Sonnenaufgang-Foto:
Weniger ist mehr

Vor und nach Sonnenauf- oder Untergang findet ein Spektakel von Farben, Formen und Licht statt, das oder gerade einfachen Bildern viel Emotionalität verleiht.

Kommentar des Fotografen:

Früh morgens ging es zum Gipfel des Kellerjochs. Die Sicht war nicht gerade berauschend, jedoch wirkt dies -meiner Meinung nach – sehr gut auf die aufgehende Sonne. Man sieht dadurch die Sonne sehr gut und man meint, sie gehe zwischen den Bergen auf.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Torsten Muehlbacher:

Die Sonne geht auf und scheint durch den Dunst über den Bergen nur knapp und grellrot hindurch. Die Gipfel der Alpen um den Fotografen herum erscheinen als blosse Schemen in verschiedenen Blau- oder Grautönen, wobei sich die Kanten zum jeweils ferneren Berghang durch leichten weissen Dunsthauch abgrenzen. Der Himmel über der Sonne erstrahlt in einem knalligen Verlauf von Rot zu einem von Federwolken durchzogenen Gold.

Ich finde nicht, dass die Sicht nicht berauschend war, als Du diese Aufnahme gemacht hast – im Gegenteil:

Die Frage ist eben immer, was Du Dir erhoffst. Hier jedenfalls ist Dir eine bemerkenswerte Fotografie gelungen, die zwar in der Tat wenig konkreten Inhalt, dafür ein Feuerwerk an Farben, Lichtstimmungen und Illusionen bietet.

Fotografie, und darunter auch die Landschaftsfotografie, braucht nicht immer ein gegenständliches Motiv. Wichtiger ist die optische Wirkung und die Emotionalität, welche sie ausstrahlt. Ein Bild wie dieses lässt wohl nur wenige Betrachter kalt, weckt Erinnerungen an eigene Bergwanderungen und Sonnenaufgang-Erlebnisse. Schliesslich handelt es sich bei diesem täglichen Vorgang um etwas, wovon wir Menschen einfach nie genug kriegen.

Nüchtern betrachtet liegt das daran, dass es ganz einfach keine andere Situation mit derartigem Licht gibt als diese wenigen Minuten zwischen Dämmerungsbeginn und Dunkelheit respektive Dämmerungsbeginn und dem Auftauchen der Sonne am Horizont. Weniger nüchtern gesehen ist die Geburt eines neuen Tages jedesmal ein freudiges Ereignis.

Letzteres lässt sich deshalb in ersterem Ausdrücken: Für Fotografen ist das Lichtspiel in der Dämmerung allein schon ein Motiv, das Aufmerksamkeit garantiert – die wenigsten Menschen haben häujfig Gelegenheit, diesen Farbenzauber zu verfolgen.

Insofern ist die grafische Einfachheit dieser Aufnahme voller einfacher emotionaler Schönheit. Hier fehlt nicht nur kein Vordergrund, es ist sehr davon auszugehen, dass jedes weitere Element die Aufnahme beeinträchtigen würde.

Technisch gesehen ist an dem Bild nichts auszusetzen, eine Verbreitung der Tonwertskala und die Erhöhung des Kontrasts entsprächen nicht der Lichtstimmung vor Ort. Allenfalls hätte man die Verzerrung des Objektivs in Photoshop leicht korrigieren und den Horizont “geradebiegen” können.

Kompositorisch ist ein flaches Panorama wahrscheinlich eine gute Wahl, weil es der Weite des Horizontes entspricht. Weniger passend scheint mir dagegen der grosse Anteil an Himmel – den erstens tut sich in zwei Dritteln der goldenen Fläche nichts mehr, und zweitens verläuft der Horizont fast genau durch die Bildmitte.

Hoch in den Bergen stellt sich indes nicht selten das Gefühl ein, dem Himmel sehr nahe zu sein und ihn dicht über dem Kopf zu haben – um dieses Gefühl optisch umzusetzen, hättest Du hier auch eine Extreme zugunsten des Himmels ausprobieren und alles irdische inklusive Sonne in das unterste Bilddrittel oder noch tiefer verbannen können.

In diesem Fall aber schiene mir die umgekehrte Entscheidung, mit einem noch stärkeren Tele als dem 105er in die Zone rund um die Sonne zu zoomen und Bergen und Nebelschwaden mehr Raum zu geben, die bessere Wahl.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

Mehr lesen

Dramatische Skyline: Vor Ort - mit Kamera

21.10.2011, 1 KommentareDramatische Skyline:
Vor Ort - mit Kamera

Es ist schlimmer, keine Bilder zu machen als schlechte. Deshalb sollte man immer seine Kamera dabei haben.

Abendhimmel: Farbe in Schwarz

6.4.2011, 0 KommentareAbendhimmel:
Farbe in Schwarz

Knallbunte Wolken im Abendlicht sind ein Fest für Landschaftsfotografen. Idealerweise werden sie in eine Landschaft eingebettet.

Landschaftsfotografie: Objekte machen Raum

24.3.2011, 5 KommentareLandschaftsfotografie:
Objekte machen Raum

Landschaft besteht aus Objekten, und deren Beschaffenheit, Anordnung, Beleuchtung und das Zusammenspiel macht ein spannendes Landschaftsbild.

