Selbstporträt mit Taschenlampe:
Das Auge im Color-Key

Porträts sollten die Augen einer Person in Szene setzen. Eine Reduktion auf das Auge allein allerdings bedarf spezieller Mittel.

Kommentar des Fotografen:

Entstanden ist das Bild vor dem heimischen Badezimmerspiegel beim Versuch, das Auge als möglichst aussagestarkes Element darzustellen. Als Lichtquelle diente eine LED-Taschenlampe.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Timo K.:

Der Fotograf hat hier nicht nur mit Licht experimentiert, sondern auch mit dem Genre des Selbstporträts. Er wollte sein Auge als möglichst aussagestarkes Element darstellen, und hat dazu sein Gesicht von rechts mit einer LED Taschenlampe beleuchtet.

Wie schon anderweitig beschrieben, sind Selbstporträts ein gutes Übungsstück. Nicht nur, weil sich der Fotograf mit sich selbst als Modell auseinandersetzen muß, sondern auch, weil die Umsetzung dessen, was er fotografisch im Sinn hatte, einige Übung erfordert. Und durch experimentelles Vorgehen kann man sehr gut technisches Können verbessern, während man gleichzeitig künstlerische Visionen (aus-)lebt.

Zum Bildaufbau: den Angaben des Fotografen zufolge sollte das Auge im Mittelpunkt stehen, als hauptsächliches Bildelement. Da die Iris so ziemlich das einzige in diesem Foto ist, was farblich heraussticht – schon fast ein Color-Key-Bild -, ist dort ein guter Anfang gemacht. Allerdings ist es so, wie es jetzt positioniert ist, genau im Bildmittelpunkt.

Das macht ein Foto generell statisch, und abgesehen von den wenigen Fällen, wo es gekonnt als Stilelement eingesetzt wird, empfiehlt es sich, den Bildgegenstand von der Bildmitte wegzurücken. Auf dem Anschauungsbild wird deutlich, wie es dann ausgesehen hätte. Ich habe lediglich das Bild nach unten verlängert, es aber oben und rechts etwas beschnitten, damit das Auge selbst nach oben rechts verschoben wird.

Technisch gesehen sind viele Stellen im Foto vollkommen weggebrannt, wohl der Nähe der Lichtquelle wegen, wie auch der Kameraeinstellungen. Diese Flächen sind nicht wiederherstellbar, weil im Foto die Details fehlen. Daß die Schatten größtenteils abgesoffen sind, liegt ebenfalls an den Lichtverhältnissen, und daran, wie das Foto aufgenommen wurde.

Man könnte beides mit Übung absichtlich einsetzen, denn wie bereits erwähnt erhält das Bild dadurch seinen etwas unheimlichen Eindruck. Es hätte aber wahrscheinlich noch mehr gewonnen, wenn die hellen Stellen etwas mehr Detail gehabt hätten. Man hätte dann etwa als zusätzliches gestalterisches Mittel Hautstruktur herausarbeiten können usw.

Mir gefällt vor allem das Experimentelle an diesem Foto. Die Fläche unter dem blau leuchtenden Auge setzt sich in etwas veränderter Form, auch größer und spiegelverkehrt, über den Augenbrauen fort. Es hat insgesamt etwas Unheimliches, ich könnte es mir etwa als Buchdesign für einen Stephen King Roman vorstellen. Als Experiment also ein guter Versuch. Es war nicht ersichtlich, ob weitere Fotos anläßlich dieses Selbstporträtshootings entstanden sind, oder ob hinterher nachbearbeitet wurde.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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