High Key Schwarzweißporträt:
Oben mehr Raum lassen

Sofie Dittmann, 18. November 2009 11:03 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Auch bei extrem gewähltem Ausschnitt gilt es, nicht zuviel zu kappen. Insbesondere nicht, wenn dadurch bei einem Porträt die Augen so sehr an den oberen Bildrand verschoben werden, daß sie ihn fast berühren, während andere Bildelemente in den Vordergrund gedrängt werden.

Kommentar des Fotografen:

Portrait im Studio.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Otten Sabrina:

Fotografin Ottens Porträt zeigt eine junge Frau, die schwarzweiß in High Key fotografiert wurde. Sie trägt einen Anzug mit Nadelstreifen, und blickt den Betrachter unverwandt an. Das Bild ist perfekt belichtet und fotografiert, und in technischer Hinsicht habe ich daran denn auch absolut nichts auszusetzen.

Zum Bildaufbau: Das Foto hat mich sofort angezogen, weil die Fotografin einen sehr extremen Ausschnitt gewählt hat, und mir Experimentelles dieser Art im allgemeinen gut gefällt. Das einzige, was ich hier bedauere, ist, daß der Ausschnitt meines Erachtens zu extrem gewält wurde. Ich habe hier eine Version des Fotos nachgestellt, in der (grob) dargestellt wird, wie sich die dominierenden Linien im Bild verteilen.

Extreme Nahaufnahmen in ähnlicher Manier können zwar sehr gut aussehen, aber die Augen hier aus dem Goldenen Schnitt heraus nach oben zu verschieben läßt dem Foto dort zu wenig Platz, der Blick des Betrachters wird automatisch von den Augen auf die Nase hin abgelenkt. Nach oben hin haben die Augen – in einem Porträt halt nun einmal ein sehr wichtiges Element – keinen Raum. So wie das Foto hier aufgebaut ist, wirkt es unausgewogen.

Ich hätte hier entweder lediglich das Gesicht (ohne Anzug und Hals) in Szene gesetzt, es vielleicht auch mehr nach rechts verschoben, um links etwas mehr Platz zu gewinnen. Die Augen wären dann zwar immer noch extrem am oberen Bildrand, aber sie hätten durch die Auswahl des Ausschnittes wieder mehr Gewicht gewonnen. Alternativ hätte man den Ausschnitt an sich erweitern können, damit das Foto ausgewogener wird.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. Blue
    schrieb am 25. November 2009 um 15:47 Uhr (#)

    Interessante Bildkritik. Könntest Du die bunten Linien mal ein wenig erläutern? Was hätte wo sein müssen? Die gelb-grünen Linien sollen doch nicht etwa den Goldenen Schnitt wiedergeben oder?
    Grüße Blue!

    1. Schreibt hier auf dem Blog Sofie Dittmann
      schrieb am 25. November 2009 um 16:12 Uhr (#)

      Grundsätzlich ist der Goldene Schnitt eine uralte Regel, die u.a. in der mathematischen Theorie über Form und Harmonie verankert ist. Aufgerundet ergibt er einen Wert von ungefähr 0,618, also nicht ganz 2/3. Beim Komponieren hilft er, die Hauptlinien und das Interessenzentrum des Bildes zu ermitteln. Das Interessenzentrum wird ermittelt, indem man Höhe und Breite des Bildes mit 0,618 multipliziert und in den gefundenen Punkten eine Senkrechte errichtet. Der Schnittpunkt dieser Geraden bildet den Goldenen Punkt. (Es gibt noch viel mehr darüber zu schreiben, aber das ist so ungefähr die Kurzfassung.)

      Vielfach wird Bildaufteilung vereinfacht als Drittelung der Bildfläche widergegeben, was ich hier getan habe (das sind in der Tat die gelben Linien). Die roten Linien sind die Hauplinien des Porträts. Grundsätzlich sollte man das Interessenszentrum im Schnitt der bestimmenden Geraden ansiedeln. Das kann aber auch rechts oder links sein. Bei diesem Foto schaut man automatisch zuerst auf die Nase (die, zugegebenermaßen, sehr hübsch ist), aber nicht auf die Augen. Macht Sinn?

      So, wie das Foto hier komponiert ist, kann man nichts mehr groß verschieben. Man müßte entweder den Ausschnitt erweitern oder das Foto extrem beschneiden.

      Als weitere Lektüre kann ich “Das Große Buch der Bildgestaltung” von J.M. Paramon empfehlen oder George Barrs “Take Your Photography to the Next Level”.

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