Sonnenaufgang-Foto:
Weniger ist mehr

Peter Sennhauser, 2. Oktober 2009 11:05 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Vor und nach Sonnenauf- oder Untergang findet ein Spektakel von Farben, Formen und Licht statt, das oder gerade einfachen Bildern viel Emotionalität verleiht.

Kommentar des Fotografen:

Früh morgens ging es zum Gipfel des Kellerjochs. Die Sicht war nicht gerade berauschend, jedoch wirkt dies -meiner Meinung nach – sehr gut auf die aufgehende Sonne. Man sieht dadurch die Sonne sehr gut und man meint, sie gehe zwischen den Bergen auf.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Torsten Muehlbacher:

Die Sonne geht auf und scheint durch den Dunst über den Bergen nur knapp und grellrot hindurch. Die Gipfel der Alpen um den Fotografen herum erscheinen als blosse Schemen in verschiedenen Blau- oder Grautönen, wobei sich die Kanten zum jeweils ferneren Berghang durch leichten weissen Dunsthauch abgrenzen. Der Himmel über der Sonne erstrahlt in einem knalligen Verlauf von Rot zu einem von Federwolken durchzogenen Gold.

Ich finde nicht, dass die Sicht nicht berauschend war, als Du diese Aufnahme gemacht hast – im Gegenteil:

Die Frage ist eben immer, was Du Dir erhoffst. Hier jedenfalls ist Dir eine bemerkenswerte Fotografie gelungen, die zwar in der Tat wenig konkreten Inhalt, dafür ein Feuerwerk an Farben, Lichtstimmungen und Illusionen bietet.

Fotografie, und darunter auch die Landschaftsfotografie, braucht nicht immer ein gegenständliches Motiv. Wichtiger ist die optische Wirkung und die Emotionalität, welche sie ausstrahlt. Ein Bild wie dieses lässt wohl nur wenige Betrachter kalt, weckt Erinnerungen an eigene Bergwanderungen und Sonnenaufgang-Erlebnisse. Schliesslich handelt es sich bei diesem täglichen Vorgang um etwas, wovon wir Menschen einfach nie genug kriegen.

Nüchtern betrachtet liegt das daran, dass es ganz einfach keine andere Situation mit derartigem Licht gibt als diese wenigen Minuten zwischen Dämmerungsbeginn und Dunkelheit respektive Dämmerungsbeginn und dem Auftauchen der Sonne am Horizont. Weniger nüchtern gesehen ist die Geburt eines neuen Tages jedesmal ein freudiges Ereignis.

Letzteres lässt sich deshalb in ersterem Ausdrücken: Für Fotografen ist das Lichtspiel in der Dämmerung allein schon ein Motiv, das Aufmerksamkeit garantiert – die wenigsten Menschen haben häujfig Gelegenheit, diesen Farbenzauber zu verfolgen.

Insofern ist die grafische Einfachheit dieser Aufnahme voller einfacher emotionaler Schönheit. Hier fehlt nicht nur kein Vordergrund, es ist sehr davon auszugehen, dass jedes weitere Element die Aufnahme beeinträchtigen würde.

Technisch gesehen ist an dem Bild nichts auszusetzen, eine Verbreitung der Tonwertskala und die Erhöhung des Kontrasts entsprächen nicht der Lichtstimmung vor Ort. Allenfalls hätte man die Verzerrung des Objektivs in Photoshop leicht korrigieren und den Horizont “geradebiegen” können.

Kompositorisch ist ein flaches Panorama wahrscheinlich eine gute Wahl, weil es der Weite des Horizontes entspricht. Weniger passend scheint mir dagegen der grosse Anteil an Himmel – den erstens tut sich in zwei Dritteln der goldenen Fläche nichts mehr, und zweitens verläuft der Horizont fast genau durch die Bildmitte.

Hoch in den Bergen stellt sich indes nicht selten das Gefühl ein, dem Himmel sehr nahe zu sein und ihn dicht über dem Kopf zu haben – um dieses Gefühl optisch umzusetzen, hättest Du hier auch eine Extreme zugunsten des Himmels ausprobieren und alles irdische inklusive Sonne in das unterste Bilddrittel oder noch tiefer verbannen können.

In diesem Fall aber schiene mir die umgekehrte Entscheidung, mit einem noch stärkeren Tele als dem 105er in die Zone rund um die Sonne zu zoomen und Bergen und Nebelschwaden mehr Raum zu geben, die bessere Wahl.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Clickpix
    schrieb am 2. Oktober 2009 um 20:02 Uhr (#)

    hallo!

    vielen dank für die kritik!
    hab sie mit grosser Sorgfalt gelesen, werde deine Tipps am Bild ausprobieren (weniger himmel). Leider hatte ich damals kein längeres Tele dabei, musste ja ein wenig Gepäck sparen das wir 2 Tage auf der Hütte waren. Daher hatte ich “nur” das 24-105 mit dabei. Da ich aber in diese schönen Gegend wohne, ist es kein Problem, solche oder ähnliche Aufnahmen mit einem grösseren Tele zu probieren!
    Danke nochmals für deine “Kritik”.
    Grüsse aus Tirol,
    Torsten

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