Nick Brandt:
Ostafrikas Tiere

Uli Eberhardt, 8. November 2009 11:29 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Nick Brandts Fotos aus der Tierwelt Ostafrikas wirken unwahrscheinlich, sind aber ganz wirklich. Brandt setzt den Mythos Ostafrika in Szene.

Wer hat die Giraffen vor dem dramatischen Himmel so perfekt aufgestellt, fragt man sich unwillkürlich. Und denkt an die Möglichkeiten von Photoshop. Aber Nick Brandt fotografiert die Tiere Ostafrikas tatsächlich vor Ort und analog auf Film dazu.

Nick Brandt, 1966 in London geboren, studierte ursprünglich Malerei und Film. Mit der Regie von Videoclips begann seine Laufbahn. Mitte der Neunzigerjahre führte er für Michael Jackson Regie – für das Video des “Earth Songs”. Der Clip brachte Brandt nicht nur eine Grammy-Nominierung ein, sondern führte ihn zu den Dreharbeiten auch nach Ostafrika. Das war der Beginn einer neuer Leidenschaft für die Tiere und die Landschaften des schwarzen Kontinents.

“Die Tiere und Landschaften Ostafrikas haben sie etwas Mythisches an sich”, sagte Nick Brandt der Zeitschrift Schwarzweiss.

Und: ” Die Tiere sind ikonisch. Seit Jahren versuche ich, meine visuelle Kreativität mit meiner Tierliebe zu verschmelzen.

Als ich nach Afrika reiste und diese Tiere sah, wurde mir bewusst, dass man sie auf eine Weise fotografieren kann, auf die es noch kein anderer Fotograf getan hat.”

Nick Brandt, der in Kalifornien lebt, verzichtet auf Teleobjektive und versucht, möglichst nahe an die Tiere heranzukommen.

“Ich versuche, die Tiere so, wie sie sind – ihre Persönlichkeit, ihre Seele – einzufangen und sie genau so zu fotografieren, wie ich es bei Menschen tun würde, und das macht man auch nicht aus großer Distanz mit einem Teleobjektiv”, so Brandt zu Schwarzweiss.

So sind Nick Brandts Tierbildnisse von einer Emphatie geprägt, wie man sie üblicherweise von menschlichen Porträtaufnahmen kennt. Ruhe und Respekt und eine vorsichtige Annäherung prägen seine Arbeitsweise: “Oft hilft dabei nur eins; warten, warten, warten”, sagte er. Ganz ungefährlich ist diese Arbeit auch nicht.

Brandt fotografiert ausschließlich auf Schwarzweiss-Film mit Mittelformatkamera. Die Bilder entstehen meist bei bewölktem Himmel – dann ist das Licht sanfter, die Schatten werden nicht so hart und die Konturen weicher. Die Negative scannt er ein und bearbeitet die Bilder in der digitalen Dunkelkammer. Er druckt seine Bilder auf Büttenpapier aus.

Die aktuelle Ausstellung in der Berliner Galerie Camera Work zeigt eine ganze Reihe von neu entstandenen Bildern: neben einem Panorama einer mächtigen Elefantenkarawane, die durch die afrikanische Savanne zieht, kolossalen Nashörnern und stolzen Löwen zum Beispiel auch eindringliche Porträts von Gorillas. “A Shadow falls” heißt die Ausstellung und auch das neue Buch dazu. Wir können uns diese Bilder auf Nick Brandts Website anschauen.

Die ersten Abbildungen im neuen Buch mit dem deutschen Titel Schatten über der Wildnis (Affiliate-Link) zeigen eine fruchtbare grüne Welt – bevölkert von einer Vielfalt von Tieren.

Als Gegensatz dazu zeigt die letzte Aufnahme eine kleine Gruppe entkräfteter Geschöpfe, die durch eine ausgetrocknete, staubige Welt zieht. Nick Brandt porträtiert ein mystisches Afrika, das gegen unerbittliche Gewalten ankämpft. Die Trauer über ein zunehmendes Verschwinden dieser Tierwelten prägen Nick Brandts Blick darauf.

Nick Brandt – A Shadow Falls
Bis 16. Januar 2010
Galerie Camera Work, Kantstraße 149, D-10623 Berlin
Tel: +49 30 31 00 77 – 3, info@camerawork.de
Geöffnet Dienstag bis Samstag 11 – 18 Uhr

Nick Brandt
Galerie Camera Work

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2 Kommentare

  1. Frank Bäume
    schrieb am 11. November 2009 um 13:22 Uhr (#)

    Ich habe die Serie mit Freude betrachtet. Sie gehört für mich zu einer der Arbeiten, welche man nach geraumer Zeit sehr gerne wieder anschaut und sich seiner positiven Einstellung der Arbeit, als auch dem Photografen, gegenüber bestätigt sieht.

    Ich wünsche von Herzen viel Erfolg mit diesem Buch.
    LG
    Frank B.

  2. Andreas Jason
    schrieb am 18. November 2009 um 21:58 Uhr (#)

    Diese Seite habe ich eigentlich besucht um ein Referat über Nick Brand zu verfassen…
    Nach all dem, was ich nun über ihn gelesen und von ihm gesehen habe kann ich sagen, dass er mich mit seiner Arbeit und seiner Einstellung schwer beeindruckt hat.

    Beste Grüße,

    A.J.

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