Situationsfoto:
Dimension und Maßstab

Der Zusammenhang und Vergleich verschiedener Objekte kann einer Fotografie gleichzeitig Kontext und Dimensionen verleihen.

Kommentar der Fotografin:

Das Kletterparadies im Landschaftspark Duisburg. War interessant Ihnen zuzuschauen. Ich bin unsicher, ob an diesem Bild etwas fehlt, was die Bildaussage unterstützt… etwas mehr Klettermauer?

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Rose – Marie Pawlitte:

Aus dem Hintergrund ragt ein altes Fabrikgebäude oder eine große Maschine weit über drei junge Männer, die in verschiedenen Körperhaltungen auf einer dicken Steinwand stehen.

Obwohl wir nicht viel von ihrer Umgebung sehen können, sagen uns ihre Helme und ihre Ausrüstung, dass sie klettern.

Einer von ihnen hockt, als wolle er gleich einen Schritt aus dem Bild heraus wagen. Er hält sich fest an einem Seil, das von außen in das Bild herein ragt.

Weil wir nicht sicher wissen, was den jungen Mann erwartet, wenn er diesen Schritt macht, gibt es ein gewisses Maß an Unvorhersehbarkeit im Bild. Aber abgesehen vom Hintergrund mangelt es ihm an Tiefe, was die Aufnahme zu einem simplen, ruhigen Foto von drei kletternden Männern macht.

In praktisch jedem großartigen Foto gibt es mehr als eine Dimension. Es beinhaltet etwas, das über das Hauptobjekt hinaus geht und den Betrachter zum Nachdenken anregt und neugierig macht.

Hättest Du zu Beispiel ein wenig ausgezoomt und so mehr vom Hintergrund eingefangen, dann würde der Maßstab deutlich werden, in dem sich die Männer befinden, was in solchen Situationen bildwirksam sein kann. So kann zum Beispiel gezeigt werden, wie klein Menschen sind, wenn sie mit Maschinen oder der Natur in Kontrast gestellt werden. Das hätte dem Bild Tiefe gegeben und ihm Spannung verliehen.

Abhängig davon, was den hockenden jungen Mann jenseits des Bildrands erwartet, hätte mit dem Zeigen von mehr Umgebung auch die Unsicherheit oder Gefahr der Situation deutlich werden können. Zeig uns doch die Gefahr, zeig uns, weshalb er sich so fest am Seil festhält!

Sieh Dir Simon Norfolks Serie an, mit der er einen World Press Photo Preis gewonnen hat: Sie gibt Dir einen Eindruck davon, was ein Maßstab in Deinen Fotos bewirken kann.

Ein Merkmal, das Dein Bild mit Norfolks erstem Foto gemeinsam hat, ist der unscharfe Hintergrund – sehr effektiv in solchen Szenen.

Maßstab, Geheimnis, das Unbekannte, Muster, Beleuchtung: was immer Du willst, such Dir etwas davon für mehr Tiefe und eine zweite Dimension.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. Swonkie
    schrieb am 28. Januar 2010 um 15:32 Uhr (#)

    optisch schöner kontrast mit den weissen helmen und schwarzen kleidern vor dem mittelgrauen hintergrund – auch das licht von rechts hinten ist perfekt, weil es dieses weisse highlight gibt und die figuren klar vom hintergrund abhebt.

    aber ich finde auch inhaltlich fehlt etwas. man fragt sich was die da tun, und weil die antwort fehlt verliert man schnell das interesse am bild.

    1. Rose - Marie
      schrieb am 28. Januar 2010 um 19:46 Uhr (#)

      Ein grosses Danke an Euch, an Douglas Abuelo und Swonkie. Die nächste Tour mit der Kamera wird, denke ich, etwas anderes hervorbringen.

      Die Serie von Simon Norfolk ist der Hammer. Ja, da kann man richtig etwas lernen.

      Und das will ich….

      Gruss
      Rose – Marie

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