Sylvia Plachy:
Liebend leicht und expressiv

Die amerikanische Fotografin Sylvia Plachy hat den Salomon-Preis 2009 gewonnen. Ihre Bilder stehen in der dokumentarischen Tradition eines Robert Frank.

Sylvia Plachy: after dark, newark

Die Amerikanerin aus Budapest mischt sich auf ergreifende Art mit der liebenden Leichtigkeit eines Jacques Henri Lartigue und der expressiven Weltsicht von André Kertész , ihrem großen Vorbild und Förderer, begründete die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) die Preisvergabe.

Sylvia Plachy: Tom WaitsMit der 1943 geborenen Sylvia Plachy ehrt die DGPh eine international renommierte Fotografin, die neben ihrer 30-jährigen Tätigkeit für das New Yorker Magazin Village Voice für viele bekannte Publikationen, wie Newsweek“, Geo, Vogue und Time Magazine arbeitete, und Bücher herausbrachte. Sie hatte und hat zahlreiche, auch dauerhafte Ausstellungen in verschiedenen Museen, so im George Eastman-House Rochester, dem San Francisco Museum of Modern Art und dem Museum of Modern Art in New York.

Sylvia Plachy: Pink VeilDer seit 1971 alljährlich für „vorbildliche Anwendung der Photographie in der Publizistik“ vergebenen Preis erinnert an Erich Salomon, den großen Fotografen der Weimarer Republik, dem der moderne Bildjournalismus starke Anregungen verdankt.

Plachys Bildwelt ist poetisch und melancholisch, zugleich oft witzig oder gar skurril und bisweilen auch ernüchternd, aber immer bewegend, so die DGPh. Sie ist eine Entdeckerin, die für all das offen ist, was ihr am Wegesrand auffällt. Menschen, Räume, Dinge, alles kann bei ihr zum Bild werden. Einige Sujets begegnen uns immer wieder, Tiere etwa oder ihr Sohn Mishi, der als Adrian Brody inzwischen zu eigenem Ruhm gekommen ist. Auch die Auseinandersetzung mit ihrer verlorenen Heimat und dem damit verbunden Gefühl vom Verlorensein in der Welt ist spürbar; Sehnsucht als treibende Kraft.

Sylvia Plachy: Siren on Fifth AvenueKameras und Aufnahmeformat setzte sie dabei ein wie es ihr gerade passt – und es passt immer, egal ob chinesische Spielzeugkamera oder Leica, Panorama, Schwarzweiß oder Farbe. Plachy verbindet die unterschiedlichsten Techniken zu einem organischen Ganzen.

Ihr großes Einfühlungsvermögen und die Kunst mit einem foto eine Geschichte zu erzählen, beweist sie besonders mit ihrer Arbeit für Village Voice. Elf Jahre lang hatte sie dort wöchentlich ihre Kolumne ohne Worte, ein Einzelfoto, das eine New Yorker Geschichte erzählte. Aus diesen Bildern stellte sie 1990 unter dem Titel „unguided tour“ ihr erstes Buch zusammen – inzwischen ein gesuchter Klassiker. „Kein Buch seit Robert Franks ‚Die Amerikaner‘ hat mich so inspiriert. Ein umfassendes Werk voller Kraft. Sie bringt mich zum Lachen und bricht mein Herz“ schrieb Richard Avedon über „unguided tour“.

Sylvia Plachy: Adrien Brody as Ritchie Rude

Das New Yorker International Center of Photography erhob das Buch gar zur besten Publikation des Jahres. Mitunter ist Sylvia Plachy’s Unguided Tour (Affiliate-Link) gebraucht zu bekommen. Zu Robert Frank siehe fokussiert.com-Beitrag: Ein Amerikaner aus Zürich.

Der Titel „unguided tour“ ist durchaus als Credo zu verstehen. Sylvia Plachy befindet sich auf ihrer nicht endenden Reise, die 1956 in den Wirren der Ungarischen Revolution, versteckt unter einer Ladung Maiskolben, begann. Über Österreich gelangte sie endlich nach New York. Mitte der Sechzigerjahre lernte sie dort André Kertész kennen, der gerade durch eine umfassende Ausstellung im MoMA in das Pantheon der Photographie erhoben worden war.

Sylvia Plachy: crossing christopher street

Er ermutigt sie, ihre Arbeiten dort vorzustellen. Über den spontanen Ankauf ihrer Bilder durch das berühmte Haus wundert sich Sylvia Plachy noch heute. Über 30 Jahre arbeitete Sylvia Plachy für zahlreiche Magazine. Für die Organisation „Women for Women International“ photographierte sie in Ruanda und Sarajewo Frauen, die die dortigen Kriege überlebt haben.

Im Berliner Willy-Brandt-Haus startet aus Anlass der Preisverleihung am 6. Februar eine Ausstellung mit Ausschnitten aus ihrem Gesamtwerk, die bis zum 28. März gezeigt wird – Titel: „Waiting“. Auf Sylvia Plachys Website können wir uns ihr Portfolio anschauen.

Sylvia Plachy: Nightmare

Sylvia Plachy – Waiting
Bis 28. März
Willy-Brandt-Haus, Wilhelmstraße 140 / Stresemannstraße 28, D-10963 Berlin-Kreuzberg
Telefon +49 (0)30 – 259 93 -700,
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 12 – 18 Uhr, montags geschlossen

Sylvia Plachy
Deutsche Gesellschaft für Photographie
Willy-Brandt-Haus Berlin

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