Fischmarkt-Foto:
Schärfentiefe und Belichtung

Auch in der hektischen Umgebung eines Marktes darf eine Belichtung nur zu künstlerischen Zwecken ausgebrannte Stellen enthalten. Belichtungsserien oder die Nachbearbeitung können schwierige Situationen meistern helfen.

Kommentar des Fotografen:

Dies ist ein Bild aus einer Serie, die ich auf dem Fischmarkt in Ciutadella, Menorca, aufgenommen habe. Ein freies Projekt. Die Bilder gehören zu meinen Lieblings-Stills. Danke für die Aufmerksamkeit!

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Florian Müller:

Dieses Stilleben ist Teil einer im Stil einer Fotoreportage geschossenen Serie (Link oben) Auf Nachfrage hat mir Florian erklärt, der Markt sei überdacht, die Aufnahme also innen gemacht.

Mein Blick blieb an dem Foto ursprünglich hängen, weil mich der Fisch in der unteren Mitte links so klagend anstarrte, und das macht auch den Charme dieses Fotos aus. Nicht nur ist es ein ungewöhnliches Motiv, Fotograf Florian Müller hat sich ganz bewußt auf die untere Bildmitte konzentriert.

Die große Blende von f/2.2 verleiht dem Foto eine geringe Schärfentiefe, so daß die Fische nach hinten hin schnell verschwimmen. Man bekommt den Eindruck, selbst mit in der Auslage zu sein.

Gleich darauf fällt einem aber dann der andere Fisch auf, der auf dem Rücken liegend den Vordergrund mit dominiert. Hätte man unten das Foto etwas gekappt, würde dieser etwas weniger auffallen, und der andere Fisch wäre etwas mehr nach unten gerückt worden.

Dazu gibt es durchaus Raum, denn der Fisch, der einen so klagend anstarrt, ist sowieso eine Idee zu weit oben. Da aber der angedeutete Fisch im Vordergrund automatisch das Interesse des Betrachters weckt, wäre deshalb interessant gewesen, andere Varianten dieses Fotos zu sehen, etwa, mit diesem Fisch als bestimmendem Element im Vordergrund. Ich hätte mir vorstellen können, das Foto wäre fast noch besser ausgefallen.

Zum Technischen: Der Fotograf hat bei ISO 200 ein Objektiv mit fester Brennweite (50mm) benutzt, wie ich von ihm erfahren habe. Diese Art Objektiv zeichnet sich dadurch aus, daß sie extrem lichtstark ist. Die Blende war, wie gesagt, auf f/2.2 eingestellt, so daß eine Belichtungszeit von 1/100s möglich war. Sie war sogar des Guten etwas zuviel, denn das Foto ist an den entscheidenden Stellen eindeutig überbelichtet, und manche sind einfach nur weiß.

1/125s oder sogar 1/160s wäre vielleicht angebrachter gewesen. Bei glänzenden Oberflächen – wie hier die Haut der Fische – muß man doppelt acht geben, daß sich, was einfach dem Betrachter eben dieses Glänzen hätte vermitteln können, nicht in eine große, weiße Fläche verwandelt.

Wo helle Stellen auf diese Art ausgebrannt werden, ist im Bild nicht mehr genug Information vorhanden, um sie, beispielsweise in Photoshop, zurückzuholen. Bei Unterbelichtung gelingt es meistens noch, durch (selektives) Aufhellen aus dem Foto etwas zu machen. Mit einer kürzeren Belichtungszeit bei dieser Blende hätte das Ausbrennen vermieden werden können. Alternativ hätte der ISO auf 100 heruntergesetzt werden können, denn mir schien der Fischmarkt hell genug – insbesondere bei einer so großen Blende.

Deshalb mein Rat, auch in einer Umgebung wie einem Fischmarkt, wo es zugegebenermaßen hektisch zugeht, sich die Zeit zu nehmen, auf der einen Seite die Kameraeinstellungen so zu justieren, daß das Foto nicht an den entscheidenden Stellen so über- oder unterbelichtet ist, daß es dort später nicht mehr korrigiert werden kann, oder von vorneherein eine Belichtungsreihe aufzunehmen (was aber ohne Stativ je nachdem sehr schwierig werden kann). Auf der anderen Seite immer mehrere Versionen desselben Fotos machen, und dabei etwa den Vordergrund oder das Interessenszentrum variieren.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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