High Key Schwarzweißporträt:
Oben mehr Raum lassen

Auch bei extrem gewähltem Ausschnitt gilt es, nicht zuviel zu kappen. Insbesondere nicht, wenn dadurch bei einem Porträt die Augen so sehr an den oberen Bildrand verschoben werden, daß sie ihn fast berühren, während andere Bildelemente in den Vordergrund gedrängt werden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Sabrina Otten).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Sabrina Otten).

Kommentar des Fotografen:

Portrait im Studio.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Otten Sabrina:

Fotografin Ottens Porträt zeigt eine junge Frau, die schwarzweiß in High Key fotografiert wurde. Sie trägt einen Anzug mit Nadelstreifen, und blickt den Betrachter unverwandt an. Das Bild ist perfekt belichtet und fotografiert, und in technischer Hinsicht habe ich daran denn auch absolut nichts auszusetzen.

Zum Bildaufbau: Das Foto hat mich sofort angezogen, weil die Fotografin einen sehr extremen Ausschnitt gewählt hat, und mir Experimentelles dieser Art im allgemeinen gut gefällt. Das einzige, was ich hier bedauere, ist, daß der Ausschnitt meines Erachtens zu extrem gewält wurde. Ich habe hier eine Version des Fotos nachgestellt, in der (grob) dargestellt wird, wie sich die dominierenden Linien im Bild verteilen.

Linienverlauf

Linienverlauf

Extreme Nahaufnahmen in ähnlicher Manier können zwar sehr gut aussehen, aber die Augen hier aus dem Goldenen Schnitt heraus nach oben zu verschieben läßt dem Foto dort zu wenig Platz, der Blick des Betrachters wird automatisch von den Augen auf die Nase hin abgelenkt. Nach oben hin haben die Augen – in einem Porträt halt nun einmal ein sehr wichtiges Element – keinen Raum. So wie das Foto hier aufgebaut ist, wirkt es unausgewogen.

Ich hätte hier entweder lediglich das Gesicht (ohne Anzug und Hals) in Szene gesetzt, es vielleicht auch mehr nach rechts verschoben, um links etwas mehr Platz zu gewinnen. Die Augen wären dann zwar immer noch extrem am oberen Bildrand, aber sie hätten durch die Auswahl des Ausschnittes wieder mehr Gewicht gewonnen. Alternativ hätte man den Ausschnitt an sich erweitern können, damit das Foto ausgewogener wird.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

 

Mehr lesen

Digitale Nachbearbeitung von Fotos: Das Salz in der Suppe

6.2.2013, 3 KommentareDigitale Nachbearbeitung von Fotos:
Das Salz in der Suppe

Die Digitalfotografie ermöglicht uns, „einfach mal drauflos zu schiessen“ und anschliessend zu löschen, was nicht gefällt. Oft tritt dabei der Akt des Fotografierens an sich in den Hintergrund. Aber auch in Zeiten der Digitalfotografie hat ein gutes Bild unsere volle Aufmerksamkeit beim Fotografieren verdient.

Teil 2 von 2: Essen in Szene setzen

13.12.2012, 1 KommentareTeil 2 von 2:
Essen in Szene setzen

Im ersten Teil habe ich ein paar allgemeine Ausführungen zu Food Styling gemacht. Mit ein wenig Übung kann auch ein Anfänger schnell effektvolle Essensfotos aufnehmen.

26.9.2012, 4 KommentareFotografische Komposition - Teil 1 von 3:
Darauf ist bei der Bildgestaltung zu achten

Komposition, kompositionelle Regeln und Stilrichtungen haben sich über die Jahrhunderte hinweg grundsätzlich geändert, sind geformt und gebrochen worden. Die folgenden Ausführungen sind daher auch nicht als historische Abhandlung gedacht, sondern als kurzer Überblick über wichtige Gesichtspunkte fotografischer Komposition.

Leserfoto: Mit der Unterhose in den Alpen

8.2.2013, 2 KommentareLeserfoto:
Mit der Unterhose in den Alpen

Wenn nackte Haut reichen soll, um einen Überraschungseffekt zu provozieren, wird eine ansonsten gute Idee schnell zur Karikatur ihrer selbst.

Bildbearbeitung: Abwedeln und Nachbelichten in der Digitalfotografie (2)

23.1.2013, 4 KommentareBildbearbeitung:
Abwedeln und Nachbelichten in der Digitalfotografie (2)

Der nachfolgende Artikel unseres Gastautors Thomas Brotzler befaßt sich mit den Möglichkeiten des Abwedelns und Nachbelichtens. Im vorangegangenen ersten Teil ging es um die Herkunft und Bedeutung dieser Technik. Im heutigen zweiten Teil werden praktische Aspekte mit einem Bearbeitungsbeispiel aufgezeigt.

Christian Patterson: Redheaded Peckerwood

14.1.2013, 0 KommentareChristian Patterson:
Redheaded Peckerwood

Christian Pattersons rekonstruierte mit Fotografien und historischem Material einen Kriminalfall, der in den Fünfzigern Amerika erschüttert hatte: Redheaded Peckerwood.

