Einsame Parkbänke:
Stimmung macht eine Landschaft

Sofie Dittmann, 22. Januar 2010 11:03 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Meistens lohnt es sich zu warten, und sich noch einmal umzudrehen, noch ein letztes Foto zu schießen. Viele große Fotos, wie etwa Dorothea Langes „Migrant Mother“, sind so entstanden. Allerdings verspricht Warten nicht immer Erfolg. Manchmal ist das Foto, das dann entsteht, nicht unbedingt besser als das, das davor entstanden wäre.

Kommentar des Fotografen:

Das Foto entstand während eines Spaziergangs. Ich hatte mich geärgert, da sich eine Wolke vor die Sonne geschoben hatte, als ich aus dem Wald kam und es so recht dunkel wurde. Ich setzte mich eine Weile auf eine der Bänke, und wartete ab, ob das Sonnenlicht zurückkommen würde. Als abzusehen war, dass es bald dunkel wird, machte ich mich auf dem Heimweg. Ich drehte mich doch nochmal um und machte dieses Foto. Im Nachhinein denke ich, dass es eine gute Entscheidung war.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Jan Lorenz:

Jan Lorenz hat hier eine Landschaft dargestellt, die vollkommen bar jeder menschlichen Gestalt im Dämmerlicht liegt. Zwei Bänke stehen leer am Waldrand, alles wirkt etwas verloren und düster. Die Webseite des Fotografen hat den Slogan „Es gibt an jedem Ort Schönes zu entdecken, man muß nur seine Augen öffnen.“ Dort sind noch mehr Landschaften in der Art zu finden, wie er sie hier abgebildet hat.

Im klassischen Sinn fängt gute Landschaftsfotografie einen Moment ein, der den Fotografen emotional bewegt hat, und so, daß er andere, die das Bild später sehen, ebenfalls bewegt. Profis planen ihre Fotos normalerweise sehr minutiös, nehmen oft Regen, Kälte, Hitze hin, um das perfekte Foto zu schießen. Davon hat eben Peter Sennhauser berichtet – den Schweinehund überwinden. Man kann selbstverständlich auch gute Schnappschüsse in diesen Situationen machen. Allerdings werden sie selten mehr als ein Schnappschuß sein.

Von der Komposition her sind die Bänke gut angeordnet, allerdings ist der Horizont etwas zu sehr nach unten verschoben.

Was mir in dieser Fotografie aber eigentlich fehlt, ist der emotionale Eindruck, den sie haben könnte. Das Foto ist wegen der Lichtverhältnisse recht dunkel gehalten, so daß die Bäume ganz rechts außen zu dunkel sind, wie auch Teile der Schatten hinter den Bänken. Der Rest des Fotos ist zwar recht detailiert, aber genau darin liegt für mich hier das Problem: Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Es entsteht keine wirkliche Stimmung.

Abgesehen davon, daß man die Sepiatönung hier diskutieren könnte, da sie eigentlich nichts zum Foto beiträgt, hätte man sich überlegen können, den Rest des Fotos noch weiter zu verdunkeln, um die Bäume vollens in Silhouetten zu verwandeln, während man die Bänke aufhellt.

Irgendetwas, was dem Foto mehr Stimmung verleiht, den Betrachter darin festhält. So, wie es jetzt aussieht, schaut man es sich an, sagt „Oh, zwei Bänke.“ – und zieht weiter.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. dierk
    schrieb am 22. Januar 2010 um 22:19 Uhr (#)

    ich muss bei solchen Bildern mit so flauen Wolken immer an die Möglichkeit denken, diese mit HDR (Photomatics)richtig dramatisch zu machen (geht natürlich auch in PS mit entsprechenden Kenntnissen). So ist es mir ehrlich gesagt, einfach zu langweilig.
    Das würde ich z.B. auch auf dein Bild “Natternberg” anwenden, Jan.

    Hier gibt es dazu ganz tolle Infos bei fokussiert.

    viele Grüsse
    dierk

  2. Jan Lorenz
    schrieb am 25. Januar 2010 um 17:11 Uhr (#)

    Zunächst einmal vielen Dank für die ausführliche Kritik, die mir wirklich weiterhilft!

    Die Sepiatönung hat tatsächlich keinen tieferen Hintergrund, sie hat mir nur gefallen als ich in der Bildbearbeitungssoftware am experimentieren war…

    @dierk
    Danke für den Tipp… Aber ich bin mir nicht sicher ob auch dramatischere Wolken dieses Bild noch “retten” würden. Bei “Natternberg” könntest du recht haben, das werde ich bei Gelegenheit noch ausprobieren.

    Viele Grüße,
    Jan

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