High-Key-Engel:
Ein paar Schritte mehr wagen

Sofie Dittmann, 29. Januar 2010 10:52 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Bei der Nachbearbeitung von Fotos sollte man nicht auf halbem Wege aufhören, wenn man sich seiner Sache nicht ganz sicher ist. Wirklich „fertig“ sind manche Fotos nie – sie aber halbfertig zu lassen, enthält dem Betrachter UND dem Fotografen ein gutes Foto vor.

Kommentar der Fotografin:

Diese Foto entstand im Fotostudio im Rahmen eines “Engelshootings”. Die High Key Umsetzung erfolgte nicht durch Ausleuchtung, sondern erst durch Umwandlung in Photoshop. Nun wüsste ich gerne, erstens, was Ihr von dem Bild als solchem haltet (z.B. sind die Federn oder das dunkle Dreieck unter dem Kinn störend?) und, zweitens, ob die High Key Bearbeitung gelungen ist.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Kathrin Stahl:

Dieses „Engelfoto“ war eines von denen, an dem ich nicht vorbeiziehen konnte, ist es doch abseits des Weges sozusagen, etwas „anderes“. Es erinnerte mich an digitale Infrarotaufnahmen, die ich selbst gerne mache. Der Effekt hat etwas Außerirdisches, und auch dieses High Key Porträt eines kleinen Mädchens besitzt den Charme von etwas jenseits dieses Daseins.

Man könnte hier wohl den ISO-Wert diskutieren, der sicherlich nicht so hoch hätte sein müssen:

Aber wie schon an anderer Stelle bemerkt können Fotos dadurch durchaus gewinnen. Was mich eigentlich stört, ist tatsächlich nur das Dreieck unter dem Kinn des Modells, und die Tatsache, daß das ganz einfach hätte vermieden werden können. Nicht so sehr dadurch, wie es fotografiert wurde, sondern dadurch, daß in der Nachbearbeitung Details ausgebrannt wurden.

Für mich entstand nämlich der Eindruck, daß das Foto zwar bearbeitet wurde (wie ja angedeutet), aber irgendwann hat die Fotografin beschlossen, das Foto erstmal zur Seite zu legen. Das ist auch grundsätzlich OK, aber es enthält mir als Betrachter ein gutes Foto vor. Dabei wäre gar nicht mehr viel zu tun gewesen, um die Zweifel, die Kathrin hier selbst hatte, zu beseitigen.

Insbesondere bei Porträts kommt es bei mir auch häufig vor, daß ich auch nach Jahren nochmal auf das Foto zurückkomme, um bestimmte Dinge zu verändern. In dieser Hinsicht sind Fotos niemals wirklich fertig. Auch wenn Fotografen nicht wie Maler Dinge übermalen können, so lernen wir doch im Laufe der Zeit dazu, und versuchen dann, das Gelernte im Nachhinein umzusetzen.

Daß das „Engelsfoto“ Zweifel aufwirft, liegt daran, daß zwar die dunkle Stelle am Hals des Kindes stört, dagegen aber nichts unternommen worden ist. Diese Stelle entstand dadurch, daß die weißen Federn durch die digitale Umwandlung in High Key praktisch nicht mehr zu sehen sind; sie sind total weggebrannt. Wenn man sie wieder zurückholt, macht nicht nur die dunkle Stelle Sinn, sondern auch die weißen Flecken am Kinn des Mädchens.

Außerdem hätte ich das Foto beschnitten. Zumindest so, daß die Haare des Kindes am rechten Bildrand anliegen. Die Augen sollten hier im Goldenen Schnitt liegen, tun sie aber nicht. Nach weiterem Experimentieren kam ich sogar zu dem Schluß, daß das Foto hochkant besser gewirkt hätte, weil so eine Diagonale durch das Bild verläuft. Insgesamt hätte es dann so ausgesehen:

Ob das Foto schlußendlich „fertig“ ist, entscheidet immer die Fotografin. Mir selbst hat es sehr oft weitergeholfen, Fotos einer Reihe von unterschiedlichen Leuten zu zeigen, um deren Meinung zu hören. Insbesondere, wenn ich Zweifel habe.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. Swonkie
    schrieb am 29. Januar 2010 um 17:40 Uhr (#)

    sieht man auf dem originalbild rauschen? soweit ich weiss liefert die D700 auch bei ISO 1000 superklare bilder.

    ich finde übrigens auch, dass der hochformat crop besser aussieht.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Sofie Dittmann
      schrieb am 29. Januar 2010 um 18:35 Uhr (#)

      @swonkie Danke für dein Feedback. Nein, das Foto hat nicht wirklich zuviel Rauschen, das hätte ich vielleicht direkter sagen sollen – aber deshalb bin ich ja auch nicht weiter drauf herumgeritten. Da aber auch andere Leute, die keine D700 haben, die Kritiken lesen, wollte ich es trotzdem einflechten. Bei Kameras, die technisch nicht so viel hergeben, hätte ein ISO dieser Höhe ordentlich Rauschen verursacht.

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