Landschaftsfotografie: Plastische Küste

8.2.2012, 2 KommentareLandschaftsfotografie:
Plastische Küste

Ohne Extreme in den Kontrasten des Motivs ist kein HDR notwendig. Eine Aufnahme in RAW reicht bereits für vieles.

Landschaftsfotografie: Harte und weiche Kanten

6.2.2012, 0 KommentareLandschaftsfotografie:
Harte und weiche Kanten

Gegensätze und Kontraste schaffen Spannung. Unter Umständen müssen sie aber stark akzentuiert werden.

31.1.2012, 0 KommentareLangzeit-Landschaft:
Mehr nach links

Bewegte Objekte hinterlassen in Langzeitaufnahmen ihre Spuren. Es lohnt sich, deren Verlauf genau zu planen.

Annett Gröschner/Arwed Messmer: Die frühe Berliner Mauer

29.8.2011, 1 KommentareAnnett Gröschner/Arwed Messmer:
Die frühe Berliner Mauer

Ein wahrer Schatz aus ehemaligen DDR-Archiven: Panoramafotografien der frühen Berliner Mauer. Annett Gröschner und Arwed Messmer haben sie aufbereitet.

Foto des Monats: Stadtansichten im Mai

13.6.2011, 1 KommentareFoto des Monats:
Stadtansichten im Mai

Der Sieger unseres monatlichen Fotowettbewerbs heisst Johannes Heuckeroth. Sein Pano aus der Defense in Paris ist uns das Preisgeld von 100 Euro wert.

Nachtaufnahme: Die quicklebendige Innenstadt

10.6.2011, 8 KommentareNachtaufnahme:
Die quicklebendige Innenstadt

Architektur, Standort, Tageszeit, Belichtungszeit, Brennweite und Bildbearbeitung: Das sind die Faktoren, um dieses Foto zu einem lebendigen und beeindruckenden Architekturfoto werden zu lassen.

Landschaftsfotografie: Licht ist genug

7.9.2011, 31 KommentareLandschaftsfotografie:
Licht ist genug

Braucht eine Landschaftsfotografie eine umwerfende Landschaft? Nicht unbedingt. Umwerfendes Licht kann genügen - wenn ein paar andere Faktoren stimmen.

Landschaftsfotografie: Komposition ohne Inhalt

20.7.2011, 11 KommentareLandschaftsfotografie:
Komposition ohne Inhalt

Eine gute Komposition ist ein wesentliches Gestaltungsmerkmal einer Landschaftsfotografie - aber die abgelichtete Landschaft bleibt dabei das Motiv.

Nebellandschaft: Romantiker-Ansicht

19.11.2010, 3 KommentareNebellandschaft:
Romantiker-Ansicht

Nebelmorgen mit Sonnenstrahlen - traumhafte Motive für Frühaufsteher. Lohnende Aufnahmen für den letzten Schliff.

Kühlturm in Abstraktion: Der Blick nach oben

25.1.2012, 7 KommentareKühlturm in Abstraktion:
Der Blick nach oben

Interessante Motive können überall gefunden werden, wenn man nur hinschaut.

Schnappschuss: Dorftratsch mit Blick in die Zukunft

19.1.2012, 10 KommentareSchnappschuss:
Dorftratsch mit Blick in die Zukunft

Mit gezielter Fotografie oder Bearbeitung kann man einem Bild ein bestimmte Aussage mitgeben. Nur stimmt diese immer?

Dokumentation: Soldaten im Sandsturm

4.1.2012, 1 KommentareDokumentation:
Soldaten im Sandsturm

Dokumentarbilder müssen ihre Aussage eindeutig transportieren - wobei die Aussage auch in einer Stimmung liegen kann.

Landschaftsfotografie: Romantische Winterstimmung

25.4.2011, 1 KommentareLandschaftsfotografie:
Romantische Winterstimmung

Ein schlichtes Bild, das vor allem vom vorhandenen Licht lebt, welches Tiefe erzeugt und majestätisch wirkt.

Stilleben im Nebelwald: Glühende Linien

16.10.2009, 0 KommentareStilleben im Nebelwald:
Glühende Linien

Nebel, Regen oder Wind muss man zwar auf der Fotopirsch ertragen können, sie bieten aber häufig sehr ungewohnte und spannende Motive.

Treppe ins Dunkle: Perfekt totgeblitzt

30.7.2009, 3 KommentareTreppe ins Dunkle:
Perfekt totgeblitzt

Fotografieren mit Blitz ist bisweilen auch unterwegs im Freien sinnvoll. Allerdings kann das Kunstlicht auch die Stimmung völlig vernichten.

1 Kommentar

  1. Clickpix
    schrieb am 2. Oktober 2009 um 20:02 Uhr (#)

    hallo!

    vielen dank für die kritik!
    hab sie mit grosser Sorgfalt gelesen, werde deine Tipps am Bild ausprobieren (weniger himmel). Leider hatte ich damals kein längeres Tele dabei, musste ja ein wenig Gepäck sparen das wir 2 Tage auf der Hütte waren. Daher hatte ich “nur” das 24-105 mit dabei. Da ich aber in diese schönen Gegend wohne, ist es kein Problem, solche oder ähnliche Aufnahmen mit einem grösseren Tele zu probieren!
    Danke nochmals für deine “Kritik”.
    Grüsse aus Tirol,
    Torsten

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.