Michael Schäfer:
Politikerfotos? Politikerfotos!

Uli Eberhardt, 4. November 2009 08:13 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Diese Politikerfotos aus Zeitungen und Magazinen – sie sind uns sattsam bekannt. Michael Schäfer baut solche Szenen nach und stellt sie so in Frage.

Offizielles Händeschütteln, Auftritte bei Pressekonferenzen, Absprechen hinter Konferenztischen – mit solchen Bildern illustrieren die Zeitungen ihre Berichte zum Beispiel über die jüngsten schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen. Aber wie wahrhaftig sind diese Bilder? Oder: wie hinterhältig?

Michael Schäfer setzte sich schon wiederholt mit den politischen Bildern aus unseren alltäglichen Nachrichten auseinander.

Wir können uns diese Serien auf Michael Schäfers Website anschauen. Er untersucht ihre Konstruktion und das, was sie möglicherweise bei uns auslösen.

Damit stellt er Fragen nach der politischen Macht. Auf Schäfers Bildern sind weder die Bundeskanzlerin Angela Merkel noch andere bekannte Politiker oder Wirtschaftskapitäne in persona zu sehen, auch wenn sie mehr oder weniger deutlich wie Schablonen durchzuschimmern scheinen.

Michael Schäfer nennt seine aktuelle Bildserie “Vorbilder”. Zu sehen sind großformatige Figuren, jeweils zwei Personen in einer dieser typischen symbolischen Handlungen begriffen, die uns aufdringlich bekannt erscheinen.

Weil sie aber aus dem wirklichen Kontext gestellt und die Gesten überdeutlich gezeichnet sind, wird der Betrachter mit einer Ungewissheit konfrontiert.

Michael Schäfer stellt seine Bilder ihren “Vorbildern” nach. Er arbeitet mit namenlosen Statisten, die er so fotografiert, dass sie sich fast deckungsgleich mit diesen Vorbildern verbinden. Dabei lässt er Ecken, Kanten und Fehler zu, so dass der Trick öffentlich und damit der Betrug zum Thema wird.

Die Statisten erscheinen genauer, fast wirklicher als das Bild, das vielleicht ein Pressefotograf an den Schaltstellen der Macht aufgenommen hat. Durch Isolierung, Vergrößerung und mediale Überarbeitung im Sinne einer Collage bekommen die Figuren verallgemeinerbare Züge.

Michael Schäfer, Jahrgang 1964, hat in Dortmund und Leipzig Fotodesign studiert und sein Diplom bei Joachim Brohm abgelegt.

Michael Schäfer – Es wird nie wieder sein wie es einmal war
Bis 13. November
Galerie Hübner & Hübner, Grüneburgweg 71, D-60323 Frankfurt am Main
+49 (0)69-721281, info@galerie-huebner.de
Geöffnet Dienstag bis Freitag 13 – 18:30 Uhr, Samstag 10 – 14 Uhr
3. bis 13. November nur nach telefonischer Vereinbarung

Michael Schäfer
Galerie Hübner & Hübner

Weiterempfehlen

Mehr lesen

Swiss Press Photo 2009: Ist das die neue Bildsprache  im Zeitalter des Bürgerjournalismus?

26.11.2009, 2 KommentareSwiss Press Photo 2009:
Ist das die neue Bildsprache im Zeitalter des Bürgerjournalismus?

Der Schweizer Pressefoto-Preis soll zeigen, dass sich die Bildsprache im Internet-Zeitalter weiter entwickelt. Das gelingt 2009 nur teilweise.

Fotografien aus 24 Stunden: Die Türme wachsen, die Blätter fallen

20.11.2009, 0 KommentareFotografien aus 24 Stunden:
Die Türme wachsen, die Blätter fallen

Herbst in der Stadt. Farben und Stimmungen.

Fotografien aus 24 Stunden: Städte und Meteoriten

19.11.2009, 0 KommentareFotografien aus 24 Stunden:
Städte und Meteoriten

Isolation, Fluchtpunkt und Weitwinkel - noch mehr ungewohnte Perspektiven.

Klaus Staeck: Der entlarvende Blick

10.7.2009, 1 KommentareKlaus Staeck:
Der entlarvende Blick

Klaus Staeck, bekannt mit seinen politisch-satirischen Plakaten und Fotomontagen, zeigt Fotografien aus 30 Jahren.

24 Stunden: Politik am Wochenende

7.6.2009, 0 Kommentare24 Stunden:
Politik am Wochenende

Ein Wochenende voller Wahlen in aller Welt. Und anderer politischer Aktionen.

Jan Banning: Bürokraten dieser Welt

26.11.2008, 0 KommentareJan Banning:
Bürokraten dieser Welt

Jan Banning ist Weltreisender in Sachen Bürokratie - auf allen Kontinenten fotografierte er Staatsdiener und Amtsstuben.

1 Kommentar

  1. Tamara Meier
    schrieb am 6. November 2009 um 17:04 Uhr (#)

    Wirlich ein tolles Foto!

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.