Stilleben im Nebelwald:
Glühende Linien

Nebel, Regen oder Wind muss man zwar auf der Fotopirsch ertragen können, sie bieten aber häufig sehr ungewohnte und spannende Motive.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Antje H).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Antje H).

© Antje H – Nikon D40 – 1/80s – f/5 – ISO 200 – 38mm (52mm)

Kommentar des Fotografen:

Das Bild wurde aufgenommen während einer Wanderung am Rigi. Durch den Nebel an diesen Tag gab es zwar keine gute Aussicht, aber dafür dieses sanftes Leuchten. In der Bearbeitung des Bildes habe ich dieses Leuchten nur ein wenig verstärkt und die Struktur der Bäume im Vordergrund ein wenig aufgehellt, so dass man sie erkennen kann.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Antje H:

Mächtige Tannen im Gegenlicht, das durch Nebelschwaden zwischen den Bäumen wie glühendes Plasma um die senkrechten Stämme streicht und die in leichtem Abwärtswinkel verlaufenden Äste räumlich von den in der Tiefe verschwimmenden nächsten Bäumen abhebt. Eine Schwarz-Weiss-Aufnahme, die auf einen seltenen Lichteffekt und die Mischung mit einem sehr schematischen Linienmotiv baut.

Häufig bieten Tage, an denen wir das Wetter auf den ersten Blick als lausig bezeichnen würden, die reizvollsten Motive: Stadtbewohner im Regen, die Küste in der Gischt eines Sturms oder eben ein Park in watteweichen Nebelschwaden.

Dir ist hier so ein Bild gelungen, das weniger durch einen spektakulären Wettereffekt besticht als durch einen Lichtmoment, den Du sehr schön eingefangen hast: Ich habe selten eine Aufnahme gesehen, die von der Tiefenwirkung des Nebels, der mit jedem Meter Distanz mehr von der Umwelt verhüllt, besseren Gebrauch macht als diese. Zudem sorgt der Wasserdampf für eine Streuung des Gegenlichts, die der ansonsten harten Linienstruktur des Baumgewirrs eine erstaunliche Weichheit verleiht.

Diese Weichheit ist allerdings auch eine Schwäche des Bildes, denn der Fokus scheint mir im mittleren Tiefenbereich und nicht auf den vordersten Bäumen zu liegen, wo wir am meisten Details zu finden suchen.

Bei einer 80stel Sekunde und Blende fünf hattest Du nicht viel Spielraum, um die Blende zu erhöhen – allerdings hätte sich an der ISO-Zahl durchaus noch ein bisschen schrauben lassen. Dabei hätte dann aber die Belichtung etwas stärker auf den dunkleren Partien liegen müssen, denn die von Dir beschriebene Nachbearbeitung mit einer Aufhellung der Stämme im Vordergrund würde das Rauschen ebenfalls verstärken.

Mir ist der Eingriff, um ehrlich zu sein, ein bisschen zu heftig ausgefallen. Denn auch wenn unser Auge deutlich besser mit hohen Kontrasten umgehen kann als der Kamera-Sensor – bei solch glitzerndem Nebel-Gegenlicht wie hier würden wir die Stämme im Vordergrund niemals in dieser Helligkeit sehen. Ausserdem ist ihre Rinde und die schon fast weiss wirkenden Flechten daran nicht überaus wichtig für die mehr von Licht, Kontrast und den grossen Linien der Bäume geprägten Aufnahme.

Ich denke, ein wenig mehr Schwarz bei gleichzeitiger Aufhellung der Spitzlichter würde diese bemerkenswerte Aufnahme durchaus vertragen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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