Loan Nguyen:
Stille Gesten

Die Schweizer Fotografin Loan Nguyen inszeniert vielsagende Bilder, in denen sie meist selbst zu sehen ist und uns in stillen Gesten auf ihre Absichten hinweist.

Loan Nguyen - aus: Mobile

Die Kunsthalle Erfurt zeigt Loan Nguyens Arbeiten unter dem Titel „Stellenweise“ zum ersten Mal in Deutschland. Ihre Bildwelten müssen wir intuitiv begreifen. Sie sind „Work in Progress“, also noch nicht beendet.

Loan Nguyens fotografisches Schaffen besteht im Grunde aus einer einzigen offenen Serie namens „Mobile“, bearbeitet seit 2003. Auch verfolgt sie im Wesentlichen eine Strategie: In nahezu allen Aufnahmen erscheint sie selbst. Dem nicht eingeweihten Betrachter ist sie zunächst eine anonyme Figur – vor einem landschaftlichem oder architektonischem Hintergrund. Mit verhaltenen und stillen Gesten deutet Loan Nguyen auf etwas, macht etwas vor, weist sich über ihre bloße Anwesenheit im Bild eine Stelle in der Welt zu. „Stellenweise“ heißt deshalb vielleicht die Ausstellung. Anlage und Komposition der einzelnen Fotografien sind entschieden malerische.

Loan Nguyen - aus Mobile: Dents de Vesivi, 2007

Ihre Arbeit lässt sich aber auch im Zusammenhang von Themen wie „Heimat“ und „Migration“ interpretieren. Zwar ist Loan Nguyen 1977 in Lausanne geboren, aber ihr Vater kam einst aus Vietnam in die Schweiz. Daraus ist das Projekt, „De-Retour“ entstanden. Es zeigt die Reise ihres Vaters, Schweizer Staatsbürger wie sie, zurück in das Land seiner Kindheit nach 38-jähriger Abwesenheit. Darüber sagte Loan Nguyen selbst:

Während dieser Aufenthalte fotografierte ich Landschaften, Objekte, die Menschen, die wir kennenlernten, und viele Hinweise und Zeichen, die uns mit diesem Land verbinden. Ich fotografierte meinen Vater, wie er vertraute, aber vergessene Orte wiederentdeckte, alte Freunde wiedertraf, deren Gesichter sich genauso verändert hatten wie das Land selbst.

Loan Nguyen - aus Metéo: Marrée haute, 2009

Für die Erfurter Ausstellung hat die Loan Nguyen außerdem eine Werkgruppe mit dem Arbeitstitel „Weather“ oder im französischen Original „Metéo“ produziert. Diese zeigt bewusst-naive Bemühungen Loan Nguyens, auf das Wetter (und den Klimawandel) Einfluss zu nehmen. Natürlich müssen derartige Versuche absurd wirken. Doch vermitteln die Bilder kein trotziges „Dennoch“, sondern eher den kindlich-vorsichtigen, ungläubigen Glauben an Wunder. Wir können uns alle diese Arbeiten auf Loan Nguyens Website anschauen.

Loan Nguyen – Stellenweise
Bis 29. November
Kunsthalle Erfurt im Haus zum Roten Ochsen, Fischmarkt 7, D-99084 Erfurt
+49 (0)361 655 566-0, kunsthalle@erfurt.de
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 – 18 Uhr, Donnerstag 11 – 22 Uhr

Loan Nguyen
Kunsthalle Erfurt

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