Extrem-Makrofoto mit Spinne:
Wenn die Ausrüstung zählt

Bei spezialisierten Fototechniken wie extremen Makroaufnahmen ist es extrem wichtig, mit dem richtigen Handwerkszeug zu arbeiten, da sie von vergrößerten Details leben. Wenn diese Details nicht herausgearbeitet werden, wirkt sich das auf das Foto besonders aus.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Jakob Hieke).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Jakob Hieke).

Kommentar des Fotografen:

Minolta XD5, 50mm Objektiv auf ca. Blende 5.6, umgedreht vor die Kamera gehalten, Belichtungszeitautomatik, ca. 1/500sek, negativ mit canoscan 4400 (oder so..) gescannt. Ich bin schon seit meiner Kindheit von Spinnen fasziniert und habe es immer genossen Fliegen zu fangen, sie ins Spinnennetz zu hängen und zu beobachten, wie sie von der Spinne gefangen werden. Hier kam mir das Licht geeignet vor (natürliches diffuses Licht von hinten durch ein Fenster) und ich hatte meine Kamera dabei, schnell war die Idee da ein MaKro zu versuchen. Am Ende sind zwei Bilder entstanden, und ich kann mich nicht so recht entscheiden, welches das spannendere ist: Zugegeben, Komposition und Fokus sind eher Glückssache gewesen. Dennoch finde ich beide Bilder gelungen. Was denken Sie?

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Jakob Hieke:

Was mir an diesem Foto gefällt, ist, daß Jakob Hiekes Aufnahme einer Spinne, die gerade eine Fliege verzehrt, Interesse an Details verrät, die einem sonst entgehen.

Spinnen sind für viele Menschen abstoßend, aber auch faszinierend. Sie in einer extremen Makroaufnahme auf effektive Weise festzuhalten ist eine Herausforderung.

Kompositionell ist die Spinne im Foto gut angeordnet. Was hier allerdings sofort ins Auge sticht, sind die vielen technischen Mängel.

Zunächst einmal mußte ich irgendwann aufgeben, in einem Vergleichsfoto die Fusseln aus dem Foto zu nehmen – es gibt einfach zu viele. Ich nehme einmal an, daß diese durch das Scannen mit auf das Foto kamen. Da die verwendete Minolta eine analoge Kamera ist, kann es ja wohl nicht am Sensor gelegen haben. Man hätte entweder vor dem Scannen sicherstellen sollen, daß alles so sauber wie möglich ist, oder sich hinterher die Arbeit machen, es in einem Bildverarbeitungsprogramm zu beheben.

Wenn ich tatsächlich richtig gelesen habe, wurde das Objektiv mit einer großen Blende vor die Kamera „gehalten“. Um Objektive für Makroaufnahmen dieser Art umzufunktionieren, gibt es Adapterringe, mit denen sie umgedreht auf die Kamera geschraubt werden können, oder auf ein anderes Objektiv. Alternativ kann man auch Makroaufsätze benutzen. Jedenfalls kommt man mit einem 50mm Makro nicht nahe genug und in ausreichender Vergrößerung an das Geschehen heran, damit sich einem hier wirklich erschließt, was passiert. Man sollte genügend Vergrößerung haben, damit die Details sichtbar werden (und diese sind dann auch schärfer abgebildet). Adapterringe sind durchaus erschwinglich, und man hat dann beide Hände frei, um etwa die Beleuchtung zu manipulieren.

Das Licht kam hier von hinten, so daß das Hauptgeschehen im Schatten liegt. Ich selbst arbeite auch fast ausschließlich mit natürlichem Licht, weil es in vielen Fällen einfach besser aussieht. Das heißt aber nicht, daß man nicht aufhellen darf – und sollte. Wenn das nicht bereits mit einem Aufhellblitz bei der Aufnahme passiert ist, sollte man nachträglich in einem Programm wie Photoshop oder Gimp nachlegen. Ein Ständer mit Adapter (multi clamp) für einen normalen, batteriegetriebenen Blitz und ein einfacher, reflektierender Fotoschirm reichen bereits aus, und sind durchaus erschwinglich. Oder einfach nur ein Fotoreflektor.

Last but not least sollte man immer einen externen Auslöser und ein Stativ benutzen, insbesondere eines, bei dem sich die Hauptachse nach unten drehen läßt. Bei extremen Makroaufnahmen ist die Anfälligkeit für Verwackelung in jeder Hinsicht noch mehr gegeben als sonst. Je höher die Vergrößerung, desto kleiner sollte man die Blende wählen, weil sonst Details in unmittelbarer Umgebung des Interessenszentrums zu sehr verschwinden. Das wird sich wiederum auf die Belichtungszeit auswirken, und eine Kamera noch aus der Hand zu stabilisieren wird praktisch unmöglich.

Insekten in extremer Nahaufnahme leben in einer faszinierenden Welt, und man kann sie sich leicht erschließen, indem man ein klein bischen mehr Zeit investiert. Als weitere Lektüre kann ich etwa „Closeup Shooting“ von Cyrill Harnischmacher (Affiliate-Link) empfehlen. Besprochen werden die geeignete Ausrüstung, Beleuchtung und mehr.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Kommentare

  1. die lichtstimmung finde ich sehr schön. auch wie die farben des bläulichen netzes mit der braunen spinne harmonieren.

    allerdings sind wirklich nicht genug details sichtbar.
    heutzutage hat man / habe ich schon so viele technisch hervorragende makroaufnahmen gesehen, dass alles was unter diesem standard liegt einfach nicht zu begeistern vermag. es sei denn inhaltlich / kompositorisch gibt es etwas sensationelles zu sehen.

    darf ich hier einen link zu einer bekannten foto-site posten?
    nur als technisches beispiel (ist von der komposition natürlich ganz anders):
    http://photo.net/photodb/…6228366&size=lg

    • Ja, an sich wäre das Licht schön gewesen, wenn die Beleuchtung die Spinne mit Fliege in Szene gesetzt hätte. Und der Link zu Photo.net ist selbstverständlich OK.

  2. Schade, die Fussel stören wirklich. Die Komposition gefällt mir gut.Auch das Verhältnis von Schärfe und Unschärfe spricht mich an. Ich hätte mir gewünscht, den Kopf der Spinne etwas besser betrachten zu können. Denn neben der stimmungsvollen Aussage,hätte ich mir gerne die Arbeit der Spinne angesehen.

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