Jules Spinatsch:
Spektakel in den Bergen

Der Winter ist da, die Skisaison beginnt. Jules Spinatsch zeigt uns Spektakel in den Bergen – Alpenglühn um Mitternacht.

Tourismus und Wintersport kennt Jules Spinatsch schon von Kindheit an. Die ersten sieben Jahre seines Lebens verbrachte er auf dem Jakobshorn hoch über Davos, im Bergrestaurant seiner Eltern.

Die lokalen Auswirkungen der globalen Wirtschaft und die Kommerzialisierung des Schnees stehen deshalb nicht zufällig im Zentrum von Jules Spinatschs Arbeit.

Der Berg als Ort der Spektakel. Von Sehnsuchtsorten und ihrer Vermarktung erzählt die Ausstellung, die aktuell in der Innsbrucker Galerie Foto Kunst Stadtforum FO.KU.S gezeigt wird. Mit Licht verwandeln Marketingstrategen und Maschinen die alpine Nacht in ein Spektakel. Mit diesem Licht zeichnet der Fotograf seine Bilder und Videos auf. So zum Bespiel das Schauspiel “Hannibal” im österreichischen Sölden, wo die Alpenüberquerung des karthagischen Feldherrn mit seinen Soldaten und Elefanten nachgespielt wird. Auf der Bühne, die der Rettenbach-Gletscher liefert, kommen 300 Darsteller – Fallschirmspringer, Drachenflieger, Tänzerinnen oder Motocross-Fahrer – und 30 Pistengeräte, mehrere Helikopter, Flugzeuge, Feuerwerke und Bilderprojektionen zum Großeinsatz. Für eine Erlebnisnacht in Serfaus (Tirol) wird das Negativbild der im Eis gefangenen, dem Untergang geweihten Endurance auf den Berghang projiziert, dem Expeditionsschiff der 1916 gescheiterten Antarktisexpedition des Briten Ernest Shackleton.

Der dokumentarische Blick: In den letzten Jahren machte Jules Spinatsch vor allem durch Langzeitprojekte und ausgezeichnete Buchpublikationen auf sich aufmerksam. “Snow Management”, seine Fallstudie zur Tourismusindustrie, thematisiert die Transformation der Alpen zur Ereignislandschaft. Die Bilder und das Videomaterial aus diesem Zyklus zeigen, wie im Scheinwerferlicht eines Pistenfahrzeugs Schnee produziert und verarbeitet wird – ja wie gesamte Landschaften präpariert werden, um damit die möglichst perfekte Illusion einer künstlich geschaffenen Natürlichkeit zu erzeugen. Die hell erleuchtete nächtliche Landschaft wird zur Bühne der Spaß- und Eventkultur. Der Fotograf zeichnet das mit einem ebenso kühl-analytischen wie eindringlichen dokumentarischen Stil auf.

Die Arbeiten von Jules Spinatsch, Jahrgang 1964, waren schon im Museum of Modern Art in New York und im Haus der Kunst in München sehen. Mehr davon erfahren wir auf Jules Spinatschs Website. So zum Beispiel über seine Arbeit “Temporary Discomfort” (Affiliate-Link) zum Weltwirtschaftsgipfel in Davos. Der Band dazu ist 2005 in Arles als weltweit bestes Fotobuch ausgezeichnet worden. Die Ausstellung im FO.KU.S fügt sich in drei Teile gegliedert zu einem “Triptychon der Schneekompetenz”.

Jules Spinatsch – Alpenglühn um Mitternacht (Triptychon der Schneekompetenz)
Bis 6. Februar 2010
FO.KU.S. Bank für Tirol und Vorarlberg Stadtforum, A-6020 Innsbruck
+43 (0)505 – 3331417, info@btv-fokus.at
Geöffnet Montag bis Freitag 11 – 18 Uhr, Samstag 11 – 15 Uhr

Jules Spinatsch
FO.KU.S Innsbruck

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