Makrofoto einer Kleeblüte:
Ein Wald in Pink

Peter Sennhauser, 17. November 2009 11:03 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Makrofotografien bieten Einblicke in andere Welten. Die können allein durch die Vergrösserung, noch besser aber durch zusätzlich Perspektiven-Methoden spektakulär werden.


Kommentar des Fotografen:

Makroaufnahme einer roten Kleeblüte, wie man sie auf fast jeder Wiese finden kann. Meine Absicht war es, die Schönheit im Detail dieser Pflanze einzufangen, da sie mit freiem Auge kaum von jemandem wahrgenommen wird.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Sascha Vogt:

Detailansicht einer gemeinen Kleeblüte als Makro-Fotografie. Auf den ersten Blick sind die Blütenkelche, die sich wie ein kleiner Wald dem Betrachter entgegenrecken, nicht eindeutig einer Grösse zuzuordnen. Eine gelungene Nahaufnahme, die aus dem Blütenkopf einen ganzen Blumenkorb macht.

Am spektakulärsten wirkt Makrofotografie dann, wenn sie uns Dinge so zeigt, wie wir sie nie zuvor gesehen haben. Und dieser Aspekt besteht nicht nur darin, dass etwas sehr Kleines vergössert dargestellt wird – die Andersartigkeit kann häufig auch durch eine Kombination von genauem Hinschauen und einer ungewöhnlichen Perspektive erhöht werden. Wer schaut denn schon Blumen auf Augenhöhe oder gar von unten an?

Diesen Aspekt erfüllt diese Aufnahme nur zum Teil, weil der Blickwinkel, in dem wir eine Blüte – am Wegesrand gepflückt – genauer unter die Lupe nehmen, meistens ungefähr dem entspricht, was Du hier mit der Kamera getan hast: Fast direkt von oben, im 90-Grad-Winkel auf die Pflanze drauf.

Der Klee mit seinen Stammartigen Blütenkelchen würde aber geradezu dazu einladen, den Eindruck eines “Blumenwaldes” zu erwecken – mit einer seitlichen Ansicht in den Blütenstamm hinein, wozu man die Pflanze vielleicht sogar entzweischneiden könnte. Dabei würde dann ein Schärfentiefeneffekt, den Du hier mit einer geschlossenen Blende zu vermeiden suchtest, nicht mehr zu sehr stören.

Mir fällt an dem durchaus gelungenen Bild ausserdem ein technischer Mangel auf, der zwei Erklärungen haben kann: Das Bild ist nicht wirklich scharf. Wenn es sich bei dem Objektiv, das du verwandt hast, um ein spezialisiertes Makro gehandelt hat, liegt die Erklärung vielleicht in einer Bewegung der Pflanze wärehnd der mit einem 60stel grenzwertig langen Belichtungszeit für eine Brennweite von 100mm.

Sollte es sich allerdings nicht um ein Spezialmakro-Objektiv, sondern um ein Tele handeln, dann liegt das Problem in einer Kombination der extremen Nähe zur Pflanze und der Blende. Objektive sind nicht für das Fokussieren auf nahe, sondern grundsätzlich auf entfernte Gegenstände gebaut. In der Nähe, vor allem im Extrem, wird ihre Abbildungsleistung, die Verzerrung und die Schärfe zum Rand hin schlechter. Das ist just der Grund, weshalb es spezialisierte Makro-Objektive gibt, deren Schliff auf die Abbildung naher Motive optimiert ist.

Typischerweise wird bei Makro-Objektiven auch mit einer weit geschlossenen Blende fotografiert. Denn eine kleine Blende verringert die Fehleranfälligkeit und Verzerrung. Wenn Du allerdings aus diesem Grund bei einem Normal- oder gar einem Zoom-Objektiv für die Nähe die Blende schliesst, kann es gut sein, dass Du den Teufel mit dem Beelzebub austreibst: In den Randbereichen – ganz offen oder ganz geschlossen – sind die meisten Objektive nicht am schärfsten, ihre optimale Leistung erreichen sie im Mittelbereich, vielleicht bei Blende 9 oder 11.

Hier zeigt das, was ich für einen Wassertropfen am Blütenkelch rechts von der Mitte halte, dass die Schärfe nicht erreicht wurde, die ich mir als Betrachter wünsche. Ich finde sie aber auch nicht in einer der Blütenspitzen, es handelt sich also nicht um einen Schärfentiefeneffekt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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