Nachtaufnahme:
Zu viel Kontrast, zu wenig Thema

Douglas Abuelo, 21. Januar 2010 11:00 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Starker Kontrast und viele Objekte verlangen mehr als eine einzige Belichtung.

Kommentar des Fotografen:

Hierbei handelt es sich um das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Ich wollte die Lichtstimmung die durch vorbeifahrende Autos, die blauen Lichtsäulen und dem Mond, der genau über dem Gebäude stand festhalten.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Möller Sebastian:

Lichtlinien, -streifen und –punkte ziehen unseren Blick in ein Meer von Dunkelheit. Abgesehen von den Lichtern ist im tiefen Schatten nicht viel zu erkennen:

Um mehr Details heraus zu bringen, hättest Du eine längere Belichtungszeit wählen können, oder Du könntest das Bild aufhellen, indem Du ein Bildbearbeitungsprogramm benutzt, wie im Beispiel gezeigt. Jedoch führen beide Optionen zu einer noch größeren Überbelichtung der hellen Bereiche als im Original.

In solchen Situationen korrekt belichtete Fotos zu machen kann schwierig sein. Leider gibt es momentan noch keine digitale Kamera oder Film, der über einen Dynamikumfang verfügt, der zugleich die Details in solch dunklen Schatten sowie die hellen Bereiche einfängt. Abhängig von Deiner Belichtung wirst Du entweder Details in den hellen oder den dunklen Bereichen einbüßen. Oder, wie hier, sogar in beiden.

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High Dynamic Range (HDR) ist in solchen Fällen eine gute Option. HDR erzeugt ein Foto mit der vollen Bandbreite von Tonwerten, indem es eine Serie von drei oder mehr Bildern – inzwischen auch per High-Speed-HDR aus der Hand geschossen – kombiniert, die jeweils unter, über und genau auf dem durchschnittlich korrekten Belichtungswert liegen. Viele Bildbearbeitungsprogramme haben eine HDR-Option, außerdem gibt es spezielle HDR-Programme wie Photomatix.

HDR hätte in diesem Bild zwar das Kontrastproblem gelindert, war Dein Hauptanliegen jedoch, das Bundesverwaltungsgericht und die Lichtstimmung zu fotografieren, wäre ein anderer Blickwinkel effektiver gewesen. Die Komposition ist ausgewogen, aber sie zwängt das Bundesverwaltungsgericht zu sehr an den Rand und setzt zu vieles zwischen den Betrachter und das Objekt. Der Kanal und der Himmel beispielsweise füllen einen übergroßen Prozentsatz des Bildes.

Vielleicht ist weniger mehr – weniger Kontrast und Wirrwarr zugunsten eines detaillierteren und klareren Objekts.

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3 Kommentare

  1. Uwe S
    schrieb am 21. Januar 2010 um 19:23 Uhr (#)

    Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet zum Berg.

    Der Dynamikumfang der Kamera ist begrenzt. Plant man Drucke auf Papier oder Leinwand muss man sich auf noch engere Toleranzen einstellen. Das ist halt so.

    Statt mit Tone Mapping den Kontrastumfang von HDR-Aufnahmen zu reduzieren, kann man alternativ eine geeignete Lichtsituation in der Dämmerung (Blaue Stunde) abwarten. Durch das restliche Tageslicht erhält die Szene eine ausgewogene Dynamik, die von der Kamera ohne weiteres eingefangen werden kann, und sehr natürlich wirkt.

    Ich stimme zu, der gewählte Blickwinkel ist zu unentschieden.

  2. dierk
    schrieb am 21. Januar 2010 um 21:18 Uhr (#)

    Sebastian,
    wenn das Bild in RAW aufgenommen ist, lade doch mal eine Testversion von Photomatix. Das Programm kann auch aus einzelnen RAW Aufnahmen mehr rausholen (Speudo-HDR). Ein Versuch lohnt sich sicher.

    Mehr dazu findest du hier (siehe auch oben unter HDR)
    HDR-Tricks vom Experten: Kontrastreiche Welt

    @Uwe:
    ein Foto in der Blauen Stunde führt zu einem ganz anderen Ergebnis. Das ist u.U. nicht die Bildidee gewesen.

    dierk

    1. Uwe S
      schrieb am 22. Januar 2010 um 07:55 Uhr (#)

      Beim Fotografieren in der Dämmerung hat der Fotograf das Ergebnis selbst in der Hand, indem er in den ca. 30 Minuten den richtigen Zeitpunkt mit der idealen Beleuchtung ausnutzt. Bei diesem Motiv braucht es nur wenig Licht. Die kitschig blaue Färbung lässt sich mit korrektem Weißabgleich (8000 K bis 12000 K) vermeiden, oder man arbeitet monochrom.

      Wie schon oben gesagt, hat man damit eine Alternative zu HDR und Pseudo-HDR. Man muss halt probieren, was einem besser gefällt.

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