Kinderspielplatz:
Reduktion mit Story

Peter Sennhauser, 29. Oktober 2009 11:03 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Die Reduktion auf wenige Elemente kann einer Fotografie mehr Ausdruck verleihen als eine vollgepackte Komposition.

Kein Kommentar der Fotografin.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Larissa Seuferle:

Ein Hand-Karussell auf einem Kinderspielplatz in knalligen Farben, angeschnitten am linken Bildrand. Der Hintergrund des einfachen Bildes verliert sich im stockdunklen Gebüsch am Rande des Spielplatzes.

Die Aufnahme könnte das Titelbild zu einem Krimi rund um Kindesentführung oder noch Schlimmeres sein. Das bunte, auf seine Farben reduzierte Spielgerät wird zum Widerspruch im Bild, dessen Leere unangenehm wirkt und die Schwärze im Hintergrund zur Bedrohung macht: Unbeschwertheit scheint hier im Angesicht von Gefahr zu liegen.

Die Komposition finde ich gut gelungen, abgesehen von einem Detail (siehe unten), die gesamte Technik passt zur Bildaussage. Mir fehlen allerdings erstens die Angaben zur Kamera – könnte es sein, dass es sich um eine Handy-Kamera handelt? – und es wäre auch schön, mehr von Deiner Absicht und den Umständen der Aufnahme zu erfahren. Dazu dient das Kommentarfeld beim Upload-Formular, und auch wenn Kunst für sich selber sprechen soll: Wenn wir eine Kritik mit Aussagen zu den Absichten und der Umsetzung der Fotografen machen sollen, müssen wir ein bisschen etwas über deren Arbeit erfahren.

Diese Aufnahme ist insgesamt geprägt von der Reduktion. Dabei gefällt, dass sie sowohl als reiner grafischer Blickfang mit dem bunten Halbkreis und der roten Mittelsäule funktioniert, als sie auch einer etwas längeren Betrachtung standhält – nicht so sehr durch das, was sie erzählt, als durch das, was sie eben nicht erzählt und an Spielraum für Spekulation frei lässt.

Das Detail, das mich doch ziemlich stört, ist die stürzende Linie der Karussell-Mittelsäule. Dieser starke Winkel bis direkt an den Bildrand (mit dem, auch das noch ein Detail, in meinen Augen völlig überflüssigen Verlaufs-Rahmen) wäre bei der Aufnahme selber nicht zu vermeiden, aber zu vermindern gewesen, und in der digitalen Dunkelkammer hatte sich das Bild hier so gerade rücken und entzerren lassen, dass sie parallel zum Bildrand verliefe.

Es ist wohl nicht verletzend wenn ich sage, dass diese Fotografie kein grosses Kunstwerk ist, aber ein gutes Auge beweist und eine Geschichte entstehen lässt. Und damit ist sie mindestens ein kleines Kunstwerk.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. RudiRalala
    schrieb am 29. Oktober 2009 um 14:15 Uhr (#)

    Reizvoller Ausschnitt, das ist immer wieder erstaunlich wie ein Bild durch Weglassen gewinnt. Ein halbes Karussell oder Fahrrad ist interessanter als ein ganzes, das ist schon komisch.

    Mich stören konkret die knalligen Farben. Das Blau ist so hoch gedreht, dass sogar der Boden stichig wird.

    Vielleicht habe ich in letzter Zeit auch zuviel Flickr geguckt, ich kann knallige Farben und unnatürlich dramatischen Weltuntergänge am Himmel bald nicht mehr sehen, von den vielen sogenannten HDRs ganz zu schweigen. Überall “ist Ketchup dran”, das wird dann irgendwann so fade dass man sich nach der einfachen Kost der 70er wieder zurücksehnt, auch wenn damalige Bilder vergleichsweise reichlich flau sind aus heutiger Sicht.

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