Kleinkindporträt mit Ballon:
Zwei Aufnahmen sind besser als eine

Sofie Dittmann, 31. Dezember 2009 11:02 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Nachbearbeitung kann aus einem guten Schnappschuß ein noch besseres Porträt machen. Man muß auch nicht unbedingt in Photoshop investieren. Allerdings kann man nicht alles damit verbessern.

Kommentar der Fotografin:

Ein authentisches Bild, was nicht ganz einfach war, da sie das gemacht hat, was sie wollte (meistens weggucken oder umdrehen und wieder nach hause laufen ;D). Letztendlich genau das was ich wollte – trotzdem fallen mir Makel auf. Nun möchte ich eure Meinung hören – und Tipps wie/was ich besser machen könnte.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Cäcilia Todte:

Cäcilias Porträt eines kleinen Mädchens (Tochter?) ist eines der besten Kinderporträts, die ich seit langem gesehen habe. Es hat alles, was ein gutes Porträt haben sollte:

gute Komposition, Ausdruck, Stimmung, und man kann sich sehr gut vorstellen, was sich in der Situation abgespielt haben muß. Es lohnt sich eben doch, auf den perfekten Moment zu warten, auch wenn das Kind hinterher Therapie braucht. (OK, das habe ich nicht so gemeint.)

Die Fotografin erwähnt, ihr seien ein paar Makel aufgefallen. Mir auch. Sie sind aber alle größtenteils leicht behebbar, und daher nicht wirklich gravierend.

Zunächst einmal wurde mit ISO 1600 fotografiert, wohl wegen der Dämmerung und der deswegen herrschenden Lichtverhältnisse. Das hat zwar eine Verschlußzeit von 1/250s ermöglicht, wodurch wiederum Verwackelung verhindert wurde, aber auch erhebliches Bildrauschen mit sich gebracht. Bei einer Canon dieses Modells ist dieses nicht so gravierend wie es bei anderen Kameras gewesen wäre. Es stört aber bei einer bestimmten Bildgröße so stark, daß ich es als erstes entfernt habe. Benutzt habe ich dazu Noise Ninja, aber man kann auch andere Anwendungen verwenden.

Was außerdem in der Nachbearbeitung leicht zu korrigieren ist, sind die ungünstigen Lichtverhältnisse (zu dunkel) und der kalte Farbton des Bildes (letzterer ist m.E. Geschmackssache). Wenn man aber zumindest nachträglich aufhellt, wird dieses Foto plötzlich zu einem ganz anderen Bild, und zwar in positiver Hinsicht. Details sind besser zu erkennen, die Augen der Kleinen besser in Szene gesetzt. Das geht mit jedem (kostenlosen) Bildverarbeitungsprogramm. Ich habe hier allerdings Photoshop benutzt, genauer die Nik Filter „Skylight“ und anschließend „High Key“. Herausgekommen ist dabei das hier:

Was man allerdings nicht ohne weiteres los wird, ist der rote Ballon hinter dem Kopf des Modells. Erstens ist er durch die mittlere Blendevon f/10 zu scharf, obwohl er eigentlich Nebensache und damit Hintergrund sein sollte. Zweitens wirkt er auch, wenn man ihn mittels Gaussian Blur in Photoshop nachträglich unschärfer macht, noch störend (siehe Vergleichsbild). Und zwar deswegen, weil die rote Farbe im Gegensatz zu den grünen Bäumen dahinter das Foto dominiert. Hätte sie ihn von sich weggehalten, hätten die dunklen Bäume hinter dem Kopf den perfekten Hintergrund gebildet.

Das ist eben bei Fotos dieser Art oft der Preis, den man zahlen muß. Hätte man der Kleinen den Ballon weggenommen, wäre dieses Foto sehr wahrscheinlich (so) nie entstanden. So, wie er jetzt im Bild erscheint, stört er allerdings extrem. Was wäre meines Erachtens also die Lösung gewesen hier?

Noch schnell ein Bild schießen nur von der Szene, ohne Kind. Dann hätte man den Ballon später „wegzaubern“ können. Wesentlich einfacher, als, so wie ich es anfangs versucht habe, aus dem, was in diesem Foto vorhanden ist, „Bäume“ hinter den Kopf des Mädchens zu klonen.

