Sonnenaufgang in den Alpen:
Fotografische Kontrast-Strafaufgabe

Grosse Kontrastumfänge sind eines der Hauptprobleme in der Landschaftsfotografie. Es kann mit verschiedenen Mitteln bewältigt werden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Roland Horni).

Kommentar des Fotografen:

Morgenstimmung zwischen Grosser Scheidegg und Grindelwald, Berneroberland CH. Mir ging es darum, diese bes. Beleuchtung durch die hinter den Bergen aufgehende Sonne, die vom Aufnahmestandpunkt aus noch nicht sichtbar war, einzufangen; das voll in der Sonne stehende Tal mit Grindelwald und die teilbeschienenen Berge mit dem leuchtenden Eis des Schneefeldes auf dem Mönch. Ich selber stand noch voll im Schatten.

Die hellen Steine nahm ich als Vordergrund mit ins Bild, wobei ich mir nicht ganz sicher war, ob ich die ersten Steine doch beschneiden sollte und nur die Steine vor der Fichte ins Bild nehmen soll. Letzteres hätte einen leichten Panobeschnitt gegeben, so ist es Fullframe wie aus der Camera.

Der erhöhte ASAwert ist eigentlich ein Fehler(!) vor dieser Aufnahme brauchte ich sie, vergass aber wieder auf ASA 100 einzustellen. Fokussiert wurde auf die Berge im Vordergrund. Ich stellte leider fest, dass das Bild nach dem Skalieren und dem Einbetten des sRGB-Farbprofils beim Ligtroomexport an Dynamik und Helligkeit leicht verloren hat. Die Meinung eines Experten würde mich interessieren in Bezug auf die Bildkomposition und technischer Güte.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Roland Horni:

Da hast Du Dir eine schöne Strafaufgabe ausgesucht: Du wolltest just das fotografieren, was die meisten Landschaftsfotografen meiden wie der Teufel das Weihwasser – die grossen Kontrastumfänge morgens nach Sonnenaufgang.

Das Histogramm spricht Bände: Am linken Rand häufen sich die (zu) dunkeln Pixel, per Aufhelllicht lässt sich das Gebirge nach rechts verschieben.

Dein Bild zeigt ein Tal in den Alpen, mit einer Wiese und einigen Felsklötzen im Vorder- und dem Wintersportort Grindelwald im fernen Hintergrund. Die Sonne ist im Osten links hinter dem Standort des Fotografen aufgegangen und bescheint die fernen Teile des Tals und die aufragenden Berge. Der Vordergrund liegt, ebenso wie grosse Teile des Talbodens, noch im Schatten.

Das Hauptproblem dieser Aufnahme ist just dieser grosse Kontrastumfang zwischen Licht und Schatten. Was das menschliche Auge relativ leicht bewältigt, kann die Digitale Kamera nur schwer verarbeiten: Ihre „Bandbreite“ zwischen hell und dunkel umfasst je nach Einstellung und Dateiformat zwischen fünf und zehn Blenden; das menschliche Auge kann ein Vielfaches davon verarbeiten.

Einfach gesagt heisst dass, dass die Kamera immer überfordert ist, wenn die Unterschiede zwischen hell und dunkel mehr als die erfassbaren 10 Blenden beträgt: Dann werden deine Bilder entweder schwarze Stellen ohne Zeichnung oder ausgebrannte weisse Flächen (oder beides) haben, weil die Kamera nur einen Teilausschnitt des vollen Kontrastumfangs erfassen kann. Deswegen lieben Landschaftsfotografen (neben der Weichheit der Konturen, der unglaublichen Farben, der Stimmung etc.) Die kurzen Zeitspannen unmittelbar vor und nach Sonnenuntergang oder sogar leicht bedeckte Tage – der Kontrastumfang ist schmäler. Aber auch den extremsten Kontrasten haben wir in der modernen Fotografie etwas entgegen zu setzen. Wir kommen gleich darauf zurück.

