Sitzporträt:
Reduktion in der Komposition

Manchmal ist weniger mehr: Auch wenn der Beschnitt von Porträts viel Fingerspitzengefühl verlangt.

Kommentar des Fotografen:

aufgenommen mit meiner canon 40d, Objektiv 55-250mm

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Sandra Avery:

Ein schönes Portrait. Nicht atemberaubend und umwerfend, aber auch nicht schlecht: Gutes Handwerk eben. Die porträtierte Frau schaut zufrieden in die Kamera, ihre Pose wirkt bequem und lässt das Gesicht, die Augen und Haare gut zur Geltung kommen.

Trotzdem gibt es einige kleine Makel, die das Bild zumindest von der Perfektion trennen:

Zum einen scheint mir die Schärfe nicht genau auf den Augen zu liegen, sondern einige Millimeter davor, zu erkennen an den schärfer abgebildeten Haaren im Stirnbereich. Bei einer Belichtungszeit von 1/320 und Blende 8 wäre es entweder möglich gewesen, die Blendenzahl zu vergrößern und vielleicht etwa mit 1/200s Belichtungszeit zu arbeiten – oder einfach den Fokus genauer zu kontrollieren.

Ebenfalls etwas nachteilig sind die Steine unten links, die das Bild unruhig wirken lassen. Außerdem bringen die dunkeln Stiefel das ansonsten sehr helle Foto etwas aus dem Gleichgewicht.

Die gewählte Pose sorgt auch dafür, dass der Oberarm der Frau etwas “dicker” aussieht als nötig. Letzteres hätte vermieden werden können, wenn das Model gebeten wird, den Arm nicht richtig um die Knie zu schlingen, sondern den Ellenbogen einige Millimeter anzuheben.

Eine Lösung, die ich für eleganter halte, und die alle drei Probleme zugleich löst, ist Beschnitt des Fotos – idealerweise natürlich eine Rekomposition vor Ort – von unten rechts ausgehend.

Hier ist meine beschnittene Version zu sehen: Die Steine, die Stiefel und der Arm fallen nun viel weniger auf, und der Betrachter kann sich ganz auf das Gesicht konzentrieren.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Picera
    schrieb am 19. Januar 2010 um 14:48 Uhr (#)

    Hallo,

    ich finde den Beschnitt von Herr Kneschke etwas sehr eng gewählt. Das Bild wirkt so ziemlich gequetscht. 10% weniger Rand an der rechten und der unteren Seite hätten schon gereicht um die bemängelten Punkte zu verbessern. Mir ist es wichtig darauf hinzuweisen das man nicht einfach radikal ein Bild so schneiden sollte, etwas mehr fingerspitzengefühl wäre angebracht gewesen.

    Beste Grüße,
    A. Hanker

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