Ob das Foto danach noch „authentisch“ ist, darf man sich natürlich fragen. Da der Hauptgegenstand – hübsches, trotziges Kleinkindgesicht – nach wie vor uneditiert und unverfälscht erhalten bleibt, würde ich sagen, eine Änderung dieser Art ist nicht nur legitim, sie wäre hier sogar wünschenswert. In der Vergangenheit (mit „analogen“ Methoden), hätte man den Ballon wohl mühsam wegradiert/übermalt und was nicht alles. Jetzt geht es nur schneller.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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5 Kommentare

  1. Cäcilia
    schrieb am 3. Januar 2010 um 19:45 Uhr (#)

    Vielen Dank für die Kritik.
    Die kleine ist nicht meine Tochter.
    Ja das Bildrauschen,ich hätte heulen können.aber ich werde auch mal versuchen das Rauschen einwenig ,,einzudämmen´´.
    Letztendlich stört mich der Luftballon auch-nur war es meine
    Absicht ein Mädchen, mit Ihrem Roten Ballon zur Herbstzeit in Serie zu fotografieren.
    so ich wünsche ein frohes neues Jahr und
    nochmals Vielen Dank das Sie mein Bild
    unter die Lupe genommen haben.lg cäcilia

    1. Schreibt hier auf dem Blog Sofie Dittmann
      schrieb am 3. Januar 2010 um 20:14 Uhr (#)

      Wie bereits bemerkt, wenn man’s nicht vermeiden kann, nimmt so etwas wie Noise Ninja Bildrauschen sehr gut raus, ohne daß dabei allzu viele Details verloren gehen. Generell sollte man mit dem niedrigsten ISO arbeiten, der noch möglich ist, um Bildrauschen von vorneherein zu vermeiden – außer, der Effekt ist gewollt. Manchmal jedoch, wenn z.B. sehr viel Bewegung im Bild ist, muß man damit leben.

      Was den Ballon angeht, das dachte ich mir bereits, allerdings ist er da, wo er ist, wie gesagt im Weg. Wenn es noch andere Fotos in der Serie gibt, wäre es nett, wenn ich mir diese auch noch anschauen könnte. Sind die irgendwo im Netz? Flickr oder so?

  2. Roland Horni
    schrieb am 3. Januar 2010 um 22:56 Uhr (#)

    O ja, der verflixte Ballon! Da das Bild kaum dokumentarischen Charakter haben muss, würde ich das Kind ohne Ballon freistellen und einen neuen Hintergrund einfügen, oder wie Sofie schrieb, den selben, hinterher aufgenommenen. (Die Prozedur erfordert aber sehr genaues Arbeiten) Da, wie Sofie schon bemerkte, das Bild alle Zugaben für ein gutes Kinderportrait hat, (Komposition, Ausdruck, Stimmung) würde sich der Aufwand lohnen, auch mit der Legitimität hätte ich keine Probleme. Ist es nicht so, dass das Resultat zählt, und nicht, wie es entstanden ist?

    Ein Blick in die Exif-Daten lässt mich aber staunen. Warum fotografiert man ein Portrait mit Blende 10? Zudem ergibt ein so kleiner Chip wie ihn diese Kamera aufweist, ja „von Hause aus“ mehr Schärfentiefe als ein Vollformatsensor. Bei Blende 5,6 wäre sie immer noch genügend gewesen und die ISO-Zahl hätte bei fast gleichbleibender Verschlusszeit auf 400 runtergestellt werden können, was das Rauschen verringert hätte.

  3. Cäcilia
    schrieb am 4. Januar 2010 um 12:05 Uhr (#)

    ungern aber ich muß es wohl zugeben…ich habe bei diesem bild tatasächlich vergessen die ISO Zahl runterzustellen.
    ach was habe ich mich geärgert.und die anderen Bilder sind nicht im Internet-sollte ich sie noch ins netz stellen werde ich mich nochmal melden..Ich habe eine hohe Blende gewählt weil ich Angst hatte das letztendlich See,Bäume und Laub ,,zu´´ verschwommen werden.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Sofie Dittmann
      schrieb am 5. Januar 2010 um 00:47 Uhr (#)

      Wie sagt man doch im Amerikanischen so schön: stuff happens. Ist mir tatsächlich am Anfang auch hier und da passiert. Allerdings wäre es dem Foto eher zuträglich gewesen, wenn der Hintergrund verschwimmt. Es ist ja eine Nahaufnahme, warum wollte man sich da vom Hintergrund ablenken lassen?

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