Was Du indes als erstes hättest besser machen können, sind Blendenwahl und Fokussierung. Die Bildkomposition finde ich nicht uninteressant, und die Felsklötze im Vordergrund sind sehr wichtig, um dem Bild Tiefe zu geben; du hättest sie weg-, aber ganz sicher nicht be-schneiden können. Der Rahmen mit Berghang links und dunklem Tannenwald vorne rechts hilft ebenfalls zur Ebenen-Schichtung, der Horizont (des Vordergrunds) liegt vielleicht etwas zu nah an der Bildmitte.

Vor allem aber möchte ich den Vordergrund, den ich als Betrachter auch erkunden will, ebenfalls in der Schärfe haben. Du solltest demnach mit einer eher geschlossenen Blende, angesichts des Weitwinkels vielleicht 9, operieren, und auf jeden Fall nicht auf die Berge, sondern auf Dein Vordergrundmotiv (die Felsklötze) scharf stellen. Mit der Wahl der hyperfokalen Blende kannst Du dabei sicherstellen, dass der Hintergrund auch scharf bleibt.

Das sind zwei kleine, aber wichtige Punte. Aber der Gorilla im Raum ist die Kontrastverteilung des Bildes. Diese Aufnahme „kämpft“ mit dem hohen Kontrastumfang, indem die sonnenbeschienen Bildteile „korrekt“ belichtet sind, die schattigen aber viel zu dunkel – jedenfalls bezogen auf das menschliche Sehen.

Was für die Fotografen früher eine extrem schwierige Aufgabe war – die Belichtung innerhalb des besten Ausschnitts des Kontrastumfangs – ist mit den Digitalkameras extrem erleichtert worden. Sie geben uns Werkzeuge, um die Belichtung unmittelbar nach der Aufnahme auf Über- und Unterbelichtete Stellen zu überprüfen: Das wichtigste ist das Histogramm, die Balkengrafik der Verteilung der Helligkeitswerte im Bild. Alle mir bekannten Spiegelreflex und zunehmend auch Kompaktkameras zeigen diese Grafik auf dem Monitor für jedes Bild an. Oft ist die stark vereinfachte Aussage zu hören, diese Grafik müsse wie eine Glocke möglichst in der Mitte der horizontalen Skala aussehen – das stimmt allenfalls für durchschnittliche Tageslichtbilder, ist aber aber bei Nacht-, Gegenlicht und anderen Extremaufnahmen ganz anders.

Noch immer schattig, aber nicht gar so düster: Das Bild aufgehellt mit Aufhelllicht in Lightroom.

Wichtig ist, dass die „Gebirge“ in der Grafik weder rechts noch links von der Skala abgeschnitten werden, was bedeuten würde, dass viele Pixel im Bild unterbelichtet und ohne Zeichnung schwarz (links) oder ausgebrannt weiss (rechts) sind. Du solltest vor allem rechts nicht aus der Skala „hinauslaufen“, denn ausgebrannte Bildstellen lassen sich kaum mehr retten; wenn Du RAW fotografierst (was Du jedenfalls tun solltest), ist auf der linken Seite, in der Unterbelichtung, noch viel mehr zu holen, weil der Sensor diese Helligkeitswerte wohl registriert, und sie lediglich auf dem Bildschirm und im JPG nicht mehr darstellen kann. Bei der Korrektur in einer Software lässt sich dann aber der „unsichtbare“ Bereich des Kontrastumfangs auf der dunklen Seite sozusagen nach links in die Skala hinein-„stauchen“. Wir kommen gleich darauf.

Was also kannst Du tun, um eine schwierige Kontrastsituation wie diese optimal zu fotografieren – will heissen so, dass das Bild von Anfang an oder spätestens am Computer mit einer Korrektur so bearbeitet werden kann, dass das Histogramm weder links noch rechts aus der Skala läuft?

Dazu gibt es verschiedene Optionen.

Die einfachste vor Ort ist ein Neutralgrau-Verlaufsfilter, den Du vor das Objektiv hältst, um die hellen Partien des Motivs um eine bis zwei Blenden „abzudunkeln“. Das funktioniert mit Matrix-Messung ohne Zutun des Fotografen, weil die Kamera automatisch die Senkung der Gesamtlichtmenge erkennt und länger belichtet. Der Nachteil: Ausser bei einem sauberen, geraden Horizont (Trennlinie zwischen hell und dunkel) dunkelt der Filter auch schattige Motivteile ab, die in den Helligkeitsbereich hineinragen – weisse Berggipfel etwa.

