Mondlandschafts-Fotografie:
Grönland im Überflug

Peter Sennhauser, 6. November 2009 11:11 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Auch aus dem Ferienflieger lassen sich durchaus spannende Fotografien machen. Was dabei an Sorgfalt beim Auslösen fehlen muss, muss im digitalen Labor nachgeholt werden.

Kommentar des Fotografen:

Auf dem Flug von Frankfurt nach Chicago hatte ich rechtzeitig einen Fensterplatz reserviert um ein paar Luftaufnahmen machen zu können. Leider saß ich direkt hinter dem Flügel, sodass ein Teil der Sicht verdeckt war. Beim Überfliegen von Grönland konnte ich dann doch einige Bilder machen. Diese karge, menschenfeindliche und vermeintlich unberührte Landschaft hat mich beeindruckt. Mit den Reglern in Lightroom habe ich die Farbe aus diesem Bild gezogen und die Kontraste erhöht, um die Wirkung zu erhöhen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Jakob Adler:

Eine Landschaft auf Felsklötzen in einer Schneeebene – oder sind es Bergspitzen in einem gigantischen Nebelmeer?

Die Fotografie scheint eine tief verschneite Ebene zu zeigen, aus der im Vordergrund unten links einige Felsklippen aufragen und ab der Bildmitte bis zum Horizont, wo Wolken und Gebirge in einem dunklen Grau ineinander übergehen, eine mächtiger werdende Gebirgskette.

Bisweilen lohnt es sich auch im Charter- oder sonstigen Urlaubsflieger, die Kamera aus dem Handgepäck zu holen und sich mit der Landschaft zu befassen, die zehn Kilometer weiter unten vorbei fliegt – ich habe zu Ferien-Flugaufnahmen hier schon einmal was geschrieben.

Grossartige Kunst wird dabei eher selten entstehen und wenn, dann eher aus Zufall. Aber spannende, ungewohnte und manchmal auch verhältnismässig spektakuläre Fotos können durchaus gelingen.

Dir ist hier eine solche Aufnahme geglückt, denn die Landschaft kommt kaum jemandem bekannt oder gar vertraut vor, der Himmel und der Horizont sind verwachsen und das ganze Bild hat etwas Ausserirdisches.

Es macht wenig Sinn, bei einer Aufnahme über Komposition zu reden, die durch das winzige Fenster eines Passagierflugzeugs aufgenommen wurde, aus dem kaum vernünftig geknipst, geschweige denn irgendwas bewusst gestaltet werden kann.

Das muss demnach alles nachträglich mit dem angestellt werden, was halt grade so durch die Guckluke hindurch auf den Sensor gebannt werden konnte. Du sagst, Du habest in Lightroom mit den Reglern dem Bild die Farbe entzogen, was man durchaus tun kann, für eine Schwarz-Weiss-Aufnahme allerdings besser die dedizierte Funktion verwendet, weil sie aus den drei Farbkanälen ein “korrektes” S/W-Bild berechnet.

Du sagst auch, Du habest den Kontrast erhöht, und davon kann ich nun gar nichts feststellen, im Gegenteil: In deiner Version gibt es weder Weiss noch Schwarz, es spielt sich praktisch alles zwischen dunkelgrau und weniger dunklem Grau ab.

Am besten lässt sich der Kontrast in den Tonwertkurven erhöhen, indem Du mit einem leichten “S” die dunklen Bildwerte noch dunkler und die hellen Bildwerte heller machst. Das habe ich in diesem Beispiel, ebenfalls in Lightroom, gemacht, ausserdem den Schwarzwert und die “Klarheit” erhöht und mit einem Verlauf im obersten Drittel des Bildes die Verdunkelung via Senkung der Belichtungswerte um einen halben EV eingeführt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Oliver Grüttner
    schrieb am 14. November 2009 um 10:47 Uhr (#)

    Auf mich wirkt dieses Bild einzig durch die sehr fremdartige Anmutung, die auch durch den geringen Kontrast geschaffen wird. Das in der Kritik genannte Wort “außerirdisch” beschreibt den Eindruck sehr gut. Durch die Erhöhung des Kontrastes verliert das Bild seine fremdartige Wirkung zumindest teilweise. An der kontrastreichen Variante gefallen mir die besser sichtbaren Strukuren im Schnee.
    Um diese herausarbeiten, ohne den Gesamteindruck wesentlich zu verändern, könnte man das Bild in der unteren Hälfte mit dem USM-Filter mit sehr großem Radius schwach schärfen.

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