Geisterfoto: Die Menschen in der Leere

17.8.2011, 3 KommentareGeisterfoto:
Die Menschen in der Leere

Bewusst gestaltete Effekte mit Langzeit-Belichtungen und anderen fotografischen Mitteln gehören zum Entdeckungsprozess der kreativen Fotografin.

High-Key: Nicht zu schlicht

12.10.2010, 5 KommentareHigh-Key:
Nicht zu schlicht

Bei einem High-Key-Porträt sollte versucht werden, möglichst viele störende und dunkle Elemente aus dem Bild zu entfernen. Hier ist das nur teilweise umgesetzt worden.

Highkey-Porträt: Ganz schlichtes Gesicht

10.5.2010, 2 KommentareHighkey-Porträt:
Ganz schlichtes Gesicht

Auch in minimalistischen Poträts lohnt es sich, winzigen Details grosse Beachtung zu schenken.

Leserfoto - \

2.7.2014, 7 KommentareLeserfoto - "Sensuality":
Die Qual der Wahl

Nach welchen Kriterien sollte man Fotos auswählen?

24.6.2014, 2 KommentareLeserfoto - "Into the Light":
Zu viel "Schliff"

Gute Fotos benötigen nicht viel "Schliff".

«Selection»: Blick durch Fotokunst

22.5.2013, 0 Kommentare«Selection»:
Blick durch Fotokunst

Die Berliner CWC GALLERY zeigt noch bis zum 24. August eine sehenswerte Fotoausstellung: «Selection». Dahinter verbergen sich über 100 ausgewählte Werke von sieben herausragenden Vertretern der Fotokunst, die erstmalig in dieser Zusammenstellung gezeigt werden und verschiedene Genres – von Akt und Porträt über Tierphotographie bis Stillleben – vereinen. Besonderer Bestandteil der Ausstellung sind zwei Portfolios von Helmut Newton und Jeanloup Sieff, die eigens in Zusammenarbeit von CAMERA WORK angefertigt wurden.

Leserfoto: Das klassische Mutter-Kind-Portrait

29.1.2013, 2 KommentareLeserfoto:
Das klassische Mutter-Kind-Portrait

Wer gut vorbereitet ist, kann auch die kurzen Zufallsmomente für seine Aufnahmen nutzen, wie bei diesem zeitlosen Familienklassiker zu sehen ist.

24.10.2012, 3 KommentareNeue Kategorie:
Fotografen im Fokus

Die Lieblingsfotografen der fokussiert Redaktion

Nachttischlampen-Foto: Stimmungsvolles Licht

6.9.2011, 4 KommentareNachttischlampen-Foto:
Stimmungsvolles Licht

Ein guter Fotograf kann mit jeder Kamera gute Bilder machen, und oft bringen Improvisationen erst den gewünschten Erfolg. Luana Colaci ist es gelungen, auch mit einfachsten Mitteln eine sehr stimmungsvolle Aufnahme ihrer Freundin aufzunehmen.

2 Kommentare

  1. Interessante Bildkritik. Könntest Du die bunten Linien mal ein wenig erläutern? Was hätte wo sein müssen? Die gelb-grünen Linien sollen doch nicht etwa den Goldenen Schnitt wiedergeben oder?
    Grüße Blue!

    • Grundsätzlich ist der Goldene Schnitt eine uralte Regel, die u.a. in der mathematischen Theorie über Form und Harmonie verankert ist. Aufgerundet ergibt er einen Wert von ungefähr 0,618, also nicht ganz 2/3. Beim Komponieren hilft er, die Hauptlinien und das Interessenzentrum des Bildes zu ermitteln. Das Interessenzentrum wird ermittelt, indem man Höhe und Breite des Bildes mit 0,618 multipliziert und in den gefundenen Punkten eine Senkrechte errichtet. Der Schnittpunkt dieser Geraden bildet den Goldenen Punkt. (Es gibt noch viel mehr darüber zu schreiben, aber das ist so ungefähr die Kurzfassung.)

      Vielfach wird Bildaufteilung vereinfacht als Drittelung der Bildfläche widergegeben, was ich hier getan habe (das sind in der Tat die gelben Linien). Die roten Linien sind die Hauplinien des Porträts. Grundsätzlich sollte man das Interessenszentrum im Schnitt der bestimmenden Geraden ansiedeln. Das kann aber auch rechts oder links sein. Bei diesem Foto schaut man automatisch zuerst auf die Nase (die, zugegebenermaßen, sehr hübsch ist), aber nicht auf die Augen. Macht Sinn?

      So, wie das Foto hier komponiert ist, kann man nichts mehr groß verschieben. Man müßte entweder den Ausschnitt erweitern oder das Foto extrem beschneiden.

      Als weitere Lektüre kann ich “Das Große Buch der Bildgestaltung” von J.M. Paramon empfehlen oder George Barrs “Take Your Photography to the Next Level”.

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder