Kinderspielplatz:
Reduktion mit Story

Die Reduktion auf wenige Elemente kann einer Fotografie mehr Ausdruck verleihen als eine vollgepackte Komposition.

Kein Kommentar der Fotografin.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Larissa Seuferle:

Ein Hand-Karussell auf einem Kinderspielplatz in knalligen Farben, angeschnitten am linken Bildrand. Der Hintergrund des einfachen Bildes verliert sich im stockdunklen Gebüsch am Rande des Spielplatzes.

Die Aufnahme könnte das Titelbild zu einem Krimi rund um Kindesentführung oder noch Schlimmeres sein. Das bunte, auf seine Farben reduzierte Spielgerät wird zum Widerspruch im Bild, dessen Leere unangenehm wirkt und die Schwärze im Hintergrund zur Bedrohung macht: Unbeschwertheit scheint hier im Angesicht von Gefahr zu liegen.

Die Komposition finde ich gut gelungen, abgesehen von einem Detail (siehe unten), die gesamte Technik passt zur Bildaussage. Mir fehlen allerdings erstens die Angaben zur Kamera – könnte es sein, dass es sich um eine Handy-Kamera handelt? – und es wäre auch schön, mehr von Deiner Absicht und den Umständen der Aufnahme zu erfahren. Dazu dient das Kommentarfeld beim Upload-Formular, und auch wenn Kunst für sich selber sprechen soll: Wenn wir eine Kritik mit Aussagen zu den Absichten und der Umsetzung der Fotografen machen sollen, müssen wir ein bisschen etwas über deren Arbeit erfahren.

Diese Aufnahme ist insgesamt geprägt von der Reduktion. Dabei gefällt, dass sie sowohl als reiner grafischer Blickfang mit dem bunten Halbkreis und der roten Mittelsäule funktioniert, als sie auch einer etwas längeren Betrachtung standhält – nicht so sehr durch das, was sie erzählt, als durch das, was sie eben nicht erzählt und an Spielraum für Spekulation frei lässt.

Das Detail, das mich doch ziemlich stört, ist die stürzende Linie der Karussell-Mittelsäule. Dieser starke Winkel bis direkt an den Bildrand (mit dem, auch das noch ein Detail, in meinen Augen völlig überflüssigen Verlaufs-Rahmen) wäre bei der Aufnahme selber nicht zu vermeiden, aber zu vermindern gewesen, und in der digitalen Dunkelkammer hatte sich das Bild hier so gerade rücken und entzerren lassen, dass sie parallel zum Bildrand verliefe.

Es ist wohl nicht verletzend wenn ich sage, dass diese Fotografie kein grosses Kunstwerk ist, aber ein gutes Auge beweist und eine Geschichte entstehen lässt. Und damit ist sie mindestens ein kleines Kunstwerk.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

Mehr lesen

Sportfoto: Die Action im Hintergrund

2.2.2012, 1 KommentareSportfoto:
Die Action im Hintergrund

Bei Spiel und Sport muss der Fokus des Fotografen nicht immer genau dort sein, wo die Action ist - aber das Motiv muss etwas interessantes zeigen.

Schnappschuss: Dorftratsch mit Blick in die Zukunft

19.1.2012, 10 KommentareSchnappschuss:
Dorftratsch mit Blick in die Zukunft

Mit gezielter Fotografie oder Bearbeitung kann man einem Bild ein bestimmte Aussage mitgeben. Nur stimmt diese immer?

Dokumentation: Dramatisierte Queen

12.5.2011, 0 KommentareDokumentation:
Dramatisierte Queen

Um die schiere Grösse von Objekten zu dokumentieren, ist ein klarer Masstab nötig - und ein Normal- oder Weitwinkelobjektiv auf grosse Distanz eine unglückliche Wahl.

Beatrice Apel/Renate Niebler: Konzentrationslager Flossenbürg

13.9.2011, 0 KommentareBeatrice Apel/Renate Niebler:
Konzentrationslager Flossenbürg

Das Konzentrationslager Flossenbürg: Die beiden Fotografinnen Beatrice Apel und Renate Niebler zeigen uns den Ort des Schreckens und die Überlebenden, so wie sie "im Hier und Jetzt" sind.

