Nikon D3s:
Schnell, leise und empfindlich

Peter Sennhauser, 14. Oktober 2009 22:52 Uhr, 11 Kommentare Kommentare

Nikon setzt mit der überarbeiteten D3s-Vollformat-Kamera auf die Newsfotografie: Die Auflösung beträgt “nur” 12 Megapixel, die Nachtsicht dagegen sagenhafte 102′400 ISO.

Ja, sie beherrscht Video, und das auch im kleinen HD-Standard 720p. Aber vor allem ist sie unheimlich empfindlich, rasend schnell und angeblich jetzt auch noch leise: Die überarbeitete Nikon D3 mit dem Zusatz “s” zielt eindeutig auf Fotografen im News- und Sportbereich.

Vom Megapixel-Rennen, wo sich bisher vor allem Sony im DSLR-Feld hervorgetan hat, scheinen sich Canon und Nikon ohnehin weitgehend verabschiedet zu haben: Weil die Pixelzahl im Quadrat steigen muss, um wirksame Vergrösserungssteigerungen zu ermöglichen, investiert man die Forschungsenergie besser auf andere technische Bereiche, wo mehr für die Fotografen herauszuholen ist. Zum Beispiel auf Empfindlichere Kameras und höheren Kontrastumfang.

Nikon D3s
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Nikon zielt dabei eindeutig zunehmend auf Presse-und Sportfotografen. Mit der D3s legt die Firma die Latte einmal mehr höher, wenn es um Empfindlichkeit geht – und das ist ein Killer-Kriterium für den Bildjournalismus. Denn Empfindlichkeit bedeutet Tempo, und das ist in der Sportfotografie genau so wichtig wie im Nachrichtenjournalismus.

Ich habe meine Zweifel, ob die Videofunktion in Spiegelreflexkameras wie der Nikon D3s je im grossen Stil benutzt werden wird – für Agentur-Fotografen mag es gelegentliche News-Schnipsel abwerfen, aber in den wirklich wichtigen Augenblicken dürften Fotografen auf ihr Medium setzen, und das ist die Fotografie.

Dort hingegen spielt es eine erhebliche Rolle, ob man in einem halbdunklen Raum aus der Hand und ohne Blitz fotografieren kann, ob in der Sporthalle Bilder mit Verschlusszeiten möglich sind, welche die Sportler einfrieren, und ob man Bildserien schiessen kann, aus denen die besten Aufnahmen später ausgewählt werden können.

Die Nikon D3s bietet mit einem Boost-Modus von ISO 102′400 drei Lichtwerte jenseits der bisherigen Empfindlichkeitsgrenze und das bei einem Rauschverhalten, das – Testbilder sind abzuwarten – so gut sein dürfte wie noch vor einem Jahr bei ISO 25′000. Ausserdem schiesst die Nikon D3s bis zu 9 Bilder pro Sekunde, im gecroppten DX-Format sogar 11 – da lassen sich schon fast Videos aus den Vollformat-Bildern zusammenstellen (Bildrate im Videoformat: 24fps).

Der Akku ist nochmals verbessert worden und soll der Kamera zu bis zu 4200 Bilder verhelfen – ein Wert, der etwas gar hoch scheint, aber schon die Hälfte ist erstaunlich, angesichts der bisherigen Erfahrungswerte aber durchaus glaubwürdig. Damit das alles auch gespeichert werden kann, verfügt die Nikon D3s über zwei CF-Kartenslots.

Schneller und länger ist also die Devise von Nikon, um im hektischen Newsgeschäft Boden zu gewinnen. Für die Fraktion der Künstler und der Naturfotografen wartet die Nikon D3s dennoch auch mit interessanten Neuerungen auf. Tierfotografen erhalten mit der D3s nicht nur eine extrem empfindliche Kamera, die sich auch hinter extremen Brennweiten für kurze Verschlusszeiten eignet – sie hat ausserdem einen “Leise”-Auslöse-Modus, der den Spiegelschlag und das typische Nikon-Klacken reduzieren soll, was beim Ablichten von Paradiesvögeln durchaus helfen kann.

Ausserdem fangen die Hersteller an, DRI-Techniken in den Kameras zu verbauen. Die lineare Sicht der Sensoren wird durch allerlei Software angepasst; bei Nikon heisst das System “Active D-Lighting” und ist bereits seit der D300 in den Topmodellen verfügbar: Die Kamera passt dabei die Belichtung an und verstärkt die bestimmte Tonwerte, um einen höheren Kontrastumfang zu erreichen. Bei der Nikon D3s ist diese Technologie auf fünf Stufen ausgebaut worden, ausserdem kann sie mit Bracketing-Serien kombiniert werden. Fehlt nur noch das Tone-Mapping in der Kamera.

Zwei Dinge fehlen meiner Ansicht nach dieser Nikon als ultimatives Reporter-Instrument: Die Audio-Notiz, die einzelne Canon-Modelle ermöglichen, fand ich schon immer eine sinnvolle Anwendung für Journalisten – vor Ort können so auf Knopfdruck die wichtigsten Daten zu einem Bild festgehalten werden, ohne dass man dazu auch nur die Kamera aus der Hand legen muss. (PS: Inzwischen hat man mich belehrt, dass alle neuen Topmodelle von Nikon ab der D300s diese Funktion haben).

