Charakterporträt:
Nachbearbeitung perfektionieren

Auch wenn es ein Klischee ist: ein Porträt, insbesondere in extremer Nahaufnahme, lebt von den Augen. Da das Gesicht der Hauptgegenstand des Bildes ist, sollte dieser auch so in Szene gesetzt werden, daß dem Betrachter etwas geboten wird.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Dierk Topp).

Kommentar des Fotografen:

Nikon D3, Nikor 105/2.8 Micro, Blitz SB800 gegen die Wand, Blitz SB-R200 am Objektiv für das „Augenlicht“, CS2 mit Filter Nik Silver Efex

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Dierk Topp:

Dierk Topps Porträt eines älteren Mannes besticht durch die Art, wie dieser in die Kamera schaut. Offen, natürlich, und schon fast etwas herausfordernd blickt er uns an. Das Gesicht ist gut in Szene gesetzt, die Augen leicht geneigt, so daß Bewegung in das Bild kommt.

Laut Angaben des Fotografen wurde das Foto in Photoshop CS2 mit Nik Silver Efex nachbearbeitet. Allerdings ist mir nicht genau ersichtlich wie:

Es ist wesentlich zu dunkel für meinen Geschmack. Dadurch werden dem Betrachter die doch an sich so sehr interessanten Gesichtszüge des Modells vorenthalten.

Ich gehöre zu den Leuten, die nach und nach davon abgekommen sind, daß Fotos unbedingt so, wie sie aus der Kamera kommen, „gut“ oder „perfekt“ sein müssen. Auch Fotografen mit einer professionellen Studioausrüstung verbringen einen Gutteil ihrer Zeit mit retouchieren. Gott sei Dank ist das nicht mehr so schwierig wie zu den Zeiten von Ansel Adams, welcher Tage im Labor verbracht haben soll, bis seine berühmten Landschaftsaufnahmen einfach makellos waren.

Nik Filter sind ein sehr guter Weg, relativ schnell und non-destruktiv ein Foto nachzubearbeiten, um aus ihm das Beste herauszuholen, was es zu bieten hat. Selbstverständlich kann man auch zuviel des Guten tun – oder, wie hier, zu wenig. Ich habe das Foto in Nik nocheinmal „unters Messer“ genommen, und lediglich den Kontrast nochmals erhöht, dabei auch das Bild aufgehellt. Dann habe ich die Augen selektiv nachbearbeitet.

Nun sieht man die Facetten dieses extrem interessanten Gesichtes besser, man möchte auf ihm verweilen. Ein, mit etwas mehr Nachbearbeitung, meines Erachtens sehr gelungenes Foto.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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10 Antworten
  1. Bernd says:

    @dierk
    Rangefinder == Entfernungsmesser
    dual core == zwei Kerne, zwei Herzen? Da der Prozessor ein amerikanisches Produkt ist, ist English als Produktbezeichnung angemessen.
    non-destruktiv == nicht-destruktiv

    Ist in Deutsch nicht zu verstehen, alle Achtung.
    It is not necessary to answer, because I will delete the page in my directory.
    LG Bessewisser :-) Nette Bezeichnung für Leute mit einer anderen Einstellung.

    Antworten
  2. Sofie Dittmann says:

    @Dierk Deine Maschine ist schneller als meine. Ich habe einen älteren Toshiba – warum, weiß ich mittlerweile auch nicht mehr. Leica M? Das wäre schon was, leider fehlt mir momentan dafür die Kohle. Ist aber interessant, daß Du das schreibst – meine persönlichen Vorbilder sind alles Leute, die (analog) mit Leicas fotografiert haben, und (das geht jetzt an die Englisch-Fans da draußen): „branding worked for me…“ Ich mußte unbedingt auch irgendwann eine haben. mmmhhh Wenn Du einen Tip hast, wie man quasi umsonst an eine M8 oder M9 herankommen könnte, laß es mich wissen… hahaha Ich besitze leider nur eine kleine v-Lux, was Leicas betrifft.

    Was das Foto angeht: atemberaubend. Vielen Dank für den Link. Ist das Dein Sohn oder so? Wir sollten mal Drucke austauschen.

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  3. dierk says:

    Hallo Sofie,
    seit ich Lightroom 2 benutze, brauche ich CS2 kaum noch.
    Ich habe Nik Silver Efex separat installiert, nicht Nik Complete (da wird vielleicht immer alles gestartet?).

    Ich habe mal die Ladezeiten für Nik Silver Efex aus LR getestet (für TIF mit 16 bit):
    aus einer Nikon NEF RAW Datei: 15 Sekunden (damit kann ich gut leben:-)
    aus einer TIF in LR sind es nur 8 Sekunden!

