Dreiecke am Morgen:
Bildkomposition aus dem Stehgreif

Ein wahrlich brillantes Foto von einer Sport- und Reiseart die mich fasziniert, fotografisch als auch erlebnistechnisch.



Kommentar des Fotografen:

Am Morgen war unser Kayak unerwartet weit weg vom Meer, da wir uns Ebbe und Flut nicht gewohnt waren. Ich wollte die Stimmung dieses Morgens einfangen, das schöne Wetter, das ruhige Wasser und die dunstigen Berge im Hintergrund. Das Bild habe ich diesen Sommer in Kanada im Howe Sound (Nähe Vancouver) gemacht.

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Franziska Zuber:

Es fällt mir nicht leicht dieses Bild zu kritisieren. Zeigt es doch sehr gekonnt die Ruhe der ersten Tagesstunden am Wasser. Die Luft ist klar und das Blau, welches für mich im Bild vorherrschend ist, strahlt diese Kühle aus, die solch ein herrlicher Morgen mit sich bringt. Tage am Wasser sind immer wieder beruhigend und auch inspirierend.

Aber Kritik heißt ja nicht, etwas schlecht machen:

Ich hab mir ein paar Gedanken gemacht und festgestellt, dass dieses Bild eventuell besser wirkt wenn es vom gegenüberliegenden Standpunkt aufgenommen worden wäre. Ich hab es einfach mal gespiegelt, um dieses zu simulieren.

Nun sind die Diagonalen aufsteigend und positiv im Bild angeordnet. Es finden sich diverse Dreiecke im Bild (die waren natürlich auch schon in der anderen Version vorhanden). Die Dreieckskomposition ist eine der bekanntesten klassischen Kompositions-Möglichkeiten. In der Regel wirkt sie sehr statisch, man kann sie aber auch für eine dynamische Bildgestaltung nutzen.

Was macht eine dynamische Komposition aus? Solche Bildgestaltungen leben von schrägen oder diagonalen Linien und besonders davon, dass Bewegung suggeriert wird. Und wie wir sehen, hast du einige Diagonalen und Dreiecke in deinem Bild. Diese Art der Bildgestaltung wurde schon von Malern wie Caspar David Friedrich angewendet. Wenn du sie auch schon bewusst ins Bild gebracht hast, ist das Klasse, wenn nicht, ist dein Augenmerk für solche Details nun sicherlich ein wenig geschärft worden.

Durch das gewählte Weitwinkelobjektiv bekommt dein Bild zwar leichte Verzerrungen, aber auch wieder etwas Spannendes, weil Ungewöhnliches. So wird das Kanu normalerweise nicht gesehen. Entweder sitzt man drin und fühlt sich mitten im Wasser oder steht davor und schaut auf dieses relativ schmale, lange Seekajak herunter.

Durch die Wahl deiner Perspektive hast du dem Bild auch noch mal gut getan. Mich würden jetzt noch weitere Bilder deiner Tour interessieren und ob du diese Dynamik auch während des Paddelns eingefangen hast.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Kommentare

  1. rudiRalala
    schrieb am 12. Oktober 2009 um 14:07 Uhr (#)

    Ich kann mir nicht helfen, ich finde das Bild überfrachtet:

    Vorne, ganz scharf, die alten Baumstämme mit einem schwarzen Loch dazwischen, wo sich der Blick schon als erstes hilflos verirrt. Ein Blitz dazu hätte hier hilfreiche Dienste leisten können. Dann natürlich das Boot, der See und, weil noch nicht genug und weil Landschaft im Überfluss vorhanden ist, noch die Berge dazu.

    Worauf will der Fotograph die Aufmerksamkeit lenken? Wie das Boot auf dem Festland liegt? Auf das Boot? Oder soll es ein Landschaftspanorama sein? Meine Meinung: Weniger wäre hier mehr gewesen.

    Frage an Thomas: Kennst Du zu Deinen Ausführungen bzgl. der dynamischen Bildkomposition empfehlenswerte Literatur, die nicht allzu umfangreich und kostenintensiv ist? Ich bin von dem Thema leider völlig unbeleckt.

  2. Jürgen Schulte
    schrieb am 12. Oktober 2009 um 15:58 Uhr (#)

    @rudiRalala: Kennst Du zu Deinen Ausführungen bzgl. der dynamischen Bildkomposition empfehlenswerte Literatur, die nicht allzu umfangreich und kostenintensiv ist?

    Kann Dir 2 Bücher empfehlen:
    1. Harald Mante: Das Foto, Bildaufbau & Farbdesign
    Ist etwas akademisch, aber immer noch einer DER Klassiker zum Thema.
    2. Michael Freeman: Der fotografische Blick, Bildkomposition und Gestaltung
    Finde ich persönlich besser, weil dem Lernenden durch “vorher-nachher”-Bilder bzw. “böses Beispiel-gutes Beispiel” im Bild die theoretischen Erläuterungen sofort einleuchten.

  3. rudiRalala
    schrieb am 12. Oktober 2009 um 16:39 Uhr (#)

    @ Jürgen: danke! :-)

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