Streetfoto: Erinnerung an alte Zeiten

24.6.2011, 1 KommentareStreetfoto:
Erinnerung an alte Zeiten

Fotografien können uns an längst vergangene Zeiten erinnern. Bei dieser Aufnahme versucht Antje Kessler die Bildstimmung des 19. Jahrhunderts zu zeigen, was ihr auch ganz gut gelingt.

Thomas Hoepker: Verflossene DDR

10.6.2011, 0 KommentareThomas Hoepker:
Verflossene DDR

Mit Magnum-Fotograf Thomas Hoepker blicken wir zurück die deutsche Geschichte: in Ansichten aus der verflossenen DDR.

4.5.2009, 3 KommentareAfter-Hour-Panorama:
Handy-Fotografie

Es bedarf keiner High-Tech-Kamera, um gelungene Motive einzufangen.

Gegenlichtporträt: Lola mit den Luftballons

17.11.2011, 10 KommentareGegenlichtporträt:
Lola mit den Luftballons

Kinder mit bunten Luftballons sind meist wegen der vielen knalligen Farben ein sehenswertes Fotomotiv. Aber auch in Schwarz-Weiß kann man der Szene etwas abgewinnen, indem zum Beispiel der Größenkontrast genutzt wird.

Kinderporträt in Schwarzweiß: Den besonderen Augenblick abwarten

23.9.2011, 3 KommentareKinderporträt in Schwarzweiß:
Den besonderen Augenblick abwarten

Warten lohnt sich, insbesondere bei vielfotografierten Motiven. Dann bekommt man oft ein Motiv geboten, das sich von Gewöhnlichen, das man schon hundertmal so gesehen hat, abhebt.

Kinderporträt: Das grosse Staunen

9.9.2011, 3 KommentareKinderporträt:
Das grosse Staunen

An Menschen faszinieren uns die Augen - und wenn sie glänzen und leuchten, ist ein gutes Bild schon fast passiert.

Autostilleben: Angedeutete Formen

12.1.2012, 3 KommentareAutostilleben:
Angedeutete Formen

Schwarz-Weiss-Fotografie wirkt besonders durch Linien, Licht und Formen. Das geht gut zusammen mit Autos und anderen Designobjekten.

Konzeptfoto: Blickfang im Feld

2.8.2011, 1 KommentareKonzeptfoto:
Blickfang im Feld

Dieses Bild hat einige Zutaten für ein gutes Foto: Ein blickwürdiges, etwas ungewöhnliches Motiv, eine passend eingesetzte Tiefenschärfe und eine Reduktion der Farben.

Minimalistisches Landschaftsfoto: Reduktion verlangt Perfektion

17.6.2011, 4 KommentareMinimalistisches Landschaftsfoto:
Reduktion verlangt Perfektion

Minimalistische Kompositionen können extrem effektiv sein, verlangen aber auch besondere Liebe zum Detail. Weil der Betrachter durch nichts abgelenkt wird, fallen Mängel eher auf.

1 Kommentar

  1. RudiRalala
    schrieb am 29. Oktober 2009 um 14:15 Uhr (#)

    Reizvoller Ausschnitt, das ist immer wieder erstaunlich wie ein Bild durch Weglassen gewinnt. Ein halbes Karussell oder Fahrrad ist interessanter als ein ganzes, das ist schon komisch.

    Mich stören konkret die knalligen Farben. Das Blau ist so hoch gedreht, dass sogar der Boden stichig wird.

    Vielleicht habe ich in letzter Zeit auch zuviel Flickr geguckt, ich kann knallige Farben und unnatürlich dramatischen Weltuntergänge am Himmel bald nicht mehr sehen, von den vielen sogenannten HDRs ganz zu schweigen. Überall “ist Ketchup dran”, das wird dann irgendwann so fade dass man sich nach der einfachen Kost der 70er wieder zurücksehnt, auch wenn damalige Bilder vergleichsweise reichlich flau sind aus heutiger Sicht.

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.