Und dann wird es langsam Zeit, dass Nikon anfängt, GPS-Chips in die Profigeräte zu verbauen. Das wird nicht mit lausiger Umsetzung wie in der Coolpix P6000 gehen, aber erstens kosten vernünftige Chips inzwischen keine nennenswerten Beträge mehr und zweitens beweist das Dawntech -GPS auf meiner Nikon seit einem Jahr, dass die Technik reif ist sowohl in Bezug auf Einschalt-Tempo als auch auf den moderaten, um nicht zu sagen nicht spürbaren Energieverbrauch.

Es besteht aber wohl kein Zweifel daran, dass automatisches Geotagging das wichtigste “Software”-Zubehör für journalistische Fotografie ist, das es derzeit geben könnte.

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11 Kommentare

  1. Michael
    schrieb am 15. Oktober 2009 um 07:03 Uhr (#)

    Guter Beitrag.

    Nun ist Canon gefordert, los los 1D Mark IV :)

    Ach ja kleiner Typo noch: Zweit letzter Absatz “Zewit” -> “Zeit”

  2. Philipp
    schrieb am 15. Oktober 2009 um 09:23 Uhr (#)

    “Leide”-Auslöse-Modus,5 letzter Absatz. Ist das ein Leise Modus?

    Da gehts ja wieder rund bei Nikon. Anscheindend gibts ja noch ein neues Macro.

    Habt ihr eigentlich schon mal das Active D-Lighting getestet?

    1. WojciechPischinger
      schrieb am 17. Februar 2010 um 15:15 Uhr (#)

      Ja ,freilich.Fazit:unzuverläßig,lieber selber einstellen..

  3. lerada
    schrieb am 15. Oktober 2009 um 12:37 Uhr (#)

    … ich finde den beitrag ebenfalls gut, jedoch würde ich gerne noch näheres über den “leide-auslöse-modus” erfahren wollen ;-)

    mfg lerada

  4. Tilmann
    schrieb am 15. Oktober 2009 um 12:41 Uhr (#)

    Gut zusammengefasst und auf den Punkt gebracht.
    Nur was den ersten Verbesserungsvorschlag angeht (Sprachnotizen): ich habe schon vor drei Jahren mit der Nikon D2x solche Audionotizen gemacht und soweit ich gelesen habe (http://nikon.de/product/d…/specifications.html) kann die D3s wie alle anderen Nikon Topmodelle das auch…

    Der Foderung von einem eingebauten GPS-Chip kann ich allerings nur zustimmen!

    PS: Noch ein kleiner “Vertipper”: Es ist bestimmt der “Leise-Modus” gemeint.

  5. Stefan
    schrieb am 15. Oktober 2009 um 14:39 Uhr (#)

    Schön zusammengefasst, aber eine Audio Notiz gibt es doch – schon seit allen Profi-DSLR Bodys von Nikon. Oder funktioniert die bei Canon so anders, dass ich nicht verstehe, was Du meinst?

  6. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 15. Oktober 2009 um 18:56 Uhr (#)

    Danke, Leute, für die Anmerkungen – wenn mir jetzt noch jemand sagt, die Audionotiz stecke auch in der D300…

  7. Stefan
    schrieb am 15. Oktober 2009 um 18:58 Uhr (#)

    In der D300 steckt die Audionotiz-Funktion nicht, aber das ist ja auch keine Profi-Kamera :)

  8. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 16. Oktober 2009 um 09:30 Uhr (#)

    Tsts, guckstu mal, wo Nikon die D300 einordnet.

    Im Übrigen: Die D300s hat die Audionotiz, wie alle der Videofähigen SLRS. Wobei ich jetzt wieder frotzeln möchte: Was hat Video mit professioneller Fotografie zu tun… ;-)

    1. WojciechPischinger
      schrieb am 17. Februar 2010 um 15:29 Uhr (#)

      wo Nikon im Werbeprospekten ihre D300 einordnet ,ist von untergeordneter Bedeutung.Sie ist als top-amateur Kamera
      einzustufen,weil:
      1.Verschluß auf 150000 und nicht 300000 Auslösungen getestet
      2.der Hochformatgriff/Auslöser fehlt
      3.das Gehäuse nicht 100%ig aus Metall besteht
      4.nur 1 Slot für Speicherkarten
      5.die Stromversorgung in Vergleich zur D3,D3x,D3s mickrig
      ausfällt

  9. Stefan B.
    schrieb am 28. Oktober 2009 um 19:49 Uhr (#)

    >> “…hat die Audionotiz, wie alle der Videofähigen SLRS.”

    ähem, D90 -> videofähige SLR -> aber keine Audionotiz.

    Guckstu mal bei den Spezifikationen unter “Aufnahmeformate” bei “Bildkommentar”:

    klick!

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