Papierflieger-Spiegelbild:
Abstrakte Kommunikation

Douglas Abuelo, 9. November 2009 11:03 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Leichte Abstraktion kann so gut wie jedes noch so unscheinbare Objekt in eine Darstellung von etwas Bedeutsamem und sogar Aufwühlendem verwandeln.

Kommentar des Fotografen:

Die Idee war es, eine nicht mehr vorhandene Grenze zwischen Realität und Spiegelwelt zu schaffen. Mit Schwarz-Weiss habe ich versucht durch die farbliche Reduktion den Blick nochmal auf das wesentliche zu lenken.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Christoph Hellmuth:

Dies ist eine Art Foto, das mich nun schon eine ganze Weile mehr interessiert, als ich je für möglich gehalten hätte. Obwohl es wegen seiner Einfachheit und Thematik zunächst dumpf wirken mag, gibt es jedoch noch sehr viel mehr zu bedenken:

Das Thema sind ein paar einfache Papierflugzeuge, Kinderspielzeug sozusagen. Indem der Fotograf uns jedoch eine gelungene visuelle Interpretation der Flugzeuge liefert, legt er uns eine Reihe von möglichen Auslegungen ihrer Symbolik nahe.

Selbst im Zeitalter der Skeptiker wird Spielzeug als ein Symbol spielender Kinder, vielleicht sogar einer unbekümmerten Welt, verstanden.

Da es sich hier jedoch um Flugzeuge handelt, die auch noch auf eine solch fragende und irgendwie bestimmte Weise im Bild platziert sind, werden wir gezwungen, über die negativen Seiten des Fliegens nachzudenken: Abstürze, Bomben, Krieg.

Was auch immer der Einzelne hier sehen mag, es ist die leichte Abstraktion in diesem Bild, die es provozierend und damit bemerkenswert macht. Die Abstraktion rührt von den weichen Grautönen, dem weichen Fokus, sowie von der Kompositionsstruktur der Schatten und Linien her.

Die Nahaufnahme tut ihr übriges. Das Bildrauschen, das durch das Verwenden eines höheren ISO-Wertes entsteht, erinnert an die Körnung von Negativen, was dem Bild eine organische, historische Stimmung verleiht, die bei digitaler Fotografie oft verloren geht. Die abstrakte Darstellung in diesem Foto macht es sowohl dauerhaft als auch vergänglich.

Um mit Picassos Worten zu umschreiben: man sollte nicht das fotografieren, was man sieht, sondern was man denkt. In diesem Fall hat der Fotograf seine Gedanken sehr gut umgesetzt.

Jetzt, wo der Fotograf ein so einfaches und dennoch faszinierendes Bild geschaffen hat, könnte er überlegen, es Teil einer größeren Serie oder eines Projekts werden zu lassen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. Christoph Hellmuth
    schrieb am 10. November 2009 um 02:44 Uhr (#)

    Ich bedanke mich herzlich für die Kritik.
    Sie hat mir sehr viel Motivation gegeben, eine Bildserie zu dieser Thematik zu erstellen.
    Ich hoffe diese bis zum Ende des Monats fertiggestellt zu haben.
    Das Ergebnis würde ich Ihnen gerne per Mail zusenden.
    Vielleicht könnte man die Serie auch auf fokussiert.com vorstellen, es würde mich sehr freuen :)

    Mit freundlichen Grüßen
    Christoph Hellmuth (19)

  2. Douglas
    schrieb am 3. Januar 2010 um 23:40 Uhr (#)

    Hallo Christoph,

    tut mir Leid, dass ich mich nicht früher gemeldet habe. Schön zu hören, dass die Kritik dich so konstruktiv angeregt hat. Ich würde mich freuen, deine Fotoserie anschauen zu können.
    Frohes Neues.

    Douglas

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