Eine zweite Möglichkeit ist eine Belichtungsreihe mit, beispielsweise, einem Drittel Blendenwert Über- und Unterbelichtung. Das lohnt sich sowieso bei Landschaftsfotos: Entweder, eines der drei (oder auch fünf oder sieben) Bilder liegt ideal im Kontrastumfang, oder aber du fügst später alle in einem sogenannten High-Dynamic-Range-Bild (HDR) zusammen. Photoshop beherrscht dies inzwischen recht gut, so dass keine weiteren Programme mehr nötig sind. Nachteil: HDR verursacht viel Arbeit und verträgt keine bewegten Bildteile.

Die wichtigste Methode vor Ort ist eine ideale Belichtung – und die solltest Du nicht der Kamera im Automatikmodus überlassen, denn die ist auf Sonnentage ohne extreme Kontraste geeicht. Du hast hier die Matrix-Messung genutzt (laut EXIF) und der Kamera dann mit der Belichtungskorrektur um um einen halben Lichtwert gesagt, dass das Motiv dunkler ist. Das ist ein Anfang, aber noch nicht gut genug.

Je nach Film hiess es früher, auf Schatten oder Lichter zu belichten – mit den Digitalkameras und ihren linearen Sensoren gilt letzteres. Dabei raten Experten aber dazu, „nach rechts“ zu belichten. Das hiesse, die Belichtung mit manuellen Einstellungen oder Belichtungskorrektur so anzupassen, dass das Histogramm der Testaufnahmen seinen rechten Peak der Skalengrenze annähert, ohne sie zu überschreiten (wobei einige ausgebrannte Pixel kein Problem sind). So hast Du Gewähr, den Kontrastumfang voll auszunutzen, den der Sensor bietet; ausserdem lässt sich mit dieser Methode das unweigerliche Rauschen reduzieren, selbst dann, wenn das Bild dadurch eigentlich „überbelichtet“ wird, weil die Gesamte Helligkeit des Bildes später am PC gesenkt werden kann.

Damit wären wir bei den anderen Methoden zur Rettung des Kontrastumfangs: Am PC. Hier gibt es weitere Möglichkeiten, einen natürlicheren Eindruck der Kontraste (der mehr dem menschlichen Auge entspricht) zu erstellen. In einfachen Modul-Programmen wie Lightroom kannst Du beispielsweise mit dem „Aufhelllicht“ die Helligkeitswerte all jener Pixel steigern, die in die Kategorie „Dunkle Farbtöne“ fallen. Welche das sind, kannst Du ausserdem in der Einstellungsbox der Gradationskurve mit den drei Reglern unten kontrollieren: In deinem Bild habe ich die Breite der Pixelgruppe „Dunkle FArbtöne“ erhöht und die Bereiche der „Schatten“, „Helle Farbtöne“ und „Lichter“ nach links und rechts hinausgeschoben. Dann habe ich – mit dem Aufhelllicht – die schattigen Bildpartien aufgehellt, ohne dass davon die mittleren, dunklen und hellen Partien betroffen waren.

Für Dein Bild ist diese Korrektur – unter den Software-Methoden – meiner Ansicht nach die beste. Dass sie sogar mit dem JPG funktionierte (mit dem RAW-Original ginge es noch wesentlich genauer), spricht für Deine Belichtung: Du hattest keine überbelichteten und offenbar eine moderate Zahl unterbelichteter Pixel. Das Resultat der Manipulation ist auch im Histogramm gut zu sehen: Der Berg an dunklen Pixeln links hat sich von der Skalengrenze nach rechts verschoben, ohne dass sich die hellen Pixel ebenfalls nach rechts verschoben hätten (was sie allerdings auch noch hätten tun dürfen – dieses Bild ist eindeutig nicht „nach rechts“ belichtet). Wenn Du diesen Effekt allein mit der Gradationskurve zu erreichen versuchst, wirst Du bei einer umkehrten S-Kurve und einem sehr kontrastarmen Bild ankommen – das „Aufhellicht“ erledigt den Job radikaler, aber ausschliesslich innerhalb der „dunklen Farbtöne“ und mit einem anderen Algorithmus. Es kann allerdings auch zu heftigem Bildrauschen führen und sollte nicht so radikal angewandt werden wie hier. Was wiederum heisst: Die beste digitale Nachbearbeitung ist die, welche aufgrund guter Belichtung unnötig ist.

