Scheune mit Gewitterhimmel:
PS ist nicht immer die Lösung

Werkzeuge wie Photoshop, noch eher Topaz Adjust oder Nik Complete können häufig helfen – aber nicht herbeizaubern, was nicht da ist.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Dörte Kröger).

Kommentar des Fotografen:

Eine alte Scheune im letzten Licht, bevor das Gewitter losbricht. Ist die Stimmung – mit Hilfe von Photoshop – eingefangen?

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Dörte Kröger:

Eine alte, fast eingestürzte Scheune, ein Beet mit bunten Wildblumen davor, Wäsche am Ständer und ein dunkler Himmel dahinter. Dieses Foto hat eigentlich alles, was Stimmung erzeugen könnte.

Was mir bei Dörtes Foto gefällt, ist die Schlichtheit des Motivs. Man möchte sich gerne in einen Stuhl auf die Terasse setzen in diesem Garten. Allerdings zieht ein Gewitter auf. Oder tut es das?

Bei diesem Foto dachte ich sofort „Photoshop“, noch bevor ich die Beschreibung gelesen hatte. Ob es die Farben der Wäsche waren, die am Ständer hängt, oder der Gesamteindruck, kann ich nicht mehr sagen. Jedenfalls fiel es mir aus diesem Grund auf.

Es ist eines dieser Bilder, wo man Stimmung erahnt, sie einem aber vorenthalten wird. Ein Gewitter, das ist etwas Dramatisches, man denkt automatisch an drohende Wolken, Kontraste, die letzten – und meist sehr intensiven – Sonnenstrahlen, die noch etwas vor der dunklen Wolkenwand beleuchten, bevor auch sie von ihr verschluckt werden.

Die beinahe erfaßte Stimmung hat auch die Fotografin erkannt und mit Photoshop nachgeholfen. Heraus kam ein Foto, das farblich unwirklich wirkt, das die Vor-Gewitterstimmung aber leider nicht besser widerspiegelt.

Ich habe selbst noch weiter in Photoshop daran herumgefeilt, um zumindest die Wolken hinter der Scheune bedrohlich wirken zu lassen. Meiner Erfahrung nach kann aber mit Photoshop und allen Plugins, die mir zur Verfügung stehen, gutes Handwerk bei der Aufnahme nicht wirklich ersetzt werden.

Noch mehr Photoshop - etwas bedrohlicher, aber immer noch zu künstlich.

George Barr spricht in seinem Buch „Take Your Photography to the Next Level“ davon, daß man in bestimmten Situationen ein oder zwei Momente vom perfekten Zeitpunkt entfernt sein kann. Das ist hier der Fall. Hier fehlt leider die Dramatik, die Du eigentlich einfangen wolltest, und man kann sie nicht wirklich zurückholen, ohne das Bild komplett zu einem anderen werden zu lassen.

Natürlich hätte man ein HDR oder Pseudo-HDR aus diesem Foto machen können, und die Stimmung dadurch nachträglich unterstützen können. Aber auch hier wäre ein immer noch besseres HDR daraus geworden, wenn die Scheune von der Sonne dramatisch angeleuchtet vor dem dunkel drohenden Himmel dem trotzte, was gleich über sie hereinbrechen wird.

Ansonsten noch eine Anmerkung zur Komposition. Hier ist die Scheune der Hauptgegenstand des Bildes, und es gab meines Erachtens keinen Grund, sie rechts abzuschneiden. Mich persönlich stört es. Sogar sehr. Auch wenn es rechts etwas gab, das nach Deiner Auffassung nicht ins Foto paßte, wirkt es unausgewogen.

Wenn man sich bei der Aufnahme nicht sicher ist, sollte man trotzdem noch eine Version des Bildes schießen, die die gesamte Szene zeigt, damit man notfalls hinterher Material zum Flicken hat.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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13 Antworten
  1. thomas deuer says:

    So etwas wie das Abgeschnittene Haus ist ein Fehler der uns allen wohl schon unterlaufen ist und hin und wieder noch immer mal passiert. Aufregung, selektives Sehen, Konzentration auf einen Teilaspekt …… u.A. Hier gibt es sicherlich noch einiges zum Lernen.

    Frau Dittmann schrieb in Ihrem letzten Absatz: „….sollte man trotzdem noch eine Version des Bildes schießen, die die gesamte Szene zeigt,…“. Dem kann ich nur zustimmen. Immer mehr als nur ein Foto vom Ort machen und ggf. den Ort auf die Liste der „Muss ich unbedingt wieder hin um…“ setzen.

