auswählen, über deren Wirkung und Qualität ich mir nicht im Klaren bin. Feedback und konstruktive Kritik sind mir wichtig, gerade da, wo ich für mich Neuland betrete, oder ein paar Regeln breche.

    Antworten
  4. mima says:

    Komisch finde ich übrigens auch, dass gerade dieses Bild ausgewählt wurde. Auf der Homepage der Dame sehe ich sehr viel erstklassiges Material.

    Antworten
  5. mima says:

    Hm. An anderer Stelle habe ich mal gelesen, dass ein Bild, das nicht für sich selbst spricht, nichts taugt. Ich dachte zunächst an einen Eskimo mit Pelzmütze. Was soll hier ausgesagt werden?

    Antworten
  6. Sofie Dittmann says:

    @dierk Gebe Dir vollkommen recht wegen des Hintergrundes. Das ist leider Teil des Gebens/Nehmens in einem Fall wie diesem. Das Gesicht auszuschneiden und den Gradienten nach oben zu versetzen wäre aber zu extrem gewesen. M.E. zeigt dieses Foto auch sehr gut, warum es schwierig ist, solche extreme Ausschnitte zu wählen.

    Antworten
  7. dierk says:

    mein erster Eindruck: was ist das denn? :-)

    im Original ist mir das Gesicht auch zu dunkel und leider ist die Brille zu sehr verdeckt (sind das Haare oder eine Pelzmütze (in Marokko):-)
    Der Ausschnitt in der Überarbeitung ist nun für meinen Geschmack(!)zu eng geworden und leider fehlt der tolle Farbverlauf des Hintergrundes.

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *