Flusslandschaft:
Bemerkenswerte Stimmung

Douglas Abuelo, 8. Februar 2010 11:02 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Es gibt viel zu sagen über den simplen Akt, das Ambiente eines bestimmten Ortes oder einer bestimmten Zeit festzuhalten.

Kommentar des Fotografen:

Ein Sonntagsspaziergang im März. Eigentlich ein langweiliges Bild… aber mich hat das seltsame flache allgegenwärtige Nachmittagslicht fasziniert. Und soweit möglich, konnte ich die ruhige Stimmung glaube ich auch festhalten. Wollte mal wissen, ob die Stimmung auch transportiert wird?

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Thomas Fischer:

Von diesem Foto wendet man sich allzu schnell ab. Es gibt hier nichts Sensationelles oder Außergewöhnliches zu sehen. Obwohl es eine gewöhnliche Szene abbildet, vermittelt es eine Art atmosphärische Banalität. Dabei steckt einiges drin:

So wie die Komposition arrangiert ist, gibt es verschiedene Formen, die unseren Blick durch das Bild leiten. Das hervorstechendste Merkmal ist der gewundene Fluss, den der Fotograf an genau dem rechten Ort im Bild platziert hat. So wird unser Blick vom Fluss und den anderen Objekten, die seiner Windung folgen, z.B. den Bäumen und dem Weg, von der unteren linken Bildecke bis in die Mitte geführt. Von hier leiten uns die Strommasten und die Linie der Berge weiter durch das Bild. Es entsteht eine Tiefe, die noch dadurch verstärkt wird, dass der Vordergrund scharf, und der Hintergrund leicht unscharf gehalten ist.

Dieses Bild scheint eine gute visuelle Repräsentation dessen zu sein, wie der Fotograf den Zeitpunkt der Aufnahme erlebte: ein Sonntagsspaziergang an einem feuchten, kalten Wintertag. Langweilig, trübe oder belanglos, das Ambiente ist klar.

Ebenso interessant ist die Mischung von domestizierter Natur, Strommasten und Häusern.

Mit ein paar kleinen Veränderungen könnte ich mir vorstellen, dass dieses Bild für Werbezwecke oder eine Broschüre verwendet wird. Es gibt vieles, auf was eine solche Szene anspielen kann.

Eine Veränderung, die gemacht werden könnte, betrifft die Farben. Du könntest einfach die Farben ein wenig klären, wie in Beispiel Nr.1, oder ein wenig Stimmung erzeugen, z.B. mit Sepia wie in Beispiel Nr.2.

Obwohl Dein Bild vermutlich keinen Wettbewerb gewinnen wird, und unabhängig davon, für welche Farbveränderung Du Dich entscheidest, hat Dein Foto doch viel zu sagen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. TF
    schrieb am 8. Februar 2010 um 17:17 Uhr (#)

    Hallo und Danke für die Bildkritik,
    da habe ich schon garnicht mehr dran gedacht. War mal so’ne Laune, das hochzuladen.
    Wie ich lese, ist die Stimmung, um die es mir ging, doch einigermaßen transportiert. Danke auch, für die Vorschläge bzgl der Farbtöne…. ich lass’ es lieber so.
    Wahr ist, daß es sich um eine banale Szene handelt, eigentlich nur etwas für den, der dabei war, der eine direkte Erinnerung hat. Deshalb wollte ich wissen, ob da was rüber kommt. Denn langweilig fand ich das eigentlich garnicht. Ok, das Ambiente ist (war) klar, trübe, belanglos, aber fotografisch interessant, schon wegen des Lichts. Ich habe einige Zeit dort verbracht und zugegebenermaßen nicht nur ein, sondern mehrere Fotos dieser Szene gemacht. Auf die Spaziergänger links auf dem Weg habe ich regelrecht gewartet. Ich selbst war mit dem Fahrrad dort, deshalb war es auch nicht MEIN Spaziergang. Die meisten Bilder mache ich beim Radfahren, meist allein, fast immer belanglos, immer auf der Suche nach Bildern, die für mich meine Stimmung festhalten. Also damit einen Wettbewerb zu behelligen, da käme ich nicht drauf :)!! Mit der alten Knipse (Canon G5) habe ich wohl auch nicht das Werkzeug, aber ich mag das Teil gerade beim Radfahren gern dabeihaben.

    Ich finde es toll, das man hier sowas banales auch mal zeigen kann, wo sonst. Also, viele Grüße, würde mich freuen, wenn es nochmal klappt.

  2. duftbäumchen
    schrieb am 8. Februar 2010 um 22:51 Uhr (#)

    “Mit der alten Knipse (Canon G5) habe ich wohl auch nicht das Werkzeug…”

    Aber Du hast zumindest eines dabei. Ob Profi- oder Immer-dabei-Kamera – es kommt doch hauptsächlich auf den Fotografen an; darauf, wie er die Welt sieht und es versteht, diese zu “dokumentieren”.
    Wenn alle guten Fotos nur mit High-Tech-Ausrüstung zu realisieren wären, dann würden flickr und Co. wohl nicht mehr lange existieren.

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