Nachtaufnahme mit Sternlichtern:
Mehr Spannung durch Vordergrund

Sterneffekte lassen sich auch ohne Filter oder Photoshop erzielen. Allein davon kann ein Bild aber nicht leben.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Erik Nielsen).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Erik Nielsen).

Kommentar des Fotografen:

Nachtaufnahme Paris, Champs Elysees, am 28.12.2007 21:56.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Erik Nielsen:

Nachtaufnahme an den Champs-Elysées in Paris. Eine Schwarz-Weiss-Nachtaufnahme; im Mittelgrund des Hochkant-Fotos prägt einer der nostalgischen Kandelaber die Aufnahme, im Hintergrund glänzen andere Lichtquellen und Reflexionen von Autos mit Sterneffekten. Die Granitplatten des Gehstiegs im Vordergrund sind nass und lassen einen kürzlichen Regenguss vermuten.

Eine äussrest stimmungsvolle Fotografie, die sowohl die Verlorenheit in einer Grossstadt als auch ihre Geborgenheit zeigen könnte – immerhin ist die Nachtszene relativ hell erleuchtet. Trotzdem wirken die Lichtersterne eher kühl, die Autos unpersönlich, und der nasse Boden lässt auf wenig gemütliche Wetterbedingungen schliessen.

Auf den ersten Blick heben die Lichtersterne diese Aufnahme von andern ab. Sie sind, hat mir Erik auf Nachfrage verraten, weder in Photoshop noch durch einen der früher populären Effektfilter entstanden, sondern sind ein Resultat der geschlossenen Blende: Der Effekt entsteht durch die Lichtbeugung an den Blendenrändern, welche vor allem bei sehr kleinen oder durch eine weitere Kante “beschnittenen” Lichtquellen auftritt. Ich komme in einem weiteren Artikel darauf zurück.

Jedenfalls macht der Effekt hier neben dem wunderbar von zwei Seiten beleuchteten Kandelaber einen grossen Teil des Bildes aus: Ohne die Sterne wäre es eine einfache Nachtaufnahme ohne eindeutigen Blickpunkt.

Die Komposition erhält hier aber Tiefe, indem der vertikale Kandelaber fühlbar versetzt zum “Horizont” der quer verlaufenden Lichterreihe in der Bildmitte verläuft. Eine solche Kreuzaufteilung bietet sich namentlich bei Fotos in Stadtlandschaften an, wo die eindeutigen Linien in Fülle vorhanden sind und sich für Distanzabgrenzungen einsetzen lassen.

Was dieser Aufnahme fehlt, ist ein Spannungspunkt im Vordergrund, ein drittes Gewicht, das den Raum zum Lampenhalter “rechtfertigt”. Mit dem Einbezug der Gehsteigfläche machst Du aus dem Kandelaber ein eingebettetetes Motiv, das im Kontext stehen soll – aber im Vordergrund ist kein weiterer Bezug zu finden. Der Blick irrt hier eine Weile umher auf der Suche nach dem, was Du uns zeigen willst.

Dabei ist es einigermassen klar, dass der Glanz des Bodens die Lichter aufgreifen kann (und es, allerdings zu schwach, auch tut). Am untersten Bildrand ist sogar etwas zu erkennen, was wie die Ränder einer Wasserpfütze aussieht. Und wenn dem so ist, hätte es sich jedenfalls einrichten lassen müssen, diese Pfütze mit einer attraktiven Spiegelung, sei es nun des Hintergrunds oder gar des Lampenmasts im Mittelgrund selber, in der Komposition zu einem überaus starken Vordergrund zu machen.

Und wenn nicht, dann hätte sich meiner Ansicht nach ein engerer Ausschnitt am Kandelaber – möglicherweise auch bereits in der Kamera via Tele durch den Zusammenzuig der Lichter – angeboten.

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  1. Das war auch mein erster Gedanke beim Anblick des Bildes, das Bild gewinnt eindeutig durch einen engeren Anschnitt von unten. Ich hätte zusätzlich links etwas mehr Platz gelassen, der um ein Drittel beschnittene Baum lässt in meinen Augen das Bild etwas unausgewogen erscheinen.

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