Nachtfotografie-Farbabstraktion:
Unsichtbare Grafik

Peter Sennhauser, 27. Januar 2010 11:03 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Wer lernt, so zu sehen, wie die Kamera sieht, kann Bilder schiessen, die wie aus einer andern Welt scheinen.

Kommentar des Fotografen:

Eine Langzeitaufnahme, während die U-Bahn und zwei Autos vorbeifuhren. Die Brücke wird so wie auf den Bild blau angestrahlt. Musste unzählige Aufnahmen machen, damit ich die Bahn, die Scheinwerfer des Autos und die Rücklichter des anderen Autos in richtigen Moment erwischte.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Alexander Rieber:

Eine Bahnbrücke mit einer darunter in einer Kurve von vorne links nach Bildmitte links verlaufenden Strasse. Nachts fotografiert, sind auf der Aufnahme neben der blau beleuchteten Brücke ausschliesslich Lichtmuster eines vorbeifahrenden Zugs, der Autos und der Strassenbeleuchtung sichtbar. zu den elegant angeordneten Lichterlinien gesellt sich ind er Aufnahme eine rasante farbmischung von grafischer Qualität.

Kritik ist wohl hier falsch, ich möchte dieses Bild eher würdigen als das, was es ist:

Die verdiente Belohnung für gutes Sehen und die geduld, das Sehen in einem Bild umzusetzen.

Neben den grafischen Qualitäten des Bildes, das in seiner Farbmischung und der Komposition eine sehr anziehende Wirkung hat, bewundere ich Deine Fähigkeit, etwas zu sehen, was es in der Realität nicht gibt. Du hast die Szene auf die Art erkannt, wie sie Kamera sehen wird – und das, obwohl Du sie nicht so sehen kannst.

Denn die Wirkung, die ineinander verschränkten Bögen von Brücke und Strasse, die Gerade des durchfahrenden Zugs und die Sternreihe am rechten Bildrand, all diese Dinge entstehen erst durch die Langzeitbelichtung von 30 Sekunden.

Das ist eine Fähigkeit, nach der Landschafts- und Strassen-, Architektur- und Makrofotografen gleichsam streben: sich die Sichtweise der Kamera einzuverleiben, Dinge vorwegzunehmen und ihre Auswirkungen in einer Komposition vorauszusehen.

Wenn man danach das Bild sieht, stimmt alles, und es erscheint völlig logisch, dass dieses Spield er Linien und der Beleuchtung in Sternform so zu sehen ist. Vor Ort aber und wahrscheinlich beim Scouting noch bei Tageslicht hätte das kaum jemand von uns gesehen.

Mich stört einzig vielleicht, dass das Bild spürbar leicht nach rechts abkippt. das sage ich aber auch nur, damit etwas gesagt ist – ansonsten würde ich zu der Arbeit – und ich weiss aus Erfahrung, dass viel Arbeit drinsteckt – gratulieren.

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3 Kommentare

  1. Christoph
    schrieb am 28. Januar 2010 um 19:12 Uhr (#)

    Ich muss Peter vollinhaltlich zustimmen – Spitzenfoto! Respekt!

  2. Roland Horni
    schrieb am 29. Januar 2010 um 00:33 Uhr (#)

    Oh, ich liebe solche Fotos. Formen und Farben sind hier für mich perfekt zu einem harmonischen Ganzen vereint. Es zeugt schon, wie Peter bemerkte, von der Fähigkeit des Fotografen, eine bestimmte Wirkung voraus sehen zu können, sozusagen das Bild schon im Kopf zu haben, bevor man den Auslöser drückt. Es ist auch möglich, dass man erst etwas ganz anderes im Kopf hatte und dass einem beim prüfen des Vorschaubildes auf dem Kameramonitor plötzlich d i e B i l d i d e e ins Auge springt. Solche (positiven) Überraschungen sind mir, besonders bei derartigen “Lichtmalereien” schon passiert.
    Vielleicht ist das nicht “profilike”, die gehen ja mit einem bestimmten Konzept im Kopf an die Arbeit und lassen sich nicht von Zufällen leiten(?) Doch manches gemalte Bild verbirgt unter der Farbe auf der Leinwand ganz andere ursprüngliche Skizzen.
    Wie auch immer, das Bild gefällt mir sehr, Glückwunsch zur tollen Aufnahme.

  3. Rieber
    schrieb am 29. Januar 2010 um 21:44 Uhr (#)

    Vielen Dank. Das Foto wollte ich genauso haben. Habe einige Tagen damit verbracht damit ich das auch im richtigen Moment erwischen konnte.Ich musste warten bis die Bahn kommt und die vorbeifahrenden Autos. Vorallem das 2te Auto, denn ich wollte die Spur der Rücklichter nur zum Teil drauf haben sonst wäre das zuviel gewesen und die Wirkung wurde sich doch verlieren.
    Die Bahn musste auch von links kommen.Ich wusste schon vorher wie das Bild aussehen würde. Man muss nur viel Zeit und Geduld aufbringen.

    Und an Peter Sennhauser:
    Das Bild kippt tatsächlich leicht spürbar nach rechts.
    Ehrliche Kritik ist mir sehr Wichtig und was man dran noch verbessern kann.Vielen Dank.

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