Walter Schels/Beate Lakotta:
Begegnungen mit Sterbenden

Uli Eberhardt, 5. Dezember 2009 08:25 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Mit dem Tod umgehen, sterbende Menschen fotografieren? Der Fotograf Walter Schels und die Journalistin Beate Lakotta begleiteten unheilbar Kranke in ihren letzten Tagen.

Aus diesen Begegnungen entstanden einfühlsame Porträts von Menschen, die ihrem Tod sehr nahe sind. Die erschütternde Ausstellung ist aktuell in Stuttgart zu sehen – noch bis 20. Dezember.

Kaum etwas bewegt uns so sehr wie die Begegnung mit dem Tod. Doch kaum etwas geschieht in unserer schnellen Leistungsgesellschaft auch so verborgen wie das Sterben. Herausgelöst aus Familie und Alltag sind Tod und Sterben zu Tabuthemen geworden.
Walter Schels hat die Schwarzweiß-Fotografien kurze Zeit vor und unmittelbar nach dem Tod der 26 Porträtierten gemacht. Beate Lakotta berichtet von den Erfahrungen, Ängsten und Hoffnungen der Sterbenden und lässt sie zu Wort kommen.
2003 und 2004 arbeiteten Walter Schels und Beate Lakotta über ein Jahr für diese Ausstellung. Alle Porträtierten waren mit der Veröffentlichung einverstanden. Die Bilder, die wir hier auf fokussiert.com zeigen, sind für Publikationszwecke freigegeben.

Die meisten der Sterbenden haben ihre letzte Zeit in einem Hospiz verbracht. Hospize- sind Lebensorte für Sterbende. Sie bieten Schwerstkranken die Möglichkeit, ihr Lebensende so schmerzfrei und bewusst wie möglich zu verbringen. Wer hier einzieht weiß, dass er nicht in seine Wohnung zurückkehren wird. Nur eine kurze Spanne bleibt, um Bilanz zu ziehen, Frieden mit sich und anderen zu machen, sich mit dem Tod zu befassen und mit der Frage nach dem Danach.

Die im Stuttgarter Haus der Katholischen Kirche gezeigte Ausstellung wird ökumenisch von den beiden Landeskirchen, der Evangelisch-methodistischen Kirche und deren Bildungseinrichtungen getragen. Um diese Fotoausstellung zu erschließen, bieten die Träger Führungen für Erwachsene und Schulklassen an. Auch Angebote zur Seelsorge und zur Meditation gehören dazu, denn nicht jede/r mag diese aufwühlenden Bilder verkraften.
Ein vielfältiges und umfangreiches Begleitprogramm mit wissenschaftlichen, kulturellen und spirituellen Veranstaltungen ergänzt und vertieft die Thematik der Ausstellung. So gibt es zum Beispiel am 15. Dezember eine Lesung über Sterben und Tod in Bilderbüchern, anhand dener sich Kinder mit dem Thema auseinandersetzen können. Das Begleitprogramm und viele weitere Informationen finden wir auf der Website zur Ausstellung Noch mal leben.

Walter Schels, Jahrgang 1936, arbeitete als Schaufensterdekorateur in Barcelona, Kanada und Genf. 1966 ging er nach New York um Fotograf zu werden. 1970 kehrte er nach Deutschland zurück und arbeitete für Illustrierte, Modemagazine und Werbung. Ab 1975 fotografierte Schels über viele Jahre für die Zeitschrift Eltern Reportagen über Geburten. Seit er die wenige Augenblicke alten Kinder porträtierte, hat ihn die Beschäftigung mit Gesichtern von Menschen und Tieren nicht mehr losgelassen. Auf der Website von Walter Schels sind die Arbeiten zu sehen.

Beate Lakotta, Jahrgang 1965, studierte Germanistik und Politikwissenschaft in Heidelberg. Seit 1999 ist sie Redakteurin im Wissenschaftsressort des Spiegel und veröffentlichte dort zahlreiche Reportagen aus verschiedenen Bereichen der Medizin. Ihre Schwerpunkte sind Ethik, Neurowissenschaften und Psychologie.

Zu der mehrfach ausgezeichneten Ausstellung – unter anderem der World Press Photo Award – gibt es einen mit dem Deutschen Fotobuchpreis gewürdigten Band Noch mal Leben vor dem Tod – wenn Menschen sterben (Affiliate-Link) (Deutsche Verlags-Anstalt).

Walter Schels/Beate Lakotta – Noch mal leben/Eine Ausstellung über das Sterben
Bis 20. Dezember
Haus der Katholischen Kirche, Königstraße 7, D-70173 Stuttgart
+49 (0)711 70 50 600, info@kbw-stuttgart.de
Geöffnet täglich 9.30 Uhr – 20 Uhr, donnerstags 9.30 Uhr bis 22 Uhr.
Meditationen jeweils sonntags um 17 Uhr

Noch mal leben
Walter Schels

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1 Kommentar

  1. Ulli Gabsch
    schrieb am 5. Dezember 2009 um 23:41 Uhr (#)

    Es ist zwar schon einige Jahre her, dass ich die Ausstellung in Dresden sehen konnte, aber noch heute ist sie mir tief ins Gehirn gebrannt. Das hat bislang keine andere Ausstellung so nachhaltig geschafft. Eine unbedingte Empfehlung!

    Das Buch zur Ausstellung habe ich in den letzten Jahren zudem mehrfach bei Geburtstagen verschenkt. Das mag etwas befremdlich klingen, aber was ist neben der Geburt ebenso zutiefst natürlich?!

    LG

    Ulli

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