    Die Bearbeitung von Frau Dittmann empfinde ich allerdings als viel zu herbe, da nicht nur der Himmel, sondern auch der Wald „dramatisiert“ worden ist. Für mich wäre hier weniger – mehr.

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    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      @Thomas Die Bearbeitung sollte, wie oben erwähnt, nur die Wolken verdunkeln. Ich habe mir zugegebenermaßen nicht die Arbeit gemacht, das selektiv zu tun. Es hat auch so keinen Unterschied gemacht. :)

  2. André Bax says:

    Ich kann mich nur anschließen.
    Das nahende Gewitter schaft Kontrast zum rest der Szene.
    Ich dachte auch zuerst an meine Kindheit und wie gern ich an solchen Orten verweile.
    Heute muss alles perfekt und neu sein. Viele Menschen verlieren keine Gedanken über die Geschichte
    solcher Orte.
    Nach meinem Emfpinden stört die abgeschnittene Scheune.
    Habe ich auch wieder etwas gelernt. Immer ein Foto zu flicken machen.:)

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  3. Dörte Kröger says:

    Ich freue mich über die vielen Kommentare zu dem Foto (ganz besonders zu dem von Thomas Deuer und J.P. in deren Kritik ich mich wiederfinde).
    Erstaunt hat mich die Erwartung der User, in dem Foto etwas Bedrohliches zu finden. Das darzustellen war nicht meine Absicht, denn für mich bedeutet Gewitter eine ganz spezielle Farbgebung in der Natur; alles wirkt intensiv koloriert. Mir ist es wie Thomas Deuer ergangen: das Haus mit dem Wäscheständer erregte in dem Licht meine Fantasie…
    Es ist interessant und spannend, so viel unterschiedliche Meinungen zu einem Bild zu bekommen!

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  4. thomas deuer says:

    „Dem Walde abgetrotzt, gleichwohl an ihn geschmiegt, wurde es erbaut um seinen Bewohnen Schutz und Wärme zu geben. Jahrzehnte, gar ein Jahrhundert, hat es seine Aufgabe erfüllt um Sturm, Regen, Hitze und Kälte zu trotzen. Viel hat es erlebt über die Zeit. Geburt und Tod, Leid und Freude, Lautes und Leises. Einige sind gekommen und wieder gegangen. Doch nun ist es alt und brüchig und still. Kann seiner Bestimmung nicht mehr folgen. Es ist allein doch nicht einsam denn die Menschen sind noch immer in seiner Nähe. Lassen es noch immer Teilhaben am Menschenleben. Vielleicht aus Dankbarkeit, der Erinnerung Ihrer eigenen Kindheit oder weil es einfach Da ist.
    Und so wartet es geduldig und still auf das Ende, das sich langsam aber stetig vom Wald her, auf es zu bewegt“

    Das war meine Geschichte zum Bild.
    Perfektionismus in Ehren aber manchmal kann eine kleine, triviale, mögliche Geschichte den Blick mehr schärfen als alles, von dem wir oft glauben, dass Dinge zu sein haben.

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  5. Jürgen Schulte says:

    Also, um das Photo „bedrohlich“ wirken zu lassen, sollte etwas mehr von den Gewitterwolken zu sehen sein (siehe Markus´Beitrag). Hier nehmen sie vielleicht 7 oder 8% der Bildfläche ein. Das reicht nicht zum „Drohen“, das geht unter. Darüberhinaus finde ich -wie auch schon meine Vorkommentatoren- daß die Wäscheleine die gewünschte Bildaussage stört. VOR ALLEM DIE LANGE UNTERHOSE, die zum lauten Lachen reizt. Auch nicht gerade ein idealer Begleiteffekt, wenn man etwas „Bedrohliches“ zeigen will.
    Überhaupt finde ich, daß man dieses wundervolle, halbverfallene Gebäude in einen anderen Kontext stellen sollte: Es könnte ein wunderschönes Hexenhäuschen darstellen. Wenn es technisch/zeitlich möglich ist, würde ich an Stelle der Photographin dieses Schmuckstück noch einige Male aufsuchen und in immer wechselnden Perspektiven, in immer wechselndem Licht ablichten. DAS Häuschen ist´s wert!

