Wüstenrot-Dokufotopreise:
Anerkennung und Ansporn

Die Wüstenrot-Stiftung verfolgt mit ihren Föderpreisen zur Dokumentarfotografie eine spezielle Absicht: Einerseits anerkennt sie die eingereichten Fotoarbeiten, andererseits gibt sie Ansporn für neue Projekte.

Die Preisträger 2009/2010 heißen: Tanja Jürgensen (Kunsthochschule Kassel), Mathias Königschulte (Ostkreuzschule für Fotografie, Berlin), Maziar Moradi (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg) und Kim Sperling (Fachhochschule Dortmund).

Die im zweijährigen Turnus angelegte Nachwuchsförderung richtet sich an Fotografen, die ihr Studium in den letzten zwei Jahren an einer deutschen Hochschule oder Akademie im Bereich der Dokumentarfotografie absolviert haben. Die Idee zu dieser Nachwuchsförderung ging davon aus, dass jener Bereich der Fotografie zu unterstützen sei, dem sowohl im angewandten Bereich der Fotografie als auch in der Kunst wenig Chancen für Langzeitprojekte gegeben wird. Diese Förderung erreicht die Fotografen zu einer Zeit, an dem sie ihr Studium gerade beendet haben und versteht sich als Brücke zur Selbständigkeit.

So wurden die vier Preisträger aus 142 Bewerber/innen auf Grundlage ihrer eingereichten Diplomarbeiten und Projektideen ausgewählt. Sie erhielten jetzt Anfang November ihre Preise, die mit jeweils 10 000 Euro dotiert sind und damit die Verwirklichung des neuen Projekts. Nach Ablauf eines Projektjahres werden die Arbeitsergebnisse für eine Wanderausstellung mit Begleitkatalog konzipiert.
Im Design-Haus Hessen in Darmstadt sind jetzt die inzwischen verwirklichten Projekte der Preisträger 2007/2008 zu sehen. Es handelt sich um Andrea Diefenbach (fokussiert.com: Aids in Odessa), Aymeric Fouquez, Kirill Solovchenko und Margret Hoppe. Ihre Bilder können wir uns auf der Website der Wüstenrot-Stifung anschauen.

Die Preisträger 2009/2010:

Tanja Jürgensen fotografiert private Lebensräume der Berliner Hausbesetzerszene. Die gewählten Ausschnitte weisen strenge kompositorische Prinzipien auf. In ihrem zukünftigen Projekt “Unter der Elite“ will Tanja Jürgensen Strukturen US-Amerikanischer Eliteuniversitäten fotografisch untersuchen; Mechanismen, die zunehmend auch in der deutschen Bildungslandschaft sichtbar werden.

Mathias Königschulte sucht mit seiner Diplomarbeit “Vor dem Sturm“ nach aktuellen Entsprechungen zu den Landschafts- und Personenbeschreibungen in Theodor Storms „Der Schimmelreiter“. Er fotografiert Landschaften der nordfriesischen Küste, die 1634 bei einer schweren Sturmflut verwüstet wurden und die Menschen, die an diesen Orten leben. Das eingereichte Projekt Wedding – Angst in der Stadt wird sich dem städtischen Umfeld des Berliner Stadtteils Wedding widmen.

Maziar Moradi rekonstruiert mit Hilfe der Fotografie Situationen und Ereignisse, die seine Familie im Jahr 1979 zwischen Krieg und Revolution im Iran erlebt hat (fokussiert.com: Eine Familie in der Emigration). Statisten sind die Mitglieder der Familie selbst. Die Inszenierung seiner Bilder erinnert an Momente einer filmischen Erzählung. Sein geplantes Projekt “Metamorphosis“ wird sich Fragen der gesellschaftlichen Integration von Transsexuellen im Iran widmen.

Kim Sperling, 1975 in Seoul geboren, wurde 1976 in Deutschland adoptiert. Die Geschichte von adoptierten asiatischen Kindern war das Thema seiner Diplomarbeit “uri nara“ – “Unser Land“. Das Interesse von Kim Sperling gilt jenen, die sich entschieden haben in ihr Geburtsland zurückzukehren. Seine Portraits entstehen im Umfeld der “neuen Heimat“, er fotografiert in Farbe und arrangiert seine Modelle. Parallel zu diesen Bildern entstehen Interviews in denen die Adoptierten Auskunft geben über ihre Erfahrungen des „Fremdseins“ in beiden Ländern. Dieses Projekt möchte Kim Sperling in anderen Ländern fortsetzen zum Beispiel in China, Kolumbien und Rumänien.

Dokumentarfotografie Förderpreise 2007/2008
Bis 20. Dezember
Designhaus Hessen, Eugen-Bracht-Weg 6, D-64287 Darmstadt
+49 (0) 6151-1591911, info@hessendesign.de
Geöffnet Montag bis Freitag 9 – 17 Uhr

Wüstenrot-Stiftung
Designhaus Hessen

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