Bildserie Völlegefühl:
Konzeptserie mit Witz

Robert Kneschke, 15. Dezember 2009 11:03 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Bunt, konzipiert und doppelt: Die Fotokünstlerin lässt mit ihren Doppel-Selbstportraits raten.

Kommentar des Fotografen:

californication self

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Adriana Navalesi:

Das Foto hat mir einfach spontan gefallen. Das ist keine ausreichende Bildbesprechung, deswegen hole ich etwas aus. Adriana Navalesi macht vor allem Selbstportraits im Doppelpack. Auch auf fokussiert.com haben wir schon eins ihrer Fotos besprochen.

 

Während mich das damalige Werk eher abstieß und ich auch ihre anderen Arbeiten persönlich etwas befremdlich finde, gelingt es mir mit dem hier gezeigten, “californication self” betitelten Doppelfoto, ihre Arbeiten langsam zu verstehen und Gefallen daran zu finden. Vielleicht ist es wie bei exotischeren Gerichten, die man erst mehrmals probieren muss, um entscheiden zu können, ob sie einem munden oder nicht

Spontan reizt mich die Farbenvielfalt in den Fotos, die Feierlaune und vor allem die auf dem Kopf drapierten Konfetti. Die sichtbaren Lichtreflexe sind – wie ich der Diskussion um das zuletzt rezensierte Werk entnehmen konnte – von der Künstlerin absichtlich hinzugefügt. Während sie bei einigen Motiven vielleicht weniger passen, helfen sie hier, die Party-Atmosphäre zu vestärken, da sie wie Teile von Girlanden, Lametta oder Luftschlangen wirken, die unscharf zwischen der Kamera und dem Motiv schweben.

 

Das Motiv zeigt links die Künstlerin vor einem leeren Teller (mit Konfetti-Resten) mit den schon erwähnten Konfetti auf dem Kopf und einer Gabel in der Hand. Die Frau wirkt scheu, leicht peinlich berührt, beim Essen fotografiert zu werden, diesmal lieber gleich dezent die Hand vor den Mund haltend als noch Reste am Mundwinkel kleben zu wissen.

 

Im Kontrast dazu das rechte Bild, auf dem der Teller mit einem Hamburger und Pommes Frites und einer ordentlichen Portion Ketchup gefüllt ist. Von der Künstlerin ist nur die rechte Hand zu sehen, wie sie nach oben greift – entweder als Geste der Gier oder als Ausdruck der völligen Fülle, verzweifelt mit vollem Bauch unter dem Tisch liegend.

 

Beide Varianten ergänzen sich gut mit der linken Version. Entweder der Gegensatz scheu – gierig oder der Widerspruch, dass der Teller auf der falschen Seite gefüllt wäre.

 

Das ist für mich Kunst: Unterhaltsam, aber anregend, vielleicht nicht leicht zu verdauen, aber mit der Möglichkeit dazu.

 

Als Mangel ist auch hier wieder das zu sehen, was Sofie Dittmann in der vorigen Kritik ansprach: Beide Versionen sehen technisch nicht identisch aus, in diesem Fall ist der Weißabgleich leicht anders. Das ließe sich durch einen manuellen Weißabgleich oder spätestens in der Postproduktion leicht beheben. Mich stört auch der Ring noch, da er vor allem rechts etwas ablenkt, aber das ist eine Kleinigkeit.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

Weiterempfehlen

Mehr lesen

Nachtfotografie: Die Reduktion der Nacht genutzt

18.2.2010, 3 KommentareNachtfotografie:
Die Reduktion der Nacht genutzt

Für die Fotokamera sind nachts keineswegs alle Katzen grau. Die klare Trennung von dunkel und hell hilft, starke Reduktionen zu inszenieren.

Hochgebirgs-Foto: Glaube und Hoffnung

3.11.2009, 2 KommentareHochgebirgs-Foto:
Glaube und Hoffnung

Bergsteiger sind angesichts der Gefahr und der natürlichen Schönheit, der sie ständig begegnen, oft religiös. Diese Aussage in einem Foto zu kombinieren, erreicht dieses symbolhafte Bild.

Der eingesperrte Sportwagen: Mehr Nacharbeit

1.7.2009, 1 KommentareDer eingesperrte Sportwagen:
Mehr Nacharbeit

Wenn ein Bild von inhaltlichen Kontrasten lebt, muss alles daran gesetzt werden, sie zu betonen.

Fotografie im August: Das Beste auf fokussiert.com

1.9.2009, 0 KommentareFotografie im August:
Das Beste auf fokussiert.com

Das Beste aus dem Monat August auf fokussiert.com und den andern Blogwerk-Blogs zusammengefasst.

Kinder-Situationsporträt: Das Wunderland U-Bahn

10.8.2009, 2 KommentareKinder-Situationsporträt:
Das Wunderland U-Bahn

Situationsporträts bergen viele Risiken - Blinzeln zum Beispiel - die mit "Seriefeuer" abgeschwächt werden können.

Skurriles Porträt: Serie oder Schnappschuss

5.8.2009, 3 KommentareSkurriles Porträt:
Serie oder Schnappschuss

In einer geplanten Serie haben klassische Schnappschüsse nichts verloren.

Low-Light Konzept-Porträt: Mischung aus Modell und Freak

27.7.2009, 0 KommentareLow-Light Konzept-Porträt:
Mischung aus Modell und Freak

Fotografien in in Low-Light-Verhältnissen verlangen besondere technische Sorgfalt.

12.12.2008, 5 KommentareHofhund Atlas:
Typischer Motivkonflikt

9.5.2008, 0 KommentareScherzbilder:
Potential ausschöpfen

Scherzbilder wirken besonders gut, wenn sie mit viel Bedacht komponiert werden. Wenn sich die Pointe nicht versteckt einbetten lässt, sollte die Bildgestaltung sie durch eine aberwitzige Perspektive oder ähnliches aufwerten.

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.