Flexichrome Foto-Kolorierung:
Als die Fotografen Bilder bemalten

Die Farbfotografie wurde im vorletzten Jahrhundert erfunden, war aber lange ein aufwändiges Verfahren und wurde deshalb häufig durch Handkolorierung ersetzt.

Farbzauber: Eine Gelatineschicht statt Fotopapier wird belichtet und danach bemalt. (Popular Mechanics 1949)Dank sei der Fuzzy-Logic: Manchmal ist es erfreulich, dass die Suchmaschinen im Internet nicht vollständig kapieren, wonach wir suchen – und so stolpert man bisweilen über Fundstücke und Artikel, die man ansonsten nie zu Gesicht bekommen hätte. Wie diesen aus Popular Mechanics und dem Jahr 1949 über das Foto-Kolorierungsverfahren „Flexichrome“ von Kodak:

Flexichrome-Fotokolorierung: Die angewandten Farben mischen sich nicht (Popular Mechanics, 1949)Der Text, der die Geschichte und die Funktionsweise des von Eastman Kodak entwickelten „Flexichrome“-Fotokolorierungsverfahrens erklärt, bin ich durch einen solchen Suchableger gestolpert. Nicht nur dieser Artikel ist hoch interessant; ich weiss jetzt auch, dass im gleichen Jahr die Stützräder für Kinderfahrräder, das Auto-Boot und die ausziehbare Wäscheleine erfunden wurden. In wenigen Jahren übrigens werden unsere Kinder begeistert über ähnliche Fundstücke berichten, in denen sie die Funktionsweise eines mechanisch funktionierenden Tonträgers aus schwarzem Vinyl erklärt finden.

Alles in allem hat mich der Fund mindestens eine halbe Stunde meiner Zeit gekostet und sehr viel Spass gemacht. Aber die drei Artikel über Fotografie in dem knapp 350 Seiten starken Magazin aus der Nachkriegszeit waren die schönsten Fundstücke.

Dass aus Kosten- und anderen Gründen früher Fotos von Hand Koloriert wurden (obwohl Verfahren für echte Farbfotografie schon im 19. Jahrhundert entwickelt worden waren), hatte ich gewusst – aber nicht, wie dieses Verfahren funktionierte:

Im Artikel wird detailliert erklärt, dass die Fotografie auf eine lichtempfindliche Gelatineschicht belichtet, das Silber ausgewaschen und danach die Farbe auf das so entstandene transparente Gel-Relief aufgetragen wurde, wobei die Farbe an den dicken Gelatinestellen nicht nur kumuliert, sondern, wenn drübergemalt wird, keine Mischung erfolgt, sondern die vorherige Farbe ausgewaschen wird.

Die Handkoloristen auf den Redaktionen und in den Werbestudios der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts hatten demnach eine Art Bildschirm vor sich, auf dem sie Ihre Arbeit ähnlich wie wir heute in Photoshop mit Ebenen und Arbeitsprotokoll korrigieren und rückgängig machen konnten…

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es Plugins und Filter für PhotoShop gibt, die aus modernen Farbbilder solche Flexichrome-Bilder machen.

Popular Mechanics, Oktober 1949: Kodak Flexichrome

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