Anonymer Sänger:
Gesicht obligatorisch

Bei Aufnahmen von Menschen sollte das Gesicht zu sehen sein. Das gilt auch für Konzertfotos, und selbst wenn der Sänger wild springt und sich ständig bewegt.

Kommentar des Fotografen:

Das Foto ist zu später Stunde und Dunkelheit in Wismar auf dem Campus Open Air entstanden, ich habe nur minimal an den Farben gedreht und es etwas zurechtgeschnitten (auf Hintergrundbild-Format). Ich mag die Lichtstimmung und die Umrandung, links vom blauen Schimmer, rechts vom Sänger, unten vom Publikum. Würde trotzdem gerne hören, was ihr dazu sagt.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Mathias Krüger:

Konzerte sind nicht der beste Anlass zum Fotografieren. Laut, dunkel, viel Bewegung, wenig Platz: Das erfordert vom Fotografen hohe Konzentration und Aufmerksamkeit. Mal klappt es, mal nicht.

Dieses Bild ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine Hand ein Foto bereichern, aber auch störend kann. Eine Bereicherung ist in diesem Fall die untere Hand, die aus der schwarzen Masse herausragt und mehrere Funktionen erfüllt. Zum einen lockert sie die Zuschauer-Sillhouetten etwas auf, zum anderen ist sie Ausdruck des begeisterten Publikums, was zur “Spaß haben mit Musik”-Atmosphäre des Fotos beiträgt. Fast könnte man meinen, da zeige einer mit dem Daumen nach oben.

Störend hingegen ist die Hand vor dem Gesicht des Sängers. Klar, ist authentisch und cool, aber mal ehrlich: Da könnte jeder stehen. Wir sehen nichts vom Gesicht und genau der Gesichtsausdruck – traurig, wütend, erfreut, gelangweilt, begeistert, etc. – ist es doch, was dem Betrachter vermitteln würde, welche Musik hier abgeht. So ist nicht klar: Ist es eine Ballade, ein Metal-Brett oder sind es Offbeat-Rhythmen?

Hier hilft ein Vorteil der Digitalkameras: Fotos kosten kein Geld, und deshalb lieber ein Foto mehr machen als später nur Fotos mit Hand vor dem Sänger zu haben. Ist nicht ganz einfach, ich weiß, der Typ auf der Bühne will ja nie stillhalten, aber so würde das Foto keine Zeitung drucken. Und auch für Fans als Poster an der Wand ist es kaum geeignet – der angehimmelte Star ist ja nicht zu sehen.

Die Umrahmung des Bildes mit dem hellen Nebel in der Mitte und der Schwärze am Rand ist dem Fotografen gut gelungen und lenkt den Blick schnell und zielgerichtet zum Hauptmotiv – nur ist dort eben (zu) wenig zu erkennen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. Marcel
    schrieb am 16. November 2009 um 13:10 Uhr (#)

    Der Kritik entgegen halten würde ich, dass das Bild perfekt als stimmungsvoll aber neutral durchgehen kann. Sicher würde das keine Zeitung ablichten, aber als Hintergrundmotiv, so wie es der Fotograf auch bearbeitet hat, könnte es auf vielen Desktops zu finden sein. Eine tolle Farb- und Lichtgebung, nicht zu aufdringlich und hell, Stimmung und Personen, aber nicht zu direkt. Mir gefällt das Bild sehr gut.

  2. Mathias
    schrieb am 16. November 2009 um 13:40 Uhr (#)

    Danke für die Kritik :) Die Sache mit der Hand kann ich schon nachvollziehen, jedoch macht dies für mich grade auch den Reiz aus. Mag sein, dass dies auch daran liegt, dass ich im Gegensatz zum neutralen Beobachter eine Beziehung zu den Foto aufgebaut habe, bei dem Konzert mitgefiebert habe, den Künstler erlebt habe und einfach weiss, wer sich dahinter verbirgt.
    Aber diese Haltung hat er gefühlte 80% der Zeit eingenommen ;) Und so konnte ich ihn und seine persönliche Art zu performen festhalten.

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