Eine zweite Methode besteht in einem simulierten Verlaufsfilter: In Lightroom dient dieses Tool dazu, die Belichtung, Helligkeit, Kontrast und Sättigung in einem gleichmässigen Verlauf in beliebiger Richtung über das Bild ab- oder zunehmen zu lassen. Du könntest hier also die Belichtung von unten nach oben um eine oder gar zwei Blenden steigern. dabei hast Du das gleiche Problem wie mit dem physischen Neutralgrau-Verlaufsfilter im Feld: Die Helligkeitsgrenze ist keine Gerade.

Mit Photoshop lassen sich diese und weitere Korrekturen noch viel präziser und vor allem selektiv auf einzelene Bildteile anwenden, wozu allerdings viel Arbeit für die Maskierung in einzelenen Ebenen nötig ist – und dieses Bild macht solch elaborierte Eingriffe nicht nötig.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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7 Antworten
  1. Peter Sennhauser says:

    Hallo alle – ja, ich muss mich bei David entschuldigen, der sich auf meine Bitte hin, seinen Kommentar mit Bildern anzureichern und mich als Artikel publizieren zu lassen, in Arbeit gekniet hat und eine tolle Zusammenfassung geschrieben hat. Sie geht heute noch online, inklusive Bildmaterial.

    Herzlichen Dank, David!

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  2. David Kaplan says:

    Hallo Roland
    Es freut mich, dass ich dich mit meinem Kommentar ermutigen konnte. Peter Sennhauser sollte eigentlich bald mal einen kleinen Artikel über HDR veröffentlichen bei dem er ein paar Beispielbilder von mir zeigen wird.
    Ich werde hier kurz zu deinen beiden Fragen Stellung nehmen.
    1. In einem RAW sind ja üblicherweise 12-14bit (4096 bis 16384) Helligkeitsstufen enthalten. In einem JPEG sind dann aber nur noch deren 8bit (256). Im RAW-Konverter wird in den Schatten und in den Spitzlichtern jeweils etwas abgeschnitten und der Rest wird Linear auf 8bit heruntergerechnet. Wendet man nun die Belichtungskorrektur des RAW-Konverters auf das RAW an und hellt z.B. das Bild auf, wird in den Schatten nichts mehr abgeschnitten, dafür in den Lichtern mehr. Gleichzeitig wird die Kompression auf 8bit mehr in die Schatten verschoben. Dadurch sind viel mehr Schatteninformationen im Bild als ohne Belichtungskorrektur zu sehen waren. Dies reicht in vielen Fällen für Photomatix um ein erstklassiges HDR zu erzeugen. Bei höheren Kontrastumfängen würde ich mit 3 verschiedenen Belichtungen und 2 Blendenstufen unterschied fotografieren. 7 Belichtungen sind nur in absoluten Ausnahmefällen nötig und steigern die Qualität des HDRs keineswegs.
    2. Die Nachkorrekturen: Ich arbeite mit Nikon Capture NX2. Von Photoshop habe ich nur eine Uralt-Version, die ich nur in Ausnahmefällen nutze. Für einfachere Bildkorrekturen reicht das Nikon-Programm längstens. Um die Halos loszuwerden markiere ich mit einer Freihand-Maske den zu hellen Bildteile und reduziere die Helligkeit und Farbsättigung – natürlich mit „weicher Auswahlkante“ um keine abrupten Übergänge zu zeigen. Auch zu dunkle Bereiche helle ich auf diese Weise wieder auf, meist mit Tonwertkorrektur um den Kontrastumfang des markierten Details zu steigern. In Capture NX kann ich glücklicherweise alles mit dem 16bit-TIF machen, so dass ich durch die Nachkorrekturen keinerlei Qualitätseinbussen habe.
    Ich hoffe, damit geholfen zu haben.
    Gruss David