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    • Schtonk! says:

      Lach…also soooo genau hab ich mir die Wäsche nicht angeschaut, mich stören eher das gelbe und das blaue Handtuch…und das weißrosane könnte ja auch ein Pyjama sein…

      Aber egal, ob BH oder Unterhose, die Wäsche stört total…auch weil das Haus eigentlich unbewohnt wirkt…der Fotograf hat es vielleich gerade deshalb aufgenommen, aber es wirkt auf mich, als ob da plötzlich eine Müllhalde mit im Bild ist…einfach störend…

  6. Schtonk! says:

    Ich stimme Sofie komplett zu, was den Bildausschnitt betrifft – die abgeschnittene Scheune stört sehr, die Wäsche ebenso – sie passt überhaupt nicht in diese Szene.

    Was „Photoshoppen“ und HDR betrifft, so sind dies – zumindest in dieser Sache – Gegensätze: HDR reduziert die Kontraste, hier wurden sie angehoben…

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    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      @Schtonk! HDR wird ja oft benutzt, um ein Foto aufzupeppen, weswegen ich es erwähnt hatte. Das hätte man hier von vorneherein ebenfalls versuchen können. Es wäre aber kein besseres Foto daraus geworden – die Stimmung, die nicht da ist (abgesehen von anderen Dingen), hätte es nicht erzeugt.

  7. J.P. says:

    Da es mit dem Beitrag vom Handy aus nicht geklappt hat (ich hoffe mal aus technischen Gründen), hier ein weiterer Anlauf:
    Die überzogene Bearbeitung des Bildes wurde ja schon herausgearbeitet – und sogar noch verstärkt, um einen bedrohlichen Eindruck zu erzeugen. Da ich das Bild ohnehin vor meinem inneren Auge einer Filmkulisse im großen weiten Märchenwald zuordnen würde, stört mich das Unnatürliche aber gar nicht SO sehr. Ebensowenig übrigens wie der Beschnitt am rechten Bildrand. Man bekommt durch die physikalischen Vektoren den Eindruck, daß sich die Scheune links an der Wäscheleine festhält und rechts am Bildrand abstützt, aber früher oder später (eine spannende Frage!) in der Mitte einknicken wird. Die Wäsche selbst mag zwar nicht mit dem Rest des Bildes harmonieren, regt aber dafür intensiv zum Nachdenken über die Menschen an, die sie dort aufgehängt haben.

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  8. Markus says:

    Die Scheune als Motiv finde ich fantastisch, meinetwegen auch mit Wäsche. Aber das Bild strahlt für mich keinerlei „Bedrohung“ aus. Dazu sind die Wolken zu stiefmütterlich in die Ecke platziert worden. Vielleicht hätte eine Weitwinkelaufnahme mit Hütte im Vordergrund und mehr Himmel (wenn möglich) geholfen. Die Nachbearbeitung von Sofie verschlimmbessert meiner Meinung nach das Original, da Farben und Kontraste noch „photoshoppiger“ wirken.
    LG, Markus

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  9. Christian Loose says:

    Ich denke auch, dass der Wäscheständer hier überhaupt nicht ins Bild passt und lediglich Platz für die Scheune stielt.
    Die Nachbearbeitung von Frau Dittmann finde ich davon ab besser, aber nutzlos, da der Bildausschnitt von vornerein nicht gut gewählt war.
    Auch der gedankliche Versuch gerade, herab hängende Wäsche mit einer zusammen geknickten Scheune zu vergleichen hilft (mir) bei dem Bild auch nicht weiter.

    Gruß,
    Christian Loose

    Antworten
    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      Wie schon an anderer Stelle bemerkt, wenn man sich eines Fotos in einer Kritik wirklich so annehmen wollte, wie man es gerne möchte, würden mehrere Seiten daraus. So sind wir gehalten, uns auf bestimmte Aspekte zu konzentrieren, die dem Leser etwas vermitteln können. Wie hier die Sache mit zuviel Nachbearbeitung.

      @Christian Beides Aspekte, denen ich durchaus zustimme. Der Bildausschnitt ist unglücklich gewählt, wodurch die Wäsche zu sehr in den Vordergrund gerät. Die Nachbearbeitung sollte nur die Wolken nochmals verdunkeln. In einem Fall wie diesem müßte ich mit dem Originalfoto anfangen, um Unterschiede herauszuarbeiten.

      @Markus Siehe oben. Die Nachbearbeitung sollte nur die Wolken verstärken. Das Foto ist bereits über zuviel Photoshop hinaus, wie ich ja ausführe. Und Du hast recht, es ist zu wenig Himmel da.

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