Lampenladen im Bazar:
Buntes Leuchten

Knifflige Frage bei Telefotos mit Offenblende ist die nach dem Fokuspunkt – ganz speziell bei eher abstrakten Motiven.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Kegel Felix).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Kegel Felix).

Kommentar des Fotografen:

Hallo, das Bild entstand im letzten Herbst im großen Bazar von Istanbul. Der ganze Bazar teilt sich in verschiedene Bereiche in denen es dann immer nur eine Sorte von Waren gibt. Unter anderem auch einen mit diesen verzierten Glaslampen. Die abgebildeten habe ich genommen da meiner Meinung nach die Anordnung die Verschieden Muster gut Darstellt und das Licht die linke Lampe gut umspielt.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Kegel Felix:

Zwei von vielen runden Glaslampen in Orange und Gelb, mit leichter Tele-Brennweite in einem Aushang im grossen Bazar von Istanbul fotografiert.

Man muss nicht in Istanbul gewesen sein, um sich bei dieser Fotografie an andere Bilder erinnert zu fühlen – der Bazar und der Lampenmarkt im speziellen sind wunderbare Motive und entsprechend oft fotografiert.

In in diesem Beitrag über eine Panorama-Website findet sich zum Beispiel auch eine 360-Grad-Ansicht aus einem der Lampengeschäfte. Sehenswert!

Du hast Dich für einen Ausschnitt entschieden und dafür, die Lampen mit dem Tele – mit einer mässigen Brennweite von rund 130 Millimetern – zusammenzuziehen.

Das ist eine gestalterische Methode, die sich bei Sammlungen von ähnlichen Dingen, bei Massenveranstaltungen und dergleichen anbietet, um gleichzeitig die grosse Zahl als auch die Individuen in der Ansammlung herauszuarbeiten.

Am besten geht das zudem mit einer verhältnismässig grossen Blende, weil sich ausser dem besonders hervorzuhebenden Individuum die umgebende Masse in Unschärfe tauchen lässt.

Du hast hier zwei der Lampen herausgegriffen. Kompositorisch könnte man daran bemängeln, dass sie das Bild in praktisch zwei gleiche Hälften teilen. In der rechten oberen Ecke hängt ausserdem der Abschluss einer dritten Lampe ins Bild, die noch näher am Betrachter ist. So, wie dieser Lampenteil jetzt ins Bild ragt, trägt er nichts bei, sondern stört eher.

Aber er lässt auch sogleich vermuten, dass diese dritte Lampe teilweise hätte ins Spiel gebracht werden können und zwar so, dass die Tiefe des Raumes noch besser spürbar würde.

Du hast explizit auf das Licht der linken Lampe geachtet, das in der Tat gleichmässiger verteilt ist als das in der rechten. So, wie die linke Lampe jetzt aber im Fokus liegt, wirkt die Unschärfe beliebig und wie zufällig: Das Bild hat keinen Vordergrund, das Hauptmotiv ist der Vordergrund, nämlich die Lampe in der schärfe vorne links.

Ihr fehlt ein Gegengewicht im Bild. Das hättest Du mit einem bewussten Einbezug der beiden andern Lampen – ich rede immer noch von derjenigen rechts vorne oben – beheben können: Mit einem etwas höheren und etwas nach links verschobenen Standpunkt hätte die orange Lampe mehr Raum im Bild erhalten; die gelbe wäre in der Bildtiefe und die dritte, jetzt nicht sichtbare Lampe im Vordergrund in der rechten Bildhälfte in der Unschärfe gelegen.

Diese Komposition würde die Zahl der Lampen (zwei sind ein Paar, drei sind eine ganze Menge…) besser ausdrücken und zugleich das Hauptmotiv in den Schärfebereich zwischen Vorder- und Hintergrund schieben. Das würde dem Bild deutlich mehr Tiefe verleihen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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