Sonnenuntergang:
Zwei Hälften sind nicht immer ein Ganzes

Douglas Abuelo, 3. Februar 2010 12:02 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Mit so vielen interessanteren Bereichen im Bild ist es gut, den Regeln zu folgen und von der Mitte fern zu bleiben.

Kommentar des Fotografen:

Ein Sonnenuntergang auf dem Land, erste Versuche, frei Hand

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Chris Wallnitz:

Ein leuchtend roter Sonnenuntergang füllt die obere Bildhälfte, während die untere von einem alles schluckenden Meer von schwarz bedeckt wird. Die beiden fast gleich großen Hälften werden von einer leicht gebogenen, nach oben strebenden Linie unterbrochen.

Leider ergeben die beiden gegensätzlichen Hälften kein überzeugendes Ganzes.

Obwohl kompositorische Regeln und Richtlinien nicht in Stein gemeißelt sind, kann eine Auflehnung gegen sie recht kontraproduktiv sein. Dieses Beispiel wäre bei weitem interessanter, wenn wenigstens eine der beiden folgenden Kompositionsregeln angewendet worden wären.

Die erste Regel ist, es zu vermeiden, Dein Bild in zwei gleiche Hälften zu zerteilen, indem Du die Horizontllinie genau in der Mitte des Bildes verlaufen lässt. Entscheide Dich, welcher Teil der Szene wichtiger ist, und räume ihm einen größeren Bereich der Komposition ein. Meiner Meinung nach sollte der Himmel mehr Raum einnehmen, aber wie man an den Beispielen sieht, ist jede der beiden Optionen weitaus dramatischer als die zwei gleich großen Hälften.

Dies bringt uns zur Regel Nummer zwei, die besagt, dass Objekte im Bild entweder entlang der Linien oder an den Kreuzungspunkten des Goldenen Schnitts positioniert werden sollten.


In den Beispielen können wir klar erkennen, wie diese Regeln kompositorische Struktur und Drama dem Bild hinzufügen. Denk jedoch daran, dass Du Dich nicht immer an solche Regeln halten musst, um ein interessantes Bild zu erzeugen. Beispiel Nummer zwei ist auch ein starkes Foto, obwohl es nicht genau der Drittel-Regel entspricht.

Du solltest immer nach der bestmögliche Komposition streben, wenn Du Fotos machst. Sollte dies jedoch nicht möglich sein, gibt es immernoch die Möglichkeit, Dein Bild in der digitalen Dunkelkammer zu schneiden und in Form zu bringen. Aus diesem Grund solltest Du stets die höchtmögliche Bildqualität Deiner Kamera nutzen.

Kennst Du Dich erst einmal mit den grundlegenden Kompositionsregeln aus, wirst Du imstande sein, zu entscheiden, ob das Auflehnen gegen die Regeln zu einem überzeugenden Ganzen führt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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