Clegg & Guttmann:
Zwischen Abbild und Trugbild

Das Porträt gilt als wirklichkeitstreueste Disziplin der Fotografie. Das Fotografenduo Clegg & Guttmann spielt mit dieser verbreiteten Annahme und baut Porträts zwischen Abbild und Trugbild.

Clegg & Guttmann: Portrait of a Young Woman with Flowers, 2005

Wegen der Ähnlichkeit der Dargestellten mit ihrem Abbild gelten Porträts allgemein als wirklich und repräsentativ. Michael Clegg & Martin Guttmann beschäftigen sich schon viele Jahre mit Funktion und Wirkung des Porträts. Sie entwickelten daraus ihre eigene Art von Bildnissen.

Clegg & Guttmann: Magister Ludi (Collaboration with Martin Kippenberger), 1993

In Innsbruck sind aktuell ihre wichtigsten Bilder seit den frühen Achtzigerjahren ausgestellt. Zum Beispiel gleich das erste große Werk aus dem Jahr 1981 namens „Executives of the Steel Industry versus Executives of the Textile Industry“: Zwölf Männer in Anzug und Krawatte sind vor einem unklaren, fast schwarzen Hintergrund versammelt. Keiner lächelt, wenige suchen den Blickkontakt mit dem Betrachter, sprich der Kamera. Gesicht und Hände sind hell erleuchtet, ebenso zwei deutlich als Fotokopien erkennbare Stiche im Hintergrund.

 Clegg & Guttmann: Portrait of Young Man Seated, 2005

Die Gesichter, eigentlich wichtigster symbolischer Teil des Menschen, sind wie erstarrt. Hinter den Masken steckt jedoch das, was Clegg & Guttmann verdeutlichen wollen: Clegg & Guttmann: Self PortraitDas Typische nämlich soll herausgestrichen werden, das nicht identisch ist mit dem Individuellen. Was in diesem Werk zu sehen ist, ist die Konstruktion von Macht. Es gilt, genau hinzuschauen und die in den Details gezeigten Symbole zu lesen. Die Abgebildeten selbst sind sämtlich Zufallsbekanntschaften, angeheuerte Schauspieler oder Verwandte der Künstler.

Das Interesse an der Kunstgeschichte zieht sich wie ein roter Faden durch das fotografische Werk von Clegg & Guttmann. So erinnert ihre Inszenierungen an adlige Selbstdarstellungen aus barocker Zeit. Die Gestaltung des Hintergrunds, stets wichtiger Teil klassischer malerischen Porträts, entwickelte sich in jüngster Zeit vom fotokopierten Renaissanceraum zur expressionistischen Metallfolie. Die Künstler lassen uns wissen, wie sie ihre Bühnen inszenieren: Dort zeigen sie die Blattränder, hier verhüllen sie nur den halben Hintergrund. Eine Reihe von Arbeiten aus den Neunzigerjahren und aus jüngster Zeit zeigen ausdrücklich dieses Spiel mit den Methoden klassischer Bildniskünste und denen der Fotografie. Dabei schweben Ihre Porträts stets zwischen Abbild und Trugbild.

Michael Clegg & Martin Guttmann, beide Jahrgang 1957, leben in Berlin und Wien. Sie arbeiten seit ihren Studienzeiten Ende der Siebzigerjahre in New York gemeinsam als Duo.

Clegg & Guttmann – Porträts
Bis 7. November
FO.KU.S Foto Kunst Stadtforum, Bank für Tirol und Vorarlberg AG, Stadtforum (Erlerstrasse), A-6020 Innsbruck
+43 (0)505-3331417, info@btv-fokus.at
Geöffnet Montag bis Freitag 11 – 18 Uhr, Samstag 11 – 15 Uhr, Eintritt frei.

FO.KU.S Innsbruck
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