Schmetterlingsporträt:
Freigestellt für mehr Wirkung

Makro-Aufnahmen sind auch mit Normal- und Teleobjektiven möglich, verlangen aber grösste Sorgfalt und Detailgenauigkeit bei der Planung des Hintergrunds.

Kommentar des Fotografen:

Diese Aufnahme entstand im Barockgarten in Heidenau am 8.8.09 gegen 13:30. Da ich derzeit kein Fan/Anwender von Photoshop bin wurde an dem Bild nichts verändert bin auf ausschneiden/skalierung (keine Anpassung der Helligkeit/Farben usw.). Zusätzlich war dies mein 1. Tag in die Makro/Nah-Aufnahme mit meiner neuen (4Tage) Olympus E330.

Peter Sennhauser meint zum Bild von David Brausewetter:

Ein Schmetterling sitzt auf einer knallroten Blume und senkt seinen Saugrüssel in einen Blütenkelch.

Das Bild ist ausgewogen belichtet und zeigt für eine Aufnahme, die um die Mittagszeit entstanden ist, eine gute Kontrastverteilung. Der Schmetterling liegt sauber im Fokus, der Hintergrund verschwimmt leicht in der Schärfen-Untiefe, zeigt aber klar erkennbar ein natürliches Umfeld.

Dennoch ist er zu wenig unscharf; die Zeichnung der Schmetterlingsflügel kann sich gegen den fast genau so wilden Hintergrund nur mit Mühe behaupten.

Zudem wiederholt sich der Blickfang der knallroten Blüte im ansonsten braungrünen Bild in einer weiteren Blüte im Hintergrund, die allerdings zum einen am Bildrand angeschnitten und zum andern halb hinter dem Schmetterling liegt.

Diese beiden Umstände machen das Bild sehr unruhig und lenken vom Motiv ab, das Auge sucht im Hintergrund nach weiteren Bildelementen, statt dass es sich auf den Schmetterling und beispielsweise den – leider in leichter Bewegungsunschärfe verwischten – Saugrüssel zu konzentrieren.

Makrofotografie ist – wie so viele fotografische Genres – eine Welt für sich. Hier gelten spezielle Regeln, es gibt Dinge zu beachten, die in anderen Genres eine kleinere Rolle spielen. Neben einer guten Ausleuchtung des Objekts – hier im Tageslicht ohne direkte Sonneneinstrahlung gut gelungen – ist der Hintergrund von grösster Bedeutung. Und zwar in dem Sinne, dass er das Motiv möglichst wenig konkurrenzieren sollte.

Das Zauberwort heisst “Freistellung”. Was im grafischen Sinne das Heraustrennen eines Motivs aus einem Gesamtbild beschreibt, kann in der Fotografie mit zwei Mitteln schon bei der Aufnahme erreicht werden: Mit möglichst geringer Schärfentiefe und einer geschickten Wahl des Blickwinkels für die Aufnahme, so dass der Hintergrund erstens verschwimmt und zweitens so ruhig und im Vergleich zum Motiv kontrastreich wie möglich erscheint. Dazu ist keine teure Spezialausrüstung nötig.

Es gibt Makro-Fotografen, die mit Ringblitz und Beleuchtungsanlagen im Park auftauchen. Es gibt Makro-Insektenfotografen, die mit ausgeklügelten System von Lichtschranken und Blitzanlagen in Blütenfeldern Wespen und anderes im Vorbeiflug ablichten. Es gibt Makro-Fotografen, die einen künstlichen Hintergrund – bei Blumen- und Insektenbildern etwa einen himmelblauen, gebogenen Karton – zwischen Vordergrund und Umgebung schieben.

Solche Tricks können wir Amateure uns vielleicht nicht leisten, aber ähnliche Effekte können wir mit Sorgfalt ebenfalls erreichen.

Konkret auf Dein Bild bezogen: Wenn ich mich nicht täusche hat die E330 einen Crop-Faktor von 2, will heissen, Dein 45mm-Objektiv wirkte hier ähnlich wie ein 90mm-Tele.

Umso mehr wundere ich mich ein bisschen über die Blende von f/7.1. Denn mit einer deutlich weiter geöffneten Blende hättest Du nicht nur die Bewegungsunschärfe des Saugrüssels mit einer kürzeren Verschlusszeit vermeiden können, sondern zugleich den Hintergrund in deutlich mehr Unschärfe getaucht.

Das allein hätte noch nicht den optimalen Hintergrund ergeben. Dessen Ausgestaltung und Schärfe ist übrigens beim Blick durch den Sucher äusserst schwierig einzuschätzen: Die Kamera operiert nämlich beim Messen immer mit der grösstmöglichen Blende – erst ein Druck auf den Abblendknopf zeigt Dir vor der Aufnahme, wie scharf der Hintergrund in der Aufnahme sein wird.

Schärfe – oder vielmehr Unschärfe – ist aber nicht alles. Bei starken Farbeklecksen im Hintergrund spielt auch die Perspektive eine Rolle: eine zweite Blume in der Distanz kann, richtig in der Komposition platziert, die Wirkung der Aufnahme verbessern. Im Zweifelsfall aber würde ich mehr Gewicht darauf legen, den Hintergrund des Hauptmotivs so zu optimieren, dass dort keine Unruhe und keine starken Farben mehr ins Spiel kommen können. Die Arbeit mit einem Stativ macht das natürlich etwas einfacher.

Du erwähnst explizit, dass Du “derzeit” kein Fan von Photoshop seist. Nun, es muss ja nicht Photoshop sein, es kann auch ein anderes Programm sein: Die Freistellung mittels Schärfentiefe lässt sich, wenn auch mit etwas Aufwand, auch in der digitalen Dunkelkammer bewerkstelligen.