    Mein System: AMD 5,4 GHz dual core (für Bernd: mit zwei Herzen:-)), 4 GB RAM

    Deine Bilder sehen für mich sehr nach Leica M aus? (ist die M9 schon bestellt:-)

    und hier ist ein Bild extra für dich :-)

    viele Grüsse
    dierk

    Antworten
  4. Sofie Dittmann says:

    @Dierk Nicht destruktiv heißt bloß, daß in Photoshop eine neue Lage mit dem Nik-Effekt angelegt wird, wohingegen bei Filtern der Filtergalerie die Lage, auf die sie angewendet werden, verändert wird. Macht Sinn? In Lightroom gefällt mit genau das nicht: wenn ich mit Nik Complete ein Foto verändern will, braucht mein Computer erstmal Stunden, um eben jene Datei zu erstellen, anstatt mir sofort die gleiche Benutzeroberfläche zu bieten, wie in Photoshop.

    @Bernd Erstens habe ich die deutsche Sprache nicht mit englischen Ausdrücken versetzt (das geht schon seit Jahren auch auf dem Gebiet der Fotografie so), zweitens bin ich selbiger durchaus mächtig, und drittens diskutieren wir hier Fotos, und nicht Sprachwissenschaft.

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  5. dierk says:

    Hallo Sofie,
    bei Photoshop habe ich nicht festgestellt, das Silver Efex ’non destructive‘ ist. Es legt lediglich eine neue Ebene mit dem Silver Bild an? Wenn ich Silver Efex direkt aus Lightroom aufrufe, wird eine neue Bilddatei angelegt.
    Gibt es da einen Trick bezüglich non detructive?

    Da sich die Besucher hier sicher für Porträts interessieren:

    ich habe mal das Nikon 85/2.8 PC (shift/tilt) benutzt und durch die tilt Einstellung erreicht, dass beide Augen hintereinander scharf sind und die Nase dazwischen nicht :-)) sieht irgendwie ungewohnt aus.
    hier ist dasBild:
    http://www.pbase.com/dierk/image/96517303

    Hallo Bernd,
    in der Bildbearbeitung ist das der gebräuchliche Ausdruck dafür. Auf Deutsch würde ihn wohl kaum einer verstehen.
    Ausserdem: wenn Besserwisser

    um sich prügeln

    , macht das auch keinen so guten Eindruck :-)

    viele Grüsse
    dierk

    Antworten
  6. Bernd says:

    Ich finde das erste Foto besser, die Dunkelheit passt besser zu den fortschreitenden Lebensjahren und richten die Betonung voll auf die Augen. Es passt zum Stil alter holländischer Maler.
    @Sofie, In Deutschland sollte man sich der deutschen Sprache bedienen, wenn sie passende Wörter bereitstellt und nicht mit einem perfektionierten Denglish um sich prügeln.
    Gruß Bernd

    Antworten
  7. Sofie Dittmann says:

    @dierk Ja, meine Version war zugegebenermaßen nicht besonders ausgewogen, „down and dirty“ sozusagen. Sollte ja auch nur zu Anschauungszwecken dienen. Ich stehe aber dennoch dazu, daß das Bild durch eine ausgewogenere tonale Werteverteilung, will sagen, Aufhellung mit etwas mehr Kontrasten, noch gewonnen hätte.

    War grade auf Deiner Webseite – tolle Porträts sind da dabei. Hut ab! Ich persönlich mag solche Closeups auch gerne. Du hast auch einige andere in der Serie, die ebenfalls eher Low Key sind – aber nicht insgesamt so (wie nanntest Du das – matschig?) dunkel. Was, außer der Belichtung beim Fotografieren etc., hat bei diesen dann Deines Erachtens besser geklappt in Lightroom? Digital schwarzweiß gute Kontraste hinzubekommen ist eine Kunst. Ich selbst habe schon mit allen möglichen Methoden experimentiert, aber es scheint keine „One Size Fits All“ Methode zu geben.

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  8. dierk says:

    Hallo Sofie und Rudi,
    vielen Dank für die Kommentare.

    Ich stimme zu, das Bild ist zu dunkel. Bei mir liegt es zwischen meinem und dem von dir bearbeiteten.

    Es ist ein Problem mit Lightroom, dass ich noch nicht gelöst habe. Die exportierten JPGs sehen immer sehr flau und „matschig“ aus :-( Bei diesem Bild habe ich wohl nicht darauf geachtet, es nach dem Export noch einmal zu prüfen.
    Bei der Bearbeitung von Sofie finde ich jedoch die hellen Stellen zu hell bzw. überstrahlt, aber es lässt sich aus dem JPG wohl nachträglich nicht mehr machen.

    Hier ist eine Version in meiner Porträtserie bei pbase, die meinem Geschmack sehr nahe kommt (leider im gleichen Fenster):
    http://www.pbase.com/dierk/image/105821227/original.jpg
    hier sind weitere aus der Serie

    viele Grüsse
    dierk

    Antworten
  9. RudiRalala says:

    Geschmacksache.

    Die „Dunkelvariante“ gibt der Aufnahme etwas Hintersinniges und Geheimnisvolles. Technisch ist die 2. Variante klar besser, nicht so flau, aber auch etwas gewöhnlicher und normaler. Der Zauber, der besondere Reiz ist weg. Der Blick des Betrachters wandert zur hellen Stirnpartie oder zur stärker betonten Nase weg von den Augen.

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