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  3. Roland Horni says:

    Hallo David

    Danke für Deine Erläuterungen zu HDR. Auch ich habe mit Photomatix einige Versuche gestartet. Mir ist genau das aufgefallen, was Du erwähnt hast: die Hallos bei den kontrastreichen Übergängen, z.B. Dach-Himmel, schwarz-weisse Linien, und ich konnte sie nie ganz auf eine saubere Abgrenzung reduzieren. Du schreibst, Zit. „…aber gewisse Korrekturen sind danach sehr oft nötig für ein perfektes Ergebnis.“ Da hast Du recht! Aber wie mache ich solche Korrekturen? Gar nicht so einfach, auch mit Photoshop! Ich habe es schon mit dem Filter „Korneffekt/anisotrop“ versucht, der glättet die Übergänge etwas, ist aber nicht zufriedenstellend. Leider muss man auch, um ihn zu gebrauchen (Photoshop CS3) die Farbtiefe auf 8 Bit reduzieren, was ich nur ungern tue, weil dann ev. noch nötige Farbkorrekturen nicht mehr so genau vorgenommen werden können. Wiederholt man das und wendet zwischendurch noch den Filter „Unscharfmaskieren“ an, erhalten die Bilder auf einmal ein sehr plastisches Aussehen und wirken wie gemalt. Das ist aber nicht meine ursprüngliche Absicht, sondern so entsteht etwas ganz Neues. Schöner Effekt für Gegenstände wie Autos, Maschinen.
    Doch zurück zu Deinen Ausführungen. Du hast recht, die HDR-Technik muss sehr gekonnt und sorgsam angewandt werden, vor allem wenn man drei bis 7 Bilder, verschieden belichtet, auf eines reduziert. Dass das aber auch mit einem Bild möglich ist, erstaunt mich. Woher nimmt Fotomatix die Informationen im Bild, es sind ja nicht mehr da, aber es funktioniert. Ich versuchte solche Kontrastverstärkungen oft auch zu erreichen, indem ich mit den Gradationskurven hantierte, mit mehr oder weniger Erfolg, wenn es denn sein musste, auch im Lab-Modus, wo man die Luminanz sehr schön korrigieren kann, ohne Farben zu beeinträchtigen.
    Alles in Allem: Dein Beitrag hat mir wieder viel Anregung gegeben, herzlichen Dank!

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  4. David Kaplan says:

