Saul Leiter:
Die Farben des Malers

Uli Eberhardt, 16. Oktober 2009 13:22 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Saul Leiters frühe und wunderbare Farbfotografien sind jetzt erstmals in Deutschland zu sehen – in München.

Der heute 86-jährige Amerikaner Saul Leiter begann Ende der Vierzigerjahre mit der Farbfotografie, als das noch als “Low Art” galt und bestenfalls für die Werbung gut genug war. Ursprünglich war er Maler.

Bis heute haben Saul Leiters Arbeiten eine Sonderrolle in der Farbfotografie: Die Farbigkeit zeugt eher von malerischem Einsatz als von fotografischen Mitteln. Sicherlich spielt dafür sein künstlerische Herkunft aus der Malerei eine wesentliche Rolle. 1946 nach New York gezogen, stellte er als Maler mit Abstrakten Expressionisten wie Willem de Kooning aus.

Obwohl Leiter bereits 1948 begann in Farbe zu fotografieren, wurden 1953 zunächst nur seine schwarz-weiß Arbeiten im Museum of Modern Art MoMA ausgestellt. Erst 1957 folgten seine Farbarbeiten, wenngleich auch nur als Diashow unter dem Titel “Experimental Photography in Color”. Die “frühen” Farbfotografen wie William Eggleston, Stephen Shore oder Joel Sternfeld schafften ihren Durchbruch erst Ende der Siebziger-, Anfang der Achtzigerjahre. Siehe den Beitrag bei fokussiert.com: Neue Farbe für das Land.

Angeregt durch die fotografischen Experimente des Malers Richard Pousette-Dart und die 1947 erstmals im MoMA ausgestellten Bilder von Henri Cartier-Bresson begann Leiter neben der Malerei schwarzweiß zu fotografieren.

Wie William Klein, Robert Frank oder Helen Levitt fand er seine Motive auf den Straßen New Yorks. Dabei bleibt er immer am Gedanken der Abstraktion interessiert. Anders als zeitgenössischen Fotografen scheint er allerdings auch Grauwerte der Fotografie als Farbe zu behandeln, dienten diese doch dazu, das tatsächlich Gesehene auf eine entrücktere Ebene zu stellen.

Doch gab ihm erst der Farbfilm die Möglichkeit, die Prinzipien aus der Malerei mit der Fotografie zu verbinden.

Den Aspekt des kurzen Augenblicks der Fotografie verwandelt und übersetzt Saul Leiter in die Zeitlosigkeit der Malerei, indem er städtisches Treiben in Reflexionen und Schichten bettet, die den Raum in eine Fläche verwandeln.

Er selbst beschrieb das so: “Fotografien werden oft als Höhepunkt der Realität behandelt. Aber eigentlich sind es kleine Fragmente von Andenken dieser unvollendeten Welt.” Seine Sicht des Urbanen hat ihre Wurzeln bei Malern wie Pierre Bonnard und Edouard Vuillard, die Saul Leiter auch als Vorbilder benennt. Wie sie betont er Flächen, Linien und das Monochrome in direkter Beziehung zur vorgegebenen Realität.

Saul Leiters Werk erlebte in den letzten Jahren hauptsächlich in den USA eine Renaissance. Mit der Publikation von Early Color (Affiliate-Link) im Steidl-Verlag Göttingen und der großen Retrospektive in der Fondation Henri Cartier-Bresson, Paris 2008, Katalog: Saul Leiter (Affiliate-Link) sind Leiters Arbeiten nun auch in Europa angekommen. fokussiert.com hat schon einmal kurz auf Leiter hingewiesen: Frühe Farbe, verrücktes Leben.

Saul Leiter über sich selbst: “Unbeachtet zu sein ist ein großes Privileg. Eine viel beachtete Persönlichkeit zu sein hat mit viel Mühe und Anstrengung zu tun. Oft ist es das nicht wert.”

Saul Leiter
Bis 5. Dezember
Galerie f5,6, Ludwigstraße 7 (Odeonsplatz), D-80539 München
+49 (0)89 28 67 51 67, info@f56.net
Geöffnet Dienstag bis Freitag 12 – 18 Uhr, Samstag 12 – 17 Uhr

Galerie f5,6
Saul Leiter bei Wiki (englisch)

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1 Kommentar

  1. Johannes
    schrieb am 24. Oktober 2009 um 12:42 Uhr (#)

    Wunderbare Fotografien… Man kann nicht aufhören, sie zu betrachten. Vielen Dank für das Porträt!

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