Photoshop hätte hier mit dem Filter “Weichzeichnen” – “Tiefenschärfe abmildern” gute Dienste geleistet, wie Du im Beispiel sehen kannst.

Ich habe

  • das Bild kopiert und eingefügt,
  • die Ebene kopiert,
  • Schmetterling und Blume mit dem Zauberstab (nur im Innern der Objekte anwenden, Häkchen bei “angrenzend” setzen) und dem “Schnellauswahlwerkzeug” (fast wie der Zauberstab, wirkt aber nur im direkten Bereich des “Zauberstabpinsels” und erlaubt so feine Detailarbeit) markiert,
  • daraus eine Ebenenmaske gemacht und dann
  • diese Ebene mit dem Filter “Weichzeichner” – “Tiefenschärfe abmildern” radikal verunschärft, wobei die Ebenemaske als Quelle für die “Tiefen-Versetzung” ausgewählt wird und die Weichzeichnen-Brennweite umgekehrt wird. Fragt mich nicht, ich weiss nicht genau, was das alles ist, aber es hat so bei mir am besten funktioniert. Und schliesslich habe ich
  • in der so aufgeweichten Ebene, durch deren Maske Schmetterling und Blume gestochen scharf durchscheinen, mit dem Klonwerkzeug die zweite rote Blume oben rechts entfernt.

Das Resultat ist nicht optimal, aber es zeigt, wie die Aufnahme mit geöffneter Blende und etwas besser gewählter Perspektive hätte herauskommen können. Und zur Not darf an einem ansonsten grossartig gelungenen Bild ja auch mal mit PS die Unschärfe etwas erhöht werden, finde ich.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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10 Kommentare

  1. RudiRalala
    schrieb am 13. September 2009 um 23:39 Uhr (#)

    Hallöchen,
    bin über FotoRadar hier “reingeschneit”.

    Ich bin völlig baff wie fundiert hier ein Bild analysiert wird. Sag` ich nur: RESPEKT!

    Eine Web-Perle in einem Riesenmeer von … naja, lassen wir das.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 14. September 2009 um 08:20 Uhr (#)

    Hallo Rudi – danke für die Blumen.

  3. David
    schrieb am 16. September 2009 um 20:42 Uhr (#)

    Hallo Peter,

    meinen tiefsten Dank und Respekt für die Zeit die du dir genommen hast, um meine Aufnahme so ausführlich zu analysieren und mit dem entsprechenden Bildbearbeitungsprogramm ist es dir def. gelungen diese Aufnahme zu retten. Das sind genau die Sachen die einen blutigen Anfänger (wie mich) interessieren und durch Beispiele und Verbesserungen/Änderungen wurden die einzelnen Punkte erklärt, so dass das n. Bild wieder ein Stück besser wird.

    Vielen Dank und Grüsse

    David

  4. Rudi Huber
    schrieb am 22. September 2009 um 21:19 Uhr (#)

    Lieber David Brausewetter,

    dies ist mit absoluter Sicherheit eine sehr gute Aufnahme
    welche mit F 4 natürlich noch besser geworden wäre.
    Photoshop ist für uns Fotorafen natürlich zu einem un=
    verzichtbaren Werkzeug geworden aber auch hier gilt weniger
    ist mehr.
    Der Hintergrund der bearbeiteten Variante ist,wenn auch
    sehr professionel gemacht, einfach nur tot.
    Mir gefällt Dein ursprüngliches Bild (trotz der leichten
    Schwäche) wesentlich besser weil ehrlicher.

    Grüße aus Wien

    Rudi Huber
    Wiener Photograph

  5. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 22. September 2009 um 22:12 Uhr (#)

    @ Rudi: “ehrlich” ist ein Begriff, der beim Fotojournalismus oberste Priorität haben muss, bei künstlerischer Fotografie aber meines Erachtens fehl am Platz ist; wenn Du auf die PS-Manipulation ansprichst, gebe ich Dir vollkommen recht: Ich mag solch weitgehende Eingriffe grundsätzlich nicht und habe sie hier nur zu Illustrationszwecken angewandt.

  6. David
    schrieb am 22. September 2009 um 22:19 Uhr (#)

    Vielen Dank für den Zuspruch. Ich hatte die Bearbeitung von Peter auch ähnlich gesehen wie er es besprieb (“Übertreibung/Übersteuerung” für die bessere Darstellung der Problematik).
    Ich habe hier http://dbhsw.de/butterfly.JPG (privater Webspace) mal das org. Bild eingestellt.
    Sollte dies nicht gestattet sein, bitte kurze Info oder Link entfernen.
    Grüsse
    David

  7. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 22. September 2009 um 22:37 Uhr (#)

    David: Alles, was der Diskussion dient, ist erlaubt. Naja, fast alles. Allerdings ist das eingestellte Bild wohl ein anderes als das, aus dem der obige Ausschnitt stammt.

  8. David
    schrieb am 22. September 2009 um 22:53 Uhr (#)

    Hallo Peter,

    Link/Bild wurde korrigiert. Sorry und Danke für den Hinweis.

    Gruss
    David

  9. Rudi Huber
    schrieb am 23. September 2009 um 11:34 Uhr (#)

    Hallo Peter,
    ich denke auch ein Kunstwerk kann “ehrlich” sein oder ehrlich wirken.
    Liebe Grüße aus Wien
    Rudi Huber

  10. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 24. September 2009 um 03:26 Uhr (#)

    Rudi, das stimmt natürlich. Ich bevorzuge ehrliche Kunst, die möglichst künstlerisch wirkt…;-)

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