Strandfotos:
Kontrastsuche und Serien

Peter Sennhauser, 11. November 2009 19:15 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Gelegentlich wirkt ein Einzelbild allein nur halb so gut, wie es in einer Serie wirken kann. Wenn inhaltliche oder grafische Kontraste sich nicht in ein Bild kombinieren lassen, bietet sich die Kombination in mehreren Kompositionen an.

Kommentar des Fotografen:

Ein Leuchtturm in Holland. Farbliche Nachbearbeitung mit Lightroom. Es war ein wunderschöner Sonnenuntergang am Meer.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Christian Loose:

Ein Strand mit den typischen Sandriffeln erstrahlt rotgolden in der untergehenden Sonne, die im obersten Bildrand noch zu sehen ist. Im linken oberen Bilddrittel ist ein Leuchtturm zu sehen, nach rechts ins Meer hinaus laufen zwei Reihen von Holzpflöcken.

Eine mutige Fotografie, nicht nur, weil sie direkt in die untergehende Sonne aufgenommen wurde, sondern auch, weil sie zu allergrössten Teilen aus den Schattenspielen in den Sandwellen besteht, die in Diagonalen von rechts unten nach links oben verlaufen.

Ihnen entlang gleitet der Blick nach oben links zum Leuchtturm und dann hinaus ins Meer zu den Pflockreihen, die dem Bild plötzlich eine andere Richtung – horizontal, aber auch vertikal – verleihen.

Gut gelungen ist die Reduktion auf die Silhouette: Bei Aufnahmen direkt in die Sonne lohnt es sich, gar nicht erst zu versuchen, Zeichnung in die Schattenseiten der Motive zu kriegen, sondern sie vielmehr als Schattenrisse zu nutzen. Die Linienführung wird dadurch verstärkt, hier funktioniert sie sehr gut, und obwohl die Sonne noch im Bild ist, wird das Auge im Zickzack an ihr vorbei geführt und erreicht andere Blickpunkte.

Das Bild ist mir aber in der Auswahl nicht zuletzt deswegen aufgefallen, weil Du ein zweites vom gleichen Strand eingereicht hast – eine Telefaufnahme der beiden Pflockreihen, die ebenfalls in die untergehende Sonne hinein fotografiert wurden und ein starkes Spiel mit den Linie und Schatten bieten. Es steht im Gegensatz zu den welligen, organisch wirkenden Sand-Diagonalen in der Vertikalen und bietet damit einen starken Kontrast zu diesem Bild.

Auch wenn es hier vielleicht sogar möglich gewesen wäre, die beiden Eindrücke in einem einzigen Bild zu kombinieren – indem Du näher an die Pflockreihen herangegangen wärst und versucht hättest, die Vertikalen etwas über der Bildmitte so prominent wie die Diagonalen im Sand zu positionieren (und dabei auf den Leuchtturm verzichtet hättest, den das Bild ohnehin nicht unbedingt braucht):

Nebeneinander wirken die beiden Aufnahmen jedenfalls. In solchen Fällen kann es auch sinnvoll sein, statt der Kombination beider Ausschnitte in einem Bild die radikale Separierung und Reduktion zu suchen und die Bilder ganz bewusst auseinander zu nehmen, um sie als Serie wirken zu lassen.

Grade für Amateure und Anfänger lohnt sich das: Die Reduktion zwingt zur bewussten Bildgestaltung und wirkt häufig besser als eine nicht ganz perfekte oder gar überladene Komposition. Wer gelernt hat zu reduzieren, kann später umso wirkungsvoller wieder zusammenfügen und hat weniger Schwierigkeiten, die Leitlinien in einem Motiv zu erkennen und zu betonen.

Im Sinne einer Übung und zur Perfektionierung der Serie hätte man hier am Strand zum Beispiel im Kontrast zur organischen Diagonalen und den industriellen Vertikalen vielleicht noch ein radikal horizontales Element suchen können, das sich im gleichen Stil hätte fotografieren lassen.

Die beiden Fotos gefallen jedes für sich, wirken gemeinsam aber stärker und könnten in einem Triptychon regelrecht faszinieren.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Kommentare

  1. Paddy
    schrieb am 11. November 2009 um 21:40 Uhr (#)

    Also ich finde, dass beide Bilder hammermäßig sind, zumindest für mein ungeschultest Hobbyfotografenauge. Daumen hoch ;-)

  2. Simone
    schrieb am 12. November 2009 um 09:43 Uhr (#)

    Eine sehr schöne Bildbeschreibung mit wertvollen Tipps.
    Vielen Dank.

  3. Christian Loose
    schrieb am 12. November 2009 um 13:30 Uhr (#)

    Vielen Dank für die Aufnahme meiner Fotos in die Bildkritik.
    Ich möchte noch einen kleinen Hinweis mitgeben: das obere Bild ist analog auf Kodak Dia mit meiner Nikon F100 + 20mm Objektiv entstanden. Das untere Bild mit meiner D90.

    Ich habe an diesem Abend eine ganze Reihe für meinen Geschmack schöner Aufnahmen geschossen, wo ich auch eingestehen muss, dass sie als Serie wirklich erst ihre ganze Wirkung entfalten.

    Interessant fand ich aber mal eine echte, analytische Kritik von einer neutralen Person mit entspr. Erfahrung und Hintergrundwissen.

    Daher möchte ich mich nochmal besonders bedanken.

    Gruß,
    Christian Loose

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