Juergen Teller:
Der ehrlichere Fotograf

Normalerweise werden Supermodels sorgfältig geschminkt in Szene gesetzt. Jürgen Teller fotografierte sie ungeschminkt und (wenigstens scheinbar) ungestellt – und wurde damit bekannt.

Mit diesen authentisch und ehrlicher wirkenden Bildern wurde Juergen Teller zu einem der gefragtesten Mode- und Werbefotografen der Gegenwart – als “ehrlichere Haut” sozusagen. Sein künstlerisches Markenzeichen zieht sich auch durch seine anderen Bildserien – aktuell in Nürnberg zu sehen.

Zu Beginn der Neunzigerjahre fokussierte sich Juergen Teller auf Bilder und Porträts, die Models und Popstars in privaten Momenten und abseits der Kulissen glamouröser Inszenierungen – oder fügte aber den Klischees von Schönheit und Perfektion ironische Brechungen hinzu.

Legendär wurden seine Porträts des amerikanischen Grunge-Sängers Kurt Cobain und seiner Band Nirvana auf ihrer “Nevermind”-Tournee 1991 – oder die 1996 entstandenen Fotoserie “Versace-Heart” mit Aktaufnahmen des Supermodels Kristen McMenamy. Letztere widersprachen dem in der Modeindustrie gängigen Klischee perfekter Oberflächen und glatter Schönheit, weil sie das Model erschöpft, nackt und ungeschminkt zeigten.

Diese Fotos sind nicht perfekt ausgeleuchtet, und McMenamy ist weder geschminkt noch in Designerkleidung gehüllt. Dokumentiert sind die körperlichen Strapazen solcher Fotoshootings. Dieser neue Blick revolutionierte die Modefotografie und ist bis heute ein prägnantes Merkmal von Juergen Tellers eigenem Stil geblieben.

Das fotografische Werk Juergen Tellers lässt sich nicht allein auf die Modefotografie reduzieren. Andere Arbeiten sind stark autobiografisch geprägt und setzen sich mit seiner Identität und Herkunft auseinander. Zuletzt zeigte Teller zum Beispiel Fotografien seiner Tochter Lola sowie die Bildserie “Nürnberg”: Bei den Aufnahmen der bröckelnden Zeppelin-Tribüne, die einst das Zentrum nationalsozialistischer Selbstinszenierung bildete, verzichtet Teller auf jegliche Dramaturgie, sondern erzählt stattdessen mit sensiblem Blick für das Detail vom langsamen Zerfall und dem Kreislauf der Natur. Dazu gibt’s auch einen Bildband: Nürnberg: Nurnberg (Affiliate-Link).

Die Ausstellung “Logisch!” in der Kunsthalle Nürnberg wirft einen konzentrierten Blick zurück auf die bekannten frühen Fotografien, die von Kurt Cobain, Kristen McMenamy oder Kate Moss. Der Schwerpunkt wird jedoch auf drei neue Fotoserien aus dem Jahr 2009 gelegt, die erstmals in Deutschland vorgestellt werden:
Für “Paradis” standen die englische Schauspielerin Charlotte Rampling und das brasilianische Model Raquel Zimmermann in der Antikenabteilung des Pariser Louvre Modell und traten spielerisch in Konkurrenz zu Leonardo da Vincis Mona Lisa.
Die Serie “Der Schlüssel im Schloss” wurde in den Regensburger Privaträumen von Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis aufgenommen, deren Tochter Elisabeth von Juergen Teller in Kleidern der Mutter aus den Achtzigerjahren porträtiert wird.
“Zimmermann” ist eine neue, umfangreiche Serie von Aufnahmen mit Raquel Zimmermann, die in Tellers Elternhaus in Bubenreuth bei Erlangen entstanden sind und die Auseinandersetzung mit seiner Herkunft und Familie fortführen, indem die Familiengeschichte aus einer überraschend anderen Perspektive wieder aufgerollt wird.

Außerdem werden die Serien “Ed in Japan” (2006) und “Louis XV” (2004) gezeigt. Mit den Aufnahmen aus Japan porträtiert Juergen Teller liebevoll seine junge Familie und inszeniert in der Serie “Louis XV”-Serie eine wilde Orgie mit Charlotte Rampling.

Der in London lebende Teller, Jahrgang 1964, begann seine Karriere Ende der Achtzigerjahre mit Aufträgen für englische Mode- und Zeitgeistmagazine wie I-D, The Face und Arena. Er porträtierte unter anderem die Supermodels Kate Moss und Linda Evangelista sowie die Musikerinnen Sinéad O’Connor, Courtney Love, Björk und Patti Smith. Für das Modelabel Strenesse setzte Teller 2004 Boris Becker und Claudia Schiffer in Szene. Sein “ehrlicherer” Blick machte Teller zu einem gefragten Fotografen für namhafte Modelabels wie Hugo Boss, Yves Saint Laurent, Calvin Klein oder Marc Jacobs.

Juergen Teller: Logisch!
Bis 14. Februar 2010
Kunsthalle Nürnberg im KunstKulturQuartier, Lorenzer Straße 32, D- 90402 Nürnberg
+49 (0) 911-231 2853, kunsthalle@stadt.nuernberg.de
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr, Montag geschlossen.
Heiligabend, erster Weihnachtsfeiertag, Silvester, Neujahr, Rosenmontag und Faschingsdienstag geschlossen.

Jürgen Teller bei Wikipedia
Kunsthalle Nürnberg

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1 Kommentar

  1. Sam
    schrieb am 14. Dezember 2009 um 20:12 Uhr (#)

    sag mal warst du letzte woche montag auch in der akademie bei seinem “vortrag”?

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