Anastasia Khoroshilova:
Suche nach der russischen Seele

Uli Eberhardt, 13. Dezember 2009 11:34 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Auf der Suche nach der russischen Seele fotografierte Anastasia Khoroshilova die Bewohner dieses weiten, ein Sechstel der Erde umfassenden Landes.

Die aus Russland stammende Anastasia Khoroshilova zeigt uns dabei in der Tradition August Sanders die Menschen des ländlichen Russlands. “Russkie” heißen ihr Projekt und die aktuelle Ausstellung in Bonn – “Russen”.

In den Arbeiten der 31-jährigen gebürtigen Moskauerin geht es um Heimat und Tradition. Sie zeigen eine gefährdete Welt, aber mehr noch “die Funken der menschlichen Hoffnung, der Würde und des Selbstwertes” in den Augen der porträtierten Menschen, wie Anastasia Khoroshilova betont. Sie zeigt Menschen, die zu ihrer Umgebung, ihren Dingen und ihrer Landschaft gehören.

Mit dem Projekt “Russkie” möchte die Fotografin die Menschen der verschiedenen Völker und Glaubensbekenntnisse dieses großen Landes zusammenbringen, das keineswegs als eine einheitliche Nation und Kultur begriffen werden dürfe. Von der gemeinsamen Geschichte wurden die Bedingungen geschaffen, unter denen die unterschiedlichen Bewohner nun zusammenleben. Was die vielfältige Völkerfamilie vom europäischen Teil bis nach Wladiwostok vielleicht als einziges eint, ist die russische Staatsprache.

Anastasia Khoroshilova begegnet den Menschen, Dingen und Landschaften in ihren Bildern auf Augenhöhe und macht so das Ziel dieses ihres bislang größten Projektes im wahrsten Sinne des Wortes augenfällig, wie selbst sagt: „Es geht um die Verständigung in der Gesellschaft.” Russen schauen einem stets in die Augen. Ihr Gesichtsausdruck ist unverstellt, nicht Ergebnis künstlerischer Regie, sie werden nicht mythologisiert, sondern so gezeigt, wie sie sind und wie sie sich selbst darstellen.
Anastasia Khoroshilova hat die Russen dabei weniger zu erforschen oder zu definieren versucht – sie hat sie als gegeben hingenommen und wollte sie erkennen. Ihre Reisen führten sie in den letzten zwei Jahren in den hohen Norden, das Uralgebiet und den europäischen Teil Russlands.

Anastasia Khoroshilova lebt und arbeitet seit 2007 in Berlin und Moskau. Von 1999 bis 2004 hatte sie an der Essener Folkwangschule studiert und das Studium mit Auszeichnung abgeschlossen. Wir können uns ihre vielfältige Arbeit auf der Website von Anastasia Khoroshilova anschauen. Zur Austellung erscheint ein Katalog im Eikon-Verlag. Er kostet im Museumsshop 25 Euro, im Buchhandel 38 Euro (noch nicht erschienen).

Anastasia Khoroshilova – Russkie
Bis 31. Januar 2010
LVR-Landesmuseum Bonn, Colmantstraße 14-16, D-53115 Bonn
+49 (0) 228 / 2070 – 0, info.landesmuseum@lvr.de
Geöffnet Dienstag, Donnerstag, Freitag und Samstag 10 – 18 Uhr, Mittwoch 10 – 21 Uhr, Sonntag 10 – 18 Uhr

Anastasia Khoroshilova
LVR-Landesmuseum Bonn

Weiterempfehlen

Mehr lesen

Kinderspielplatz: Reduktion mit Story

29.10.2009, 1 KommentareKinderspielplatz:
Reduktion mit Story

Die Reduktion auf wenige Elemente kann einer Fotografie mehr Ausdruck verleihen als eine vollgepackte Komposition.

Grosses Kino: Ein paar Tricks machen Hollywood

27.10.2009, 4 KommentareGrosses Kino:
Ein paar Tricks machen Hollywood

Wenige Farben, passender Bildschnitt und einige Menschen an den richtigen Stellen. Schon entstehen Bilder wie im Hollywood-Kino.

Thomas Demand: Deutsche Bilder

13.10.2009, 0 KommentareThomas Demand:
Deutsche Bilder

Thomas Demand baut Bildmodelle aus Papier, fotografiert sie und zerstört sie dann wieder. Deutschland, deutsche Bilder sind das Thema der aktuellen Ausstellung.

Loan Nguyen: Stille Gesten

28.10.2009, 0 KommentareLoan Nguyen:
Stille Gesten

Die Schweizer Fotografin Loan Nguyen inszeniert vielsagende Bilder, in denen sie meist selbst zu sehen ist und uns in stillen Gesten auf ihre Absichten hinweist.

Klaus Staeck: Der entlarvende Blick

10.7.2009, 1 KommentareKlaus Staeck:
Der entlarvende Blick

Klaus Staeck, bekannt mit seinen politisch-satirischen Plakaten und Fotomontagen, zeigt Fotografien aus 30 Jahren.

Larry Strungs Jahresprojekt: Täglich ein neues Porträt

20.1.2009, 0 KommentareLarry Strungs Jahresprojekt:
Täglich ein neues Porträt

2008 hat Larry Strung jeden Tag einen anderen Einwohner von Hamilton fotografiert. Das Gesichter-Kaleidoskop einer Stadt.

Hans Peter Jost/Christina Kleineidam: Baumwolle weltweit

15.3.2010, 0 KommentareHans Peter Jost/Christina Kleineidam:
Baumwolle weltweit

Sozial und ökologisch engagierte Fotografie zeigt uns Hans Peter Jost mit seinem globalen Projekt "Baumwolle weltweit".

Graciela Iturbide: Das innere Auge

24.12.2009, 0 KommentareGraciela Iturbide:
Das innere Auge

Graciela Iturbide, die Poetin aus Mexiko, gilt als die wichtigste und einflussreichste lateinamerikanische Fotografin unserer Zeit.

Haus der Geschichte Bonn: Bilder im Kopf

7.9.2009, 0 KommentareHaus der Geschichte Bonn:
Bilder im Kopf

Wie Fotografien zu Bildern im Kopf werden und das Bewusstsein ganzer Generationen prägen, zeigt uns das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn.

1 Kommentar

  1. Thomas
    schrieb am 17. Dezember 2009 um 17:00 Uhr (#)

    Ich habe mir soeben die Galerie von Anastasia angeschaut.
    Ich bin etwas unschlüssig. Einersseits finde ich das Projekt sehr sehr gut (vor allem, weil ich selber aus Russland stamm) andererseit etwas vom fototechnischen enttäuscht.
    Diese eindrucksvollen menschen hätte man – finde ich – eindrucksvoller fotografieren können.

    Trotzdem empfehlenswert!

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.