Skulpturbild mit Framing:
Subjektive Schärfe

Douglas Abuelo, 25. Januar 2010 11:02 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Selektive Schärfe soll genutzt werden, um das Objekt hervorzuheben und den Blick des Betrachters durch das Bild zu leiten.

Kommentar des Fotografen:

Entstanden im Skulpturenpark in Köln, zeigt das Foto den Zaundurchblick auf die Skulptur “Herbert-Bayer-Zigarettenkiosk/Atomskulptur” von Torsten Slama. Auf gestalterischer und motivischer Ebene wird das Spannungsfeld zwischen Natur und Zivilisation thematisiert. Die Äste und Blätter (Natur) bilden mit den Zaun (Zivilisation) die obere Bildebene, die es zu durchdringen gilt. Dahinter wird das Thema gestalterisch durch die kontrastreichen Farbflächen aufgegriffen. Der Gorilla – synonym für das Wilde, Triebhafte – steht er für die bedrohlich Natur, vor der wir uns zu schützen versuchen, oder die Gefahren des ungezügelten Fortschritts?

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Horst Mumper:

Satt gefärbte Äste und Blätter schlängeln sich in knotigen Mustern und fließenden Formen aus der Dunkelheit heraus. Im Kontrast zu den natürlichen Formen der Äste und Blätter ist der Zaun, durch den wir spähen, aus perfekt proportionierten horizontalen und vertikalen Linien gemacht und erstreckt sich über das gesamte Bild.

Die Blätter und Äste schlängeln sich um das Bild herum, um eine Art Halbkreis in der Mitte freizugeben, durch den wir farbige Formen und den Rücken eines Gorillas sehen.

Auf der linken Seite des Bildes sind die Äste und Blätter, die durch den Zaun gucken scharf abgebildet. Der Rest jedoch, so auch der Gorilla im Hintergrund, ist unscharf.

Die Schärfe und relative Helligkeit auf der linken Seite stehen im Kontrast zu den bunten Formen im Hintergrund, die unscharf sind. Das Resultat ist, dass unklar wird, wohin man sehen soll, oder was eigentlich das Hauptobjekt sein sollte.

Da es Deine Absicht war, die beiden Szenen einander gegenüber zu stellen, wäre Hyperfokus vielleicht die bessere Wahl gewesen. So wäre alles absolut scharf gewesen, und es hätte den Vergleich beider Szenen und das Wandern des Blicks erleichtert.

Fotografiert man mit geringer Tiefenschärfe, dann üblicherweise just, um das Hauptobjekt scharf abzubilden und alle Objekte drum herum, in diesem Fall die Blätter, als nebenmotiv zu deklarieren. So wird die Aufmerksamkeit des Betrachters fokussiert, und er muss sich nicht fragen, wohin er sehen soll.

So wie sich das Foto zeigt, ist es eine Abstraktion. Abstraktion hat durchaus ihren Platz in der Fotografie, aber im Fall solcher visuellen Vergleiche wäre Deine Botschaft mithilfe der Klarheit des Hyperfokus stärker transportiert.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Horst Mumper
    schrieb am 25. Januar 2010 um 18:09 Uhr (#)

    Danke Douglas für die ausführliche und konstruktive Bildkritik. Ich habe mich auf deiner Webseite umgesehen, dabei viel mir besonders die “Roma” Serie durch die Verwendung der Unschärfe als Gestaltungsmittel positiv auf. Das erste Bild mit der unscharfen Hand ist besonders raffitückisch. Im Falle meines Bild ist die Unschärfe das einzige Gestaltungsmittel um Vorder- und Hintergrund voneinander zu trennen. Die Schärfe auf den Hintergrund? Ja dann währe ich sofort beim Motiv. Na ja ich hab in dem Bildkommentar auch etwas dick aufgetragen,

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