Strandfotos:
Kontrastsuche und Serien

Gelegentlich wirkt ein Einzelbild allein nur halb so gut, wie es in einer Serie wirken kann. Wenn inhaltliche oder grafische Kontraste sich nicht in ein Bild kombinieren lassen, bietet sich die Kombination in mehreren Kompositionen an.

Kommentar des Fotografen:

Ein Leuchtturm in Holland. Farbliche Nachbearbeitung mit Lightroom. Es war ein wunderschöner Sonnenuntergang am Meer.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Christian Loose:

Ein Strand mit den typischen Sandriffeln erstrahlt rotgolden in der untergehenden Sonne, die im obersten Bildrand noch zu sehen ist. Im linken oberen Bilddrittel ist ein Leuchtturm zu sehen, nach rechts ins Meer hinaus laufen zwei Reihen von Holzpflöcken.

Eine mutige Fotografie, nicht nur, weil sie direkt in die untergehende Sonne aufgenommen wurde, sondern auch, weil sie zu allergrössten Teilen aus den Schattenspielen in den Sandwellen besteht, die in Diagonalen von rechts unten nach links oben verlaufen.

Ihnen entlang gleitet der Blick nach oben links zum Leuchtturm und dann hinaus ins Meer zu den Pflockreihen, die dem Bild plötzlich eine andere Richtung – horizontal, aber auch vertikal – verleihen.

Gut gelungen ist die Reduktion auf die Silhouette: Bei Aufnahmen direkt in die Sonne lohnt es sich, gar nicht erst zu versuchen, Zeichnung in die Schattenseiten der Motive zu kriegen, sondern sie vielmehr als Schattenrisse zu nutzen. Die Linienführung wird dadurch verstärkt, hier funktioniert sie sehr gut, und obwohl die Sonne noch im Bild ist, wird das Auge im Zickzack an ihr vorbei geführt und erreicht andere Blickpunkte.

Das Bild ist mir aber in der Auswahl nicht zuletzt deswegen aufgefallen, weil Du ein zweites vom gleichen Strand eingereicht hast – eine Telefaufnahme der beiden Pflockreihen, die ebenfalls in die untergehende Sonne hinein fotografiert wurden und ein starkes Spiel mit den Linie und Schatten bieten. Es steht im Gegensatz zu den welligen, organisch wirkenden Sand-Diagonalen in der Vertikalen und bietet damit einen starken Kontrast zu diesem Bild.

Auch wenn es hier vielleicht sogar möglich gewesen wäre, die beiden Eindrücke in einem einzigen Bild zu kombinieren – indem Du näher an die Pflockreihen herangegangen wärst und versucht hättest, die Vertikalen etwas über der Bildmitte so prominent wie die Diagonalen im Sand zu positionieren (und dabei auf den Leuchtturm verzichtet hättest, den das Bild ohnehin nicht unbedingt braucht):

Nebeneinander wirken die beiden Aufnahmen jedenfalls. In solchen Fällen kann es auch sinnvoll sein, statt der Kombination beider Ausschnitte in einem Bild die radikale Separierung und Reduktion zu suchen und die Bilder ganz bewusst auseinander zu nehmen, um sie als Serie wirken zu lassen.

Grade für Amateure und Anfänger lohnt sich das: Die Reduktion zwingt zur bewussten Bildgestaltung und wirkt häufig besser als eine nicht ganz perfekte oder gar überladene Komposition. Wer gelernt hat zu reduzieren, kann später umso wirkungsvoller wieder zusammenfügen und hat weniger Schwierigkeiten, die Leitlinien in einem Motiv zu erkennen und zu betonen.

Im Sinne einer Übung und zur Perfektionierung der Serie hätte man hier am Strand zum Beispiel im Kontrast zur organischen Diagonalen und den industriellen Vertikalen vielleicht noch ein radikal horizontales Element suchen können, das sich im gleichen Stil hätte fotografieren lassen.

Die beiden Fotos gefallen jedes für sich, wirken gemeinsam aber stärker und könnten in einem Triptychon regelrecht faszinieren.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

Mehr lesen

Bildausschnitt: Aussage und Technik

13.10.2011, 1 KommentareBildausschnitt:
Aussage und Technik

Eine interessante Situation ist eine gute Basis, aber keine Garantie für ein starkes Bild. Die Technik, die Bildgestaltung und deie Bildwirkung müssen zusammenspielen, wenn starke Bilder entstehen sollen.

Alleefoto: Das Auge trumpft beim Kontrastumfang

5.10.2011, 9 KommentareAlleefoto:
Das Auge trumpft beim Kontrastumfang

Kameras und das menschliche Auge sind ähnlich, aber doch so verschiedenen. Diese Fotografie illustriert gut, wo die Grenzen einer Kamera liegen, während das Auge das Szene in ihrer vollen Schönheit wahrnehmen kann.

Roller vor Straßencafe: Straßenfoto mit Colorkey

16.9.2011, 16 KommentareRoller vor Straßencafe:
Straßenfoto mit Colorkey

Spezialeffekte geben nicht immer das gewünschte Ergebnis - oder sie wirken dem Bild sogar entgegen.