    Peter Sennhauser hat sehr detailliert und umfassend erklärt, was es für Möglichkeiten zur Bildbearbeitung in Situationen mit grossem Kontrastumfang gibt. Gerade bei der Landschaftsfotografie fast immer ein Thema, auch Tagsüber. Ich war eben für 4 Wochen im Südwesten der USA und habe dort rund 2400 Bilder geschossen. Etwa 70-80% davon als Belichtungsreihe mit 3 Bildern. Daher habe ich ein wenig Erfahrung mit dieser Technik und kann Peter’s Ausführungen vielleicht noch etwas ergänzen.
    1. Die meisten HDR-Programme können Kamerabewegungen erkennen und kompensieren. Das funktioniert auch prima. Ich nutze dieses Feature auch bei meinen Stativaufnahmen, da sich auch hier das Bild um 1-2 Pixel bewegen kann. Auch Freihand-Aufnahmen sind so möglich. Aber je mehr man wackelt, umso mehr Bildrand verliert man halt.
    2. Ebenfalls viele HDR-Programme können Motivbewegungen kompensieren. Ich bin scho oft erstaunt gewesen, was z.B. Photomatix alles korrigieren kann. Um Kurven fahrende Autos, laufende Passanten, wehende Fahnen – all das wird perfekt kompensiert. Beim Wasser ist es ein bisschen schwieriger. Hier gibt es eher mal ein Artefakt, weil sich das bewegende Motiv halt nicht klar definieren lässt. Darum mache ich oft bei Wasser-HDRs Langzeitbelichtungen mit Blendenautomatik oder ISO-Variation.
    3. Sehr oft reicht ein einzelnes RAW schon für ein perfektes HDR. Die Belichtungsunterschied muss man dann einfach im RAW-Converter herbeizaubern. Hier ist das Problem eigentlich nur, dass es in den Schatten auf diese Weise stärker rauscht als es zu erwarten wäre. Sollte das Rauschen doch zu stark sein, kann man aber auch ein Exposure Blending machen. Photomatix bietet das auch an. Dabei wird einfach der jeweils korrekt belichtete Bereich der jeweiligen Belichtung mit einem korrekt belichteten Bereich einer anderen Belichtung zusammengeschnitten. Was man im Photoshop mühsam mit Masken erledigen muss, geht hier in wenigen Sekunden automatisch. Das Ergebnis ist zudem oft natürlicher als ein richtiges HDR.
    4. HDR als Detailkontrast-Steigerer. Man nehme ein typisches Landschaftsbild, z.B. eine Wiese, dazu ein blauer Himmel mit ein paar schönen Wolken. Vor Ort war der Fotograf noch begeistert von den saftigen Farben der Wiese und dem kontrastreichen Himmel. Auf dem Foto sieht dann zwar alles korrekt belichtet aus mit Histogramm wie im Lehrbuch, aber irgendwie kommt die Stimmung der Realität nicht rüber. Warum? Sowohl Himmel als auch Wiese sind schlichtweg zu kontrastarm. Was kann man dagegen machen? Z.B. mit Masken einzelne Bildbereiche markieren und selektiv den Kontrast und die Sättigung erhöhen. Oder eben den fummligen Grauverlaufsfilter. Oder aber via HDR den Detailkontrast steigern, bis es überall angenehm und realitätsnaher aussieht. Bei so kontrastarmen Motiven braucht man nicht einmal ein Stativ. Für mich ist HDR die einfachste und schnellste Variante um zu ansprechenden Bildern zu kommen.
    5. HDR-Nachbearbeitung. Bei fast jedem HDR gibt es irgendwo Bereiche im Endergebnis die irgendwie komisch sind. Seinen es Halos an den Kontrastübergängen oder Bereiche die unnatürlich hell aussehen. Natürlich sollte man ein möglichst natürliches HDR-Ergebnis anstreben, aber gewisse Korrekturen sind danach sehr oft nötig für ein perfektes Ergebnis.

    Ich hoffe, mit meinen Ergänzungen die HDR-Technik ein bisschen schmackhaft gemacht zu haben. Leider hat sie unter den seriösen Fotografen einen nicht allzu guten Ruf, weil man bei vielen HDR-Anfängern völlig übertriebene HDR-Bearbeitungen sieht. Das liegt aber einmal mehr am Menschen und nicht an der Technologie.

    Viel Spass beim weiteren Fotografieren und immer das richtige Licht.
    Gruss David

    Antworten
  5. Horni Roland says:

    Peter, mir wurden vor einem halben Jahrhundert die „Anstandsregeln“ so heftig eingehämmert, dass es bis zum heutigen Tag nachwirkt;-) das bringt man kaum mehr weg. Aber Spass beiseite und Danke für die Blumen. Es ist doch ein Kompliment, wenn jemandem ein Bild gefällt.
    HDR aus freier Hand, hm, dann pack ich mir doch grad die EOS 1 Mark III ein, diese Schnellfotografiermaschine, vom Gewicht her nicht viel weniger schwer als ein Stativ. Nur, mein schönes 14mm Weitwinkel ist dann keines mehr und für gute Fotos muss man manchmal auch noch leiden, oder man engagiert ein paar Träger;-)

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  6. Peter Sennhauser says:

    Roland (ich erlaube mir weiterhin die hier gepflegte kollegiale Duzerei), herzlichen Dank für Deine Replik. Ich hab’s hier in der Tat übertrieben – mit der Textlänge genau so wie mit dem Aufhellregler. Ich habe ausserdem in dem ganzen langen Riemen nirgends gesagt, dass mir das Bild persönlich sehr gefällt – ich liebe diese Morgenstimmung.
    Zu HDR noch ein Hinweis: Das geht durchaus mit Bracketing aus der Hand, eine Kamera mit schneller Bildfolge und eine tiefe Verschlusszeit vorausgesetzt. Deine EOS 5D müsste das problemlos hinkriegen.

    Antworten
  7. Horni Roland says:

    Hallo liebe Fotogemeinde.

    Erst einmal dem Autor dieser Bildanalyse, Peter Sennhauser, ein herzliches Dankeschön!
    Herausgekommen ist ja fast so etwas wie ein Workshop in Sachen Landschaftsfotografie bei extremen Lichtverhältnissen.

    Geschmunzelt habe ich beim Lesen der Einleitung: „Strafaufgabe ausgesucht“… ja das war es dann schon nicht, aber eine wirkliche Herausforderung! Ausserdem war ich in Wanderausrüstung unterwegs und hatte kein Stativ dabei. Deshalb die grosse Blendenöffnung, (5,6) mit der ich fotografierte, schliesslich wollte ich ein einigermassen scharfes Bild. Somit schloss sich auch die HDR-Methode aus, für die das Motiv wohl prädestiniert wäre, aber aus freier Hand werde ich nie drei bis fünf deckungsgleiche Aufnahmen realisieren;-)

    Lehrreich für mich, dass bei Landschaftsaufnahmen eigentlich auf den Vordergrund scharf gestellt werden sollte, nicht in die Ferne, ja dass sogar – wie ich andern Orts las – eine geringe Unschärfe im Hintergrund nicht störe.

    Bei diesem Bild habe ich auf die Schärfe und Belichtung des Vordergrunds – und wie ich nun weiss – fälschlicherweise nicht die Beachtung geschenkt, die er offensichtlich doch verdient. Wichtig waren mir die Berge und das Tal. So habe ich denn auch und mit genauer Beobachtung des Kamerahistogramms, genau darauf belichtet. Sicher gut gemeint, aber nicht gut genug, wie ich nun sehe. Fotografiert habe ich natürlich im RAW-Format, wie bei mir üblich, weil ich um die am PC so besseren Korrekturmöglichkeiten weiss.

    Mit „Steine im Vordergrund beschneiden“ meinte ich natürlich diese ganz wegschneiden, sodass die untere Bildkante knapp unter dem dunklen Wald rechts gewesen wäre. Angeschnittene Steine würden wirklich unschön wirken. Aber Abschneiden und Beschneiden haben halt andere Bedeutungen, ich muss hier sprachlich präziser werden;-)

    Nun, Peter, Sie haben ja den Aufhellschieberegler in Lightroom ganz forsch nach rechts geschoben. Das habe ich nun auch nachvollzogen an meinem RAW-Bild und muss sagen, Donnerwetter, das bringt ganz schön was! Und das mit dem Rauschen ist noch gar nicht so schlimm. Nur finde ich jetzt das Bild etwas unwirklich, so schönes Grün sah ich nicht auf der Wiese………, es ist also für meinen Geschmack etwas zu viel des Guten, ich würde etwa um 20 Punkte vorher abbremsen beim „nach rechts schieben“. Da kommt also wohl die Geschmacksfrage zum Zuge. Die hinter dem Felsblock stehende Tanne nahm ich vor Ort nur als schwarze Silhouette war. Eigentlich wollte ich das im Bild so behalten. Aber es zeigt mir, wie viel man aus dem Dunkel noch raus holen kann, wenn man RAW-Format fotografiert, wirklich beachtlich.

    Alles in allem habe ich hier einiges gefunden, was ich auf meine künftigen fotografischen Wanderungen mitnehmen kann. Aber um wirklich hervorragende Landschaftsbilder zu machen komme ich wohl nicht darum herum, das Stativ mit zu tragen, nebst Grauverlauf- und Polarisationsfilter.

    Freundliche Grüsse
    Roland Horni

    Antworten

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