Turmspirale mit Blitz:
Achtung auf Details

Bei Innenaufnahmen mit Blitz kann es sehr schnell passieren, dass die reizvollsten Motiv-Details weggeblitzt werden.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Michael Schultze:

Das Bild des Fotografen Schultze wurde innerhalb eines alten Gemäuers aufgenommen, vermutlich in einem Turm. Von oben kommt ein Seil herunter, das von der steinernen Spirale optisch umfaßt wird.

Was mir an diesem Foto gefallen hat, war, daß es eine andere Spielart des Themas „Spirale nach oben“ darstellt – Wendeltreppen werden gerne so fotografiert. Es verrät ein gutes Auge.

Der Stein, aus dem die Mauern bestehen, hat ganz klar ein paar Jahre hinter sich, und wie er sich nach oben windet, lädt den Betrachter ein, ihm mit den Augen zu folgen. Ich wäre wahrscheinlich an dieser Szene auch nicht vorbeigegangen, ohne in Versuchung zu geraten, ein oder zwei Aufnahmen zu machen. Oder es zumindest zu versuchen, denn das Foto verrät, daß die Bedingungen, unter denen es entstanden ist, nicht hundert Prozent ideal waren.

Zum Bildaufbau: Das Seil und der Punkt, an dem es aus dem Bild verschwindet, sind absolut in der Mitte. Dafür ist links ein Teil der Mauer zu sehen, die optisch nichts zum Foto beiträgt. Um die Komposition etwas interessanter zu machen, würde ich das Bild links und rechts abschneiden, damit das Seil mehr nach rechts rückt. Es wirkt dadurch wesentlich weniger statisch.

Das hauptsächliche Problem hier ist aber, daß ganz klar zu wenig Licht vorhanden war, um ohne Blitz zu fotografieren. Ein Stativ wahr wohl auch nicht vorhanden, denn folgerichtig dachte der Fotograf daran, die Szene aufzuhellen – mit Blitz, und zwar wahrscheinlich dem in die kamera integrierten, denn er hat damit dem unteren Teil des Seiles und dem rechten Teil der Wand alle Details genommen.

Damit ging auch die Wirkung verloren, die der Raum ursprünglich ausstrahlte. Eine solche Szene würde man eher mit eigens mitgebrachten Lichtquellen oder indirektem Blitz beleuchten.

Ich hatte nicht genügend Versionen der Aufnahme zur Verfügung, aber vielleicht wäre mit HDR etwas zu machen gewesen, um die Details unten rechts zu retten. Statt dessen habe ich das Seil nach unten hin geklont und über das Original gelegt, um die Details wieder etwas zurückzuholen.

Die Mauer habe ich selektiv verdunkelt, und letztlich einen Nik-Filter (Midnight) selektiv darüber gelegt, um die Stimmung des Raumes wiederherzustellen. Alternativ kann man auch den Kontrast noch etwas erhöhen und die Helligkeit reduzieren. Dadurch ist rechts die Wand wieder detaillierter, verschwinden jetzt aber auch Teile der Decke im Dunkel, aber man würde das bei einer Situation wie dieser auch erwarten.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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