Architektur: Licht und Bauten

3.8.2011, 2 KommentareArchitektur:
Licht und Bauten

Altstädte sind für Fotografen ein bisschen wie Wald: In allen Lichtsituationen schwierig zu fotografieren. Umso mehr fallen gute Fotos auf.

Menschengruppe: Form, Licht und Schatten

5.4.2011, 1 KommentareMenschengruppe:
Form, Licht und Schatten

Das Spiel mit klaren geometrischen Formen und mit harten Schatten ist in der Fotografie sehr beliebt und immer auch sehr wirkungsvoll. Solche Orte und Momente zu erkennen, macht die Qualität eines Fotografen aus.

Steinlinien: Zwei Bilder in einem

27.1.2011, 0 KommentareSteinlinien:
Zwei Bilder in einem

Kontraste können ein Bild verstärken, aber auch abschwächen: Wenn Linien und Formen keine weitere Unterstreichung brauchen.

Schnappschuss: Der Schattenmann

28.12.2011, 3 KommentareSchnappschuss:
Der Schattenmann

Hohe Kontraste und die Umkehrung der "korrekten Belichtung" zwischen Motiv und Subjekt werden hier als reizvoller Effekt demonstriert.

Steilhang rechts: Ungewöhnliches Bildformat  macht ungewöhnliches Foto

21.12.2011, 0 KommentareSteilhang rechts:
Ungewöhnliches Bildformat macht ungewöhnliches Foto

Regelbrüche machen aus Szenen, die sonst nicht so besonders aufregend gewesen wären, manchmal aufregende Bilder.

Landschaftsstimmung: Nebel als Offenblende-Ersatz

4.11.2011, 7 KommentareLandschaftsstimmung:
Nebel als Offenblende-Ersatz

Wenn man nicht mit offener Blende für Tiefenwirkung sorgen kann, helfen andere Dinge - wie Nebel - eine Schichtung der Distanzen abzubilden.

Teichromantik: (Zu) Ausgeglichen

2.1.2012, 4 KommentareTeichromantik:
(Zu) Ausgeglichen

Manchmal kann man alles richtig machen und dennoch kein perfektes Bild produzieren. Oder vielmehr ist das perfekte Bild nicht aufregend genug.

Nachtaufnahme: Die quicklebendige Innenstadt

10.6.2011, 8 KommentareNachtaufnahme:
Die quicklebendige Innenstadt

Architektur, Standort, Tageszeit, Belichtungszeit, Brennweite und Bildbearbeitung: Das sind die Faktoren, um dieses Foto zu einem lebendigen und beeindruckenden Architekturfoto werden zu lassen.

Abendhimmel: Farbe in Schwarz

6.4.2011, 0 KommentareAbendhimmel:
Farbe in Schwarz

Knallbunte Wolken im Abendlicht sind ein Fest für Landschaftsfotografen. Idealerweise werden sie in eine Landschaft eingebettet.

Strandbild: Urlaubsfoto mit Minimenschen

16.11.2011, 2 KommentareStrandbild:
Urlaubsfoto mit Minimenschen

Wenn auf Urlaubsfotos die Familie zu sehen ist, sollte sie auch zu erkennen sein. Hier versuchte die Fotografin einen Spagat zwischen Erinnerungsfoto und Landschaftsaufnahme, die leider misslungen ist.

Christian von Alvensleben: MeeresFrüchte

2.6.2011, 0 KommentareChristian von Alvensleben:
MeeresFrüchte

Christian von Alvensleben sammelt den Müll aus dem Meer und setzt ihn im Studio in Szene: "MeeresFrüchte" nennt er diese Bilder.

Langzeitaufnahme: Nordische Mystik auf Rügen

21.3.2011, 6 KommentareLangzeitaufnahme:
Nordische Mystik auf Rügen

Landschaftsaufnahmen von Stränden und Meeren wirken wegen ihrer Schlichtheit oft einfach und simpel. Aber das Arrangement erfordert genau deshalb besonders viel Fingerspitzengefühl.

3 Kommentare

  1. Paddy
    schrieb am 11. November 2009 um 21:40 Uhr (#)

    Also ich finde, dass beide Bilder hammermäßig sind, zumindest für mein ungeschultest Hobbyfotografenauge. Daumen hoch ;-)

  2. Simone
    schrieb am 12. November 2009 um 09:43 Uhr (#)

    Eine sehr schöne Bildbeschreibung mit wertvollen Tipps.
    Vielen Dank.

  3. Christian Loose
    schrieb am 12. November 2009 um 13:30 Uhr (#)

    Vielen Dank für die Aufnahme meiner Fotos in die Bildkritik.
    Ich möchte noch einen kleinen Hinweis mitgeben: das obere Bild ist analog auf Kodak Dia mit meiner Nikon F100 + 20mm Objektiv entstanden. Das untere Bild mit meiner D90.

    Ich habe an diesem Abend eine ganze Reihe für meinen Geschmack schöner Aufnahmen geschossen, wo ich auch eingestehen muss, dass sie als Serie wirklich erst ihre ganze Wirkung entfalten.

    Interessant fand ich aber mal eine echte, analytische Kritik von einer neutralen Person mit entspr. Erfahrung und Hintergrundwissen.

    Daher möchte ich mich nochmal besonders bedanken.

    Gruß